Mehr Tempo für Homeoffice: Anbieter erhöhen die Internet-Geschwindigkeit 

Aufgrund der Corona-Krise gewähren mehrere Internet-Anbieter vorübergehend ein kostenloses Upgrade. Besonders grosszügig ist unter anderem EWL.

Stefan Dähler
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Wer von Daheim aus arbeitet, braucht eine guten Internet-Verbindung.

Wer von Daheim aus arbeitet, braucht eine guten Internet-Verbindung.

Bild: Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Gute Nachrichten für jene, die derzeit von zu Hause aus arbeiten müssen. Gleich mehrere Internet-Anbieter erhöhen in diesen Tagen die Internet-Geschwindigkeit kostenlos. So surfen Privatkunden von Energie Wasser Luzern (EWL) vorerst bis am 30. April mit der Maximalgeschwindigkeit von 1 Gigabyte pro Sekunde. «So können Sie auch im Homeoffice schnell agieren», heisst es in einem Kundenschreiben. Die Umstellung erfolge automatisch.

Dasselbe gilt für Sunrise. Das Unternehmen bietet wegen der aktuellen Situation aufgrund des Corona-Virus zudem auch Handynutzern ein unbegrenztes Hochgeschwindigkeits-Datenvolumen an, das online aktiviert werden muss.

UPC hat seit Donnerstag die Internetgeschwindigkeit für alle Kunden mit langsamerer Verbindung automatisch auf 100 Megabyte pro Sekunde erhöht. «Wir beobachten die Situation laufend», sagt Mediensprecherin Stephanie Niggli. «Steigt die Belastung, können wir die Kapazität erhöhen.»

Swisscom plant kein Upgrade

Die Swisscom plant dagegen derzeit keine generelle Erhöhung der Internetgeschwindigkeit, wie Mediensprecherin Annina Merk auf Anfrage schreibt. Priorität hätten aktuell vor allem «systemkritische Organisationen» wie Spitäler oder Blaulichtorganisationen. Man unterstütze weiter Firmen «mit kostenlosen und schnellen Lösungen, damit sie Homeoffice, Konferenzen und Work Smart schnellstmöglich einführen und nutzen können».

Die Wasserwerke Zug (WWZ) sind Teil des Quickline-Verbunds. Dieser diskutiere derzeit ein flächendeckendes Upgrade, wie WWZ-Kommunikationsleiter Robert Watts auf Anfrage mitteilt. «Wir denken hierbei insbesondere an ein Upgrade der langsamsten Produkte.» Diese böten derzeit 50 Megabyte pro Sekunde. Kunden mit schnelleren Internet-Abos hätten trotz Homeoffice keine Einschränkungen.

Umstellung ist technisch einfach machbar

Technisch sei die Umstellung auf schnelleres Internet relativ einfach, schreibt EWL-Sprecherin Loredana Andreoli auf Anfrage. Grundsätzlich seien alle Kunden mit einem 1-Gigabyte-Netzwerk-Port ausgerüstet. Je nach Abo werde eine künstlich festgelegte Bandbreiten-Limite hinterlegt. Diese sei nun aufgehoben worden. «Ausser Dienstleistungsaufwand hat diese Massnahme keine zusätzlichen Kosten zur Folge, sofern sie zeitlich beschränkt bleibt.»

Sollten die Restriktionen aufgrund des Corona-Virus länger andauern, werde man eine Verlängerung der Internet-Geschwindigkeitserhöhung über den 30. April hinaus prüfen, so Andreoli. «Als Luzerner Unternehmen mit einem Service-Public-Auftrag betrachten wir es als Pflicht, in dieser ausserordentlichen Lage der Stadtbevölkerung hervorragende Datenverbindungen für Homeoffice und Fernstudium zur Verfügung zu stellen.» EWL gehört der Stadt Luzern.

Anbieter betonen: Internet-Kapazitäten reichen aus

Angst, dass die Leitungen wegen Home-Office zusammenbrechen, müsse man keine haben. «Das Netzwerk von EWL ist für weit mehr Kapazität ausgelegt», so Andreoli. Die Stadt Luzern ist flächendeckend mit Glasfaseranschlüssen ausgerüstet. Die Hauptlast sei zudem nicht tagsüber, sondern vor allem am Sonntagabend zu beobachten – wenn viele Leute Fernsehen schauen oder streamen. Andreoli:

«Homeoffice unter der Woche verursacht nicht allzu viel Mehrdatenverkehr.»

Auch die Medienstellen von Swisscom, Sunrise, UPC und WWZ betonen, dass ihre Internetkapazitäten ausreichen. Andreoli: «Leider sind die internationalen Public-Cloud-Services vom enormen Ansturm überrascht worden. Hier spüren unsere Kundinnen und Kunden, dass Microsoft-Cloud-Services aktuell nicht so schnell wie sonst laufen.» Das habe aber nichts mit dem Netzwerk des Internet-Anbieters zu tun.

Probleme bei Telefonaten

Weiter gab es in den letzten Tagen Probleme bei Telefonaten zwischen den Netzen von Swisscom und Sunrise, wie die beiden Unternehmen kürzlich mitteilten. Die Leute würden derzeit deutlich mehr und länger telefonieren, schreibt dazu Annina Merk von Swisscom. «Dies führte insbesondere in Spitzenzeiten punktuell zu Kapazitätsengpässen bei Anrufen zwischen Swisscom- und Sunrise-Kunden.»

Betroffen seien das Mobil- sowie das Festnetz gewesen. Die Kunden hätten jeweils das Besetztzeichen gehört. Man arbeite nun gemeinsam an Kapazitätserweiterungen zwischen den Netzen. «Es konnte bereits eine deutliche Verbesserung erzielt werden», so Merk.

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