Mehrere Gemeinderäte treten ab: Grosser Ansturm aufs Hochdorfer Rathaus

In Hochdorf treten lediglich zwei Gemeinderäte erneut an – und der Kampf um einen Sitz verspricht viel Spannung.

Ernesto Piazza
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Zehn Kandidaten für fünf Sitze: In Hochdorf hat der Souverän bei den Gesamterneuerungswahlen des Gemeinderates eine echte Auswahl:

Lea Bischof-Meier (61, CVP) kandidiert für nächste vier Jahre als Gemeindepräsidentin.
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Daniel Rüttimann (52, CVP, bisher) setzt weiter auf das Ressort Soziales, Gesundheit.
Mit Roland Weingartner (50, neu) will der CVP-Co-Präsident in die Hochdorfer Exekutive.
Versicherungsberater Stefan Kaeslin (55, neu) komplettiert das CVP-Viererticket.
Kommunikationsprofi Reto Anderhub (FDP, 33, neu) ist ein Vertreter der «jungen Garde».
Ernst Dober (60, FDP, neu) kann bereits Exekutiverfahrung von Dierikon vorweisen.
Mit Moni Schnydrig (50, SVP, neu) setzt die Partei auf eine Frau und auf ihre Präsidentin.
Gaby Oberson (SP, 46, neu) soll das Parteienspektrum um die Farbe «rot» erweitern.
Gallus Bühlmann (33, VAH/Grüne, neu) will künftig Links-Grün im Rat eine Stimme geben.
Roman Bolligers (44, parteilos) grosse Vision für Hochdorf ist der Klimaschutz.

Lea Bischof-Meier (61, CVP) kandidiert für nächste vier Jahre als Gemeindepräsidentin.

Bild: PD

Und aufgrund dessen, dass mit Marco Uhlmann (CVP, Finanzen), Roland Emmenegger (FDP, Bau) und Daniela Ammeter Bucher (FDP, Bildung und Wirtschaft) sich drei Ratsmitglieder nicht mehr für eine nächste Legislatur zur Verfügung stellen, kündigt sich in der Metropole des Seetals ein heisser Wahlfrühling an.

Dass gleich drei Gemeinderäte aufs Mal zurücktreten, war in Hochdorf nicht unbedingt erwartet worden. Und dass für die Besetzung der fünf Sitze mit CVP, FDP, SVP, SP und Grüne alle Parteien ins Rennen steigen, genau so wenig. Dazu kommt, dass mit Roman Bolliger (44) auch ein Parteiloser kandidiert.

Aktuell setzt sich der Hochdorfer Gemeinderat aus drei CVP- und zwei FDP-Vertretern zusammen. Bei der sich nun präsentierenden Ausgangslage wird jedoch deutlich: Das «linke Lager» und die SVP wollen diese Phalanx aufbrechen.

CVP bietet mit Viererticket «eine echte Auswahl»

Die CVP will primär ihre drei Sitze im Gemeinderat verteidigen. Dieses Ziel begründet Co-Präsident Adrian Nussbaum mit den Wahlresultaten 2019. Die Partei habe ihren Anteil halten können. Lea Bischof-Meier (seit 2004) und Daniel Rüttimann (seit 2012) treten erneut an. Den beiden dürften im Hinblick auf eine Wiederwahl die grössten Chancen eingeräumt werden. Weiter vervollständigen Co-Präsident Roland Weingartner und Stefan Kaeslin das Viererticket. Weingartner arbeitet einerseits als Projektleiter (80 Prozent) und ist 20 Prozent Hausmann und Vater. Stefan Kaeslin ist als Versicherungsberater tätig.

Lea Bischof stellt sich zudem erneut fürs Präsidium zur Verfügung. Daniel Rüttimann setzt weiterhin auf sein Ressort Soziales, Gesundheit und Sicherheit. Er sagt: «Die Arbeit in diesem Bereich bedingt viele zusätzliche Schnittstellen zu kommunalen oder regionalen Verbänden und Organisationen. Diesen Aufbau möchte ich auch in den nächsten vier Jahren weiterführen und weiterentwickeln.» Während in Hochdorf eine Person als Ratsmitglied und als Präsident(in) gewählt werden muss, kennt man bei der Ressortverteilung das Anciennitätsprinzip. Das heisst: der oder die Dienstälteste wählt zuerst das Ressort – und das würde im vorliegenden Fall auf Rüttimann zutreffen.

«Die CVP will mit ihren vier Kandidaten dem Volk eine echte Auswahl präsentieren», so Nussbaumer. Aufgrund der Konstellation geht die Partei davon aus, dass ein zweiter Wahlgang nötig wird. Und mit Blick auf die Erfolge der Grünen auf kantonaler und nationaler Ebene sagt er:

«Gemeinderatswahlen sind Personenwahlen. Da reicht das Etikett ‹grün› wohl nicht.»

Grüne setzen auf ihren Wähleranteil

Die angesprochenen Grünen/VAH (Verein aktives Hochdorf) erklären dagegen in einer Medienmitteilung: «Unser Kandidat Gallus Bühlmann überzeugt mit seinem Profil und seinen Fähigkeiten und will sich für eine nachhaltige Politik einsetzen.» Und weiter betonen sie: Der Anspruch des links-grünen Lagers von Hochdorf auf einen Sitz im Gemeinderat wäre ausgewiesen. In diesem Jahr seien sie bei den kantonalen Wahlen auf einen Anteil von 21,7 Prozent gekommen. «Der Bevölkerungsanteil, welcher Links-Grün vertritt, soll künftig auch mit einem Sitz im Gemeinderat eine Stimme haben», so die Partei.

FDP nominiert – aber ohne Frauenkandidatur

Die FDP will die beiden Sitze von Emmenegger und Ammeter Bucher mit Ernst Dober (60) und Reto Anderhub (33) wieder besetzten. Dober ist Maschinen- und Betriebsingenieur HTL und war von 2000 bis 2005 bereits Gemeinderat von Dierikon. Anderhub verfügt über einen Bachelor FH in Business Communications und ist Inhaber einer Kommunikationsagentur. Da stellt sich die Frage, ob eine Frauenkandidatur für die FDP keine Option gewesen war. Parteipräsident Franz Arnold erklärt: «Wir haben während der Evaluation mehrere Frauen angefragt. Leider konnte keine die dafür notwendige Zeit für dieses anspruchsvolle Amt freimachen.» In erster Linie hätten sie aber Menschen mit der nötigen Erfahrung und Persönlichkeit gesucht. Arnold befürwortet grundsätzlich die grosse Auswahl von Kandidierenden. Dies war in den vergangenen Jahren in Hochdorf nicht immer der Fall. Und weiter betont er: «Wir werden alles daran setzen, dem Stimmvolk aufzuzeigen, dass unsere beiden Kandidaten die Gemeinde weiter bringen.»

SVP will «klar bürgerliche und sozial engagierte Frau»

Die Dreiervakanz sei eine Chance für die Gemeinde, weil die Möglichkeit bestehe, dass der Rat künftig parteipolitisch ausgewogen zusammengesetzt ist, schreibt die SVP. Sie empfindet die bisherige parteipolitische Zusammensetzung des Gemeinderates für die demokratische Mitwirkung in Hochdorf nicht als dienlich. Nachdem die FDP trotz des Rücktritts von Daniela Ammeter ein reines Männerticket präsentiere und auch von der CVP keine neu kandidierende Frau nominiert worden sei, ist für die SVP klar, dass es für sie für den Gemeinderat eine klar bürgerliche und sozial engagierte Frauenkandidatur brauche. Mit Moni Schnydrig schickt die Partei ihre Präsidentin ins Rennen. Sie hat im Frühling auch für den Kantonsrat kandidiert und arbeitet im Heilpädagogischen Zentrum in Hohenrain in der Schule und in der Sozialpädagogik.

SP pocht auf angemessene Vertretung im Gemeinderat

Die SP setzt sich zum Ziel «das Parteienspektrum im Gemeinderat mit der Farbe ‹rot› zu erweitern», wie sie schreibt. Die Partei fordert «mit Nachdruck eine angemessene Vertretung im Gemeinderat» – und spricht dabei von «Konkordanz». In diesem Kontext betont Parteipräsident ad interim Hans Bächler: «Die Formel mit drei CVP- und zwei FDP-Vertretern sei für Hochdorf überholt. Die Abstimmungen zum Bodenrecht im Jahr 2017 und das unlängst das deutliche Nein des Souveräns zu Parkplätzen auf der Scherermatte hätten klar gezeigt, dass der Gemeinderat mit seiner Politik nur knapp die Hälfte der Hochdorfer Bevölkerung erreiche.

Die SP schickt Gaby Oberson (46) ins Rennen um einen Sitz in der Exekutive. Die Mutter von drei Söhnen im Primarschulalter arbeitet aktuell in der Projektleitung Pflege. Bächler sagt: «Die SP ist überzeugt mit ihr kommt eine stärkere soziale Perspektive, mehr Umweltbewusstsein und eine Frauenstimme mehr in den Gemeinderat.»

Komplettiert wird das Kandidatenfeld für einen Sitz im Gemeinderat vom Parteilosen Roman Bolliger (44). Er ist Energie- und Klimaschutzexperte und wohnt seit vier Jahren in Hochdorf. Seine Vision für das Zentrums des Seetals ist: «Es soll im Bereich Klimaschutz vorbildlich sein, über einen starken sozialen Zusammenhalt verfügen und wirtschaftlich einen erfolgreichen Weg beschreiten.

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