Mehr Unterricht für fremdsprachige Kinder

Der Fremdsprachenunterricht auf der Primarstufe wird weiter ausgebaut – solange die Klasse eine Voraussetzung erfüllt.

René Meier
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Primarschüler im Obernau lernen Frühfranzösisch. (Bild: Dominik Wunderli; Kriens, 12. September 2014)

Primarschüler im Obernau lernen Frühfranzösisch. (Bild: Dominik Wunderli; Kriens, 12. September 2014)

Schüler der 3. bis 6. Primarklasse im Kanton Luzern erhalten eine zusätzliche Lektion Fremdsprachenunterricht, sofern in der Klasse mehr als 40 Prozent fremdsprachige Kinder sind. Betroffen von dieser neuen Regelung, welche ab dem kommenden Schuljahr umgesetzt wird, sind rund 65 Schulklassen. Der Regierungsrat hat eine entsprechende Verordnung über die Volksschulbildung angepasst. 

«Der Kanton Luzern rechnet mit Kosten von rund 260'000 Franken pro Schuljahr», sagt Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung. «Die Fremdsprachenevaluation hat gezeigt, dass der Nachholbedarf in der Primarstufe im Englisch und Französisch am grössten ist». Kann sich der Kanton eine zweite Zusatzlektion überhaupt leisten? «Es ist klar, dass das etwas kostet» sagt Vincent dazu. Der Regierungsrat habe schon im Vorfeld der Volksabstimmung über die Fremdspracheninitiative eine zweite Zusatzlektion für Klassen mit schwierigen Voraussetzungen in Aussicht gestellt. Jetzt werde sie umgesetzt. 

Maximal zwei zusätzliche Lektionen

Bereits heute erhalten Primarklassen mit zwanzig und mehr Kindern eine Zusatzlektion Englisch oder Französisch, die im Fremdsprachenunterricht für den Halbklassenunterricht eingesetzt wird. Das ist aktuell in rund 180 Klassen der Fall. Künftig erhalten jene Klassen, welche einen hohen Anteil fremdsprachiger Kinder haben und über zwanzig Kinder zählen, maximal zwei zusätzliche Lektionen. 

Annamarie Bürkli, Präsidentin des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband (LLV), begrüsst die Absicht des Kantons. «Es ist ein Schritt in die richtige Richtung und stellt eine klare Verbesserung dar zu dem, was schon immer geplant war.» Die zusätzliche Lektion komme nicht nur fremdsprachigen Kindern, sondern allen Schülern der 3. bis 6. Primarklasse zu Gute. 

«Die Evaluation hat gezeigt, dass der Nachholbedarf in der Primarstufe im Englisch und Französisch am grössten ist»

Mit der ersten Zusatzlektion haben die Lehrer laut Bürkli gute Erfahrungen gemacht. Sie nehme den Druck insbesondere von leistungsschwächeren Kindern weg. Überdenken müsste man als nächsten Schritt erleichterte Dispensationen der schwächsten Schülern im Fremdsprachenunterricht. 

Jeder fünfte ist fremdsprachig

Im Kanton Luzern gibt es rund 850 Schulklassen auf Stufe 3. bis 6. Primarklasse. Der Fremdsprachenanteil liegt im Schnitt bei 20 Prozent. Die Fächer Deutsch und Mathematik sind mit der Einführung des Lehrplans 21 bereits ausgebaut worden.

Im Herbst 2017 hatte das Luzerner Stimmvolk die Initiative «Eine Fremdsprache auf der Primarstufe» abgelehnt. Heute wird Frühenglisch ab der dritten, und französisch ab der fünften Klasse unterrichtet. 

ABSTIMMUNG: Luzerner lehnen Fremdsprachen-Initiative ab

Eine deutliche Mehrheit spricht sich für den Unterricht von zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe aus. Somit gibt’s weiterhin Frühenglisch ab der dritten und Französisch ab der fünften Klasse. Die Gegner sprechen von unsachlicher Angstmacherei.

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