Kommentar

Mehr soziale Durchmischung
dank gemeinnütziger Wohnungen täte
Luzern Süd gut

Im neuen Boom-Gebiet sind bis jetzt wenig Familienwohnungen entstanden. Die Krienser Wohnraum-Initiative könnte einen Beitrag leisten, dies zu ändern, schreibt Stefan Dähler, stv. Leiter Ressort Stadt/Region, im Leitartikel zur Abstimmung am 19. Mai.

Stefan Dähler
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Mit knapp 9 Prozent liegt der Anteil an gemeinnützigen Wohnungen in Kriens im kantonalen Durchschnitt. Im Vergleich zu den anderen grossen Gemeinden in der Agglomeration ist er indes tiefer. In Luzern und Horw beträgt er rund 13 Prozent, in Emmen gar 19 Prozent. Nun will die Krienser SP mit der Initiative für bezahlbaren Wohnraum die Förderung von ebendiesem gesetzlich verankern. Am 19. Mai entscheidet das Stimmvolk darüber. Die Initiative fordert, dass die Stadt sich für den Erhalt bestehender gemeinnütziger Wohnungen einsetzt und in Entwicklungsgebieten sowie bei grösseren Ein- und Umzonungen einen Anteil an preisgünstigen Wohnungen festsetzt.

In Horw und Luzern wurden bereits ähnliche Initiativen angenommen. Doch dort sind die Durchschnittsmieten deutlich höher als in Kriens, das zudem gemeinsam mit Emmen mit 4,5 Prozent die höchste Sozialhilfequote im Kanton aufweist. Betrachtet man den Wohnungsbestand im ganzen Krienser Stadtgebiet, braucht es die Initiative also nicht. Diese zielt jedoch auf ein bestimmtes Gebiet: Luzern Süd, wo in den nächsten Jahren ein völlig neuer Stadtteil entsteht.

Städtebaulich ist die Exekutive bemüht, einen guten Mix zwischen Wohnen, Arbeiten und Freizeit im Gebiet zu schaffen. Etwas ausser Acht gelassen wurde jedoch der Bevölkerungsmix. Das zeigen die bisher realisierten Wohnungen. Diese sind – mit Ausnahme der Überbauung Schweighof – meistens für Singles und Paare konzipiert und die Mietpreise eher hoch. Den Investoren kann man es nicht verdenken: Neubauten sind nun mal teuer und kleinere Wohnungen sind auf dem Markt gefragt. Doch so entsteht für Mittelstandsfamilien in Luzern Süd kaum Platz.

Finanziell mag es so für die klamme Stadt Kriens attraktiver sein: Es kommen bessere Steuerzahler und die Ausgaben für die Schule sind tiefer. Doch wenn Luzern Süd zu einem lebendigen Stadtteil werden soll, ist nicht nur ein städtebaulicher, sondern auch ein guter Bevölkerungsmix nötig. Gemeinnützige Bauträger wie Genossenschaften und Stiftungen können dazu einen Beitrag leisten, da sie in der Regel viele Familienwohnungen realisieren. Die Befürchtung, dass dadurch viele weitere Sozialhilfebezüger angelockt würden, ist unbegründet. Genossenschaftswohnungen sind keine Sozialwohnungen und können in einem Neubau für 4,5-Zimmer schnell mal 2000 Franken Miete oder mehr kosten. Doch da keine Rendite abgeschöpft wird, steigen die Kosten im Verlauf der Jahre nicht weiter an und werden im Marktvergleich günstiger.

Das heisst nicht, dass andere Bauträger keine Daseinsberechtigung haben. Pensionskassen etwa erwirtschaften die Renten der Bevölkerung, wie der Krienser Bauvorsteher Matthias Senn (FDP) richtigerweise betont (wir berichteten). Die Initiative geht aber nicht so weit, dass nur noch gemeinnützig gebaut werden könnte. Sie ist in Form einer Anregung formuliert, die Umsetzung obliegt dem Stadt- und Einwohnerrat. Konkrete, kaum erreichbare Ziele, wie beispielsweise die in der Stadt Luzern vorgeschriebene Steigerung des Anteils gemeinnütziger Wohnungen auf 16 Prozent, gibt die Krienser Initiative keine vor. Und anders als in der Stadt Bern, wo bei allen Ein- und Umzonungen ein fixer Anteil an preisgünstigen Wohnungen festgesetzt werden soll, wäre das in Kriens nur für einzelne Areale der Fall. Dabei würde es sich um Grundstücke handeln, deren Entwicklung heute noch offen ist. Beispiele könnten allenfalls das Areal Hinterschlund oder Grundstücke rund um den Kreisel Mattenhof sein.

Natürlich ist es für die betroffenen Bauherren dennoch ein grosser Eingriff, wenn die Stadt Vorschriften zu gemeinnützigen Wohnungen macht. Im Gegenzug könnte sie aber auch Möglichkeiten schaffen, den Bauherren entgegenzukommen. Aussagen grosser Investoren zeigen, dass diese Auflage für sie kein Hindernis darstellen muss.

Aber: Ist die Initiative überhaupt noch nötig? Der Einwohnerrat hat diese zwar mit Stimmen der CVP, SVP und FDP abgelehnt, zugleich aber entschieden, dass eine Arbeitsgruppe mögliche Massnahmen zur Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus erarbeiten soll. Ob dieser Umweg tatsächlich einschneidende neue Erkenntnisse liefern kann, ist jedoch fraglich. Mit einem klaren Auftrag durch die Initiative würde man das Ziel der Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus direkter erreichen.