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Mehr Lohn, eine Lektion Unterricht weniger: Das sind die Ziele des neuen obersten Luzerner Gymilehrers

An der Spitze des Verbands der Luzerner Mittelschullehrer kommt es zu einem Wechsel: Markus Elsener stellt sich an der ausserordentlichen Generalversammlung vom Mittwoch zur Wahl als Nachfolger von Remo Herbst. Der designierte Präsident geht mit der Luzerner Bevölkerung hart ins Gericht.
Evelyne Fischer
Markus Elsener, Englisch- und Spanischlehrer an der Kantonsschule Reussbühl, will das Präsidium des Verbands der Luzerner Mittelschullehrer übernehmen. (Bild: Nadia Schärli, 4. Februar 2019)

Markus Elsener, Englisch- und Spanischlehrer an der Kantonsschule Reussbühl, will das Präsidium des Verbands der Luzerner Mittelschullehrer übernehmen. (Bild: Nadia Schärli, 4. Februar 2019)

Er ist einer, der Pläne schmiedet. Bis zur Pension wollte der Stadtluzerner Markus Elsener (59) unterrichten. Und zwar nur noch unterrichten. Englisch und Spanisch, an der Kantonsschule Reussbühl. 2010 hatte sich das SP-Mitglied nach acht Jahren aus dem Grossen Stadtrat verabschiedet, 2017 gab Elsener seinen Kaderjob an der Pädagogischen Hochschule ab. «Ich hatte dort die Gymnasiallehrer-Ausbildung aufgebaut. Nach fünf Jahren wurde der Studiengang aber zu gross, um ihn noch in Teilzeit zu führen.»

Elsener ist einer, der gern an Plänen festhält. Lange winkte er daher ab, als es ums Präsidium des Verbands der Luzerner Mittelschullehrer (VLM) ging. Viele taten es ihm gleich. «Als man fürs Präsidium aus der Not heraus ein Turnus-System vorschlug, lenkte ich ein», sagt Elsener.

«Ohne ein Gesicht gegen aussen hätte der Verband jegliche Schlagkraft verloren.»

Das Amt entspricht 15 Stellenprozenten und wird mit 3,5 Jahreslektionen abgegolten. Elsener folgt auf Remo Herbst. Dieser stand während rund zehn Jahren an der Spitze des VLM. Im Interview blickt er auf diese Zeit zurück:

«Mich haut so schnell nichts um»

Weshalb lehnten es so viele ab, in Remo Herbsts Fussstapfen zu treten? «Vielleicht aus Überlastung, vielleicht aus Respekt, sich zu exponieren», sagt Elsener. «Viele wollten sich in ihrer beruflichen Karriere nichts verbauen.» Elsener, markante Brille, Dreitagebart, adrettes Jackett, Volleyballspieler und Ferienhausbesitzer (seit sechs Jahren Präsident des Tourismusvereins Maria-Rickenbach) ist einer, der nichts mehr zu verlieren hat. «Mit meinem Jahrgang und meiner Erfahrung haut mich so schnell nichts um.»

1997 führte der Berufsweg von Elseners Frau nach Luzern; er folgte ihr, baute in Reussbühl das Schwerpunktfach Spanisch auf. Seine Vita: zwischen universitärer Karriere und Lehrerlaufbahn oszillierend, von politischen Ambitionen und Gewerkschaftsgeist stimuliert. Kindheit in Tösstal, Matura in Winterthur, Lizenziat an der Uni Zürich in Englisch und Spanisch, Doktorat in letzterem. Lange unterrichtet Elsener am Berner Gymnasium Neufeld, ist Vorstandsmitglied im Lehrerverband. «Ich genoss in Bern und Reussbühl ein professionelles Umfeld, das Engagements wie dieses gefördert hat», sagt Elsener. Ein solches Klima ist ihm wichtig:

«Lehrer sind zwar Staatsangestellte, aber auch Staatsbürger. Sie sollen sich entsprechend äussern dürfen.»

Derzeit erstellt Elsener für Verbandsmitglieder ein Wahlbulletin mit allen kandidierenden Mittelschullehrern. «Es wäre schön, wenn wir im Kantonsrat mehr Vertreter hätten.» Der Verband müsse aber vor allem auch die Bevölkerung erreichen, «respektive die Eltern unserer Schüler. Denn sie haben ein Glaubwürdigkeitsproblem.» Die Bevölkerung verlange studierfähige Schüler, unterrichtet von den besten Lehrern. «Die Mittel aber stellt sie uns nicht zur Verfügung.» Ein Paradebeispiel für diese Diskrepanz: das Nein zur Halbierung der ­kantonalen ­Musikschulbeiträge – bei gleichzeitiger Ablehnung der Erhöhung des Steuerfusses im Mai 2017.

Zusatzlektion soll wegfallen, das Lohnniveau steigen

Elsener weiss: Mehr Mittel wird es in naher Zukunft kaum geben. «Ich werde neue Spar-Ideen entgegen nehmen und dagegen ankämpfen müssen.» Dafür will er die Meinungen der Schulen abholen, das Gespräch mit den Parteien suchen – über die Linke hinaus («SP und Grüne sind sich als einzige bewusst, dass man den Bildungserfolg in Frage stellt, wenn man die Arbeitsbedingungen der Lehrer verschlechtert»). Seine wichtigsten Ziele: die Erhöhung der Arbeitszeit soll rückgängig gemacht werden, das Lohnniveau steigen.

«Mit 24 Lektionen für ein Vollpensum bewegen wir uns schweizweit am oberen Rand. Zusammen mit den tiefen Salären erschwert uns dies die Rekrutierung der besten Lehrkräfte.»

Ein Mann mit gesundem Ehrgeiz und langem Atem, so einer ist Elsener. «Ich habe kein Problem, gegen Windmühlen zu kämpfen.» Da hält es der Spanisch-Lehrer wie Don Quijote.

Im Präsidium sieht sich Elsener, der Planer, bis zur Pension. Erste Pflöcke für die Zeit danach hat er eingeschlagen: Seit 2,5 Jahren nimmt er Cello-Lektionen, um dereinst in einem Orchester mitspielen zu können. «Es ist lehrreich, wieder in die Schülerrolle zu schlüpfen.» Perspektivenwechsel scheinen ihm zu liegen. Kein schlechtes Omen fürs neue Amt.

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