Mehrzweckhalle in Ruswil wird doppelt so teuer als gedacht – jetzt kommt das Projekt an die Urne

Am 29. November stimmen die Ruswiler über das Bauprojekt an der Urne ab. Die hohen Kosten geben im Vorfeld zu reden.

Hannes Bucher
Drucken
Teilen
So soll die neue Mehrzweckhalle in Ruswil dereinst aussehen.

So soll die neue Mehrzweckhalle in Ruswil dereinst aussehen.

Visualisierung: PD

Ruswil steht vor einer weiteren Grossinvestition. Vor drei Jahren hat die Gemeinde die Mehrzweckhalle in der Wolfsmatt von einer privaten Genossenschaft für 500000 Franken gekauft. Der Grund: Sport- und Kulturvereine haben einen erhöhten Raumbedarf. 2019 erhielten die Sportvereine eine Dreifachhalle, nun sollen die Kultur- und Freizeitvereine zum Zug kommen.

Zunächst wurde für die Mehrzweckhalle eine Sanierung ins Auge gefasst. Eine grobe Kostenschätzung ohne vertiefte Abklärungen belief sich auf rund 4,2 Millionen Franken. Im Mai 2019 sprach der Gemeinderat einen Planungskredit von 320000 Franken. Die Grundlagenerarbeitung der Planungskommission zeigte schon bald auf: Eine Sanierung lohnt sich nicht. Zu viel müsste nachgebessert, verstärkt und aufgerüstet werden. Die vermeintlichen Minderkosten einer Sanierung würden die betrieblichen Nachteile nicht aufwiegen.

In der Folge wurde ein Ersatzbauprojekt verfolgt. Dies liegt nun vor und sieht am aktuellen Standort eine neue Halle mit Platz für 1500 Personen. Der Neubau wird als Hybridbau (Holzbau/Betonbau) konstruiert. Eine Mehrzweckbühne, unterteilbare Proben- und Mehrzweckräume, technische Infrastruktur und Lagerräume sollen die Bedürfnisse der Vereine abdecken. Die Halle kann weiter für Sport genutzt werden.

«Ist das noch im grünen Bereich?»

Am 29. November stimmen die Ruswiler über das Bauprojekt an der Urne ab. Doch die Kosten geben zu reden: Statt den einst geschätzten 4,2 Millionen Franken für eine Sanierung kostet der Ersatzbau nun doppelt so viel: 8,3 Millionen Franken. Das sorgt in Ruswil für Gesprächsstoff – sowohl an der kürzlich durchgeführten Orientierungsversammlung als auch in den Leserbriefspalten des «Anzeiger vom Rottal». Mit der Neuinvestition betrage die Pro-Kopf-Verschuldung Ruswils über 9000 Franken – «mehr als ein Achtfaches des kantonalen Grenzwertes», schreibt etwa eine Ruswilerin und fragt: «Ist das noch im grünen Bereich?»

Innenansicht der geplanten Mehrzweckhalle.

Innenansicht der geplanten Mehrzweckhalle.

Bild: PD

Gemeinderätin Lotti Stadelmann (SP) vom Ressort Finanzen hat die Planungsgruppe selber präsidiert und sagt zu den Kosten: «Man war bei den Studien zu optimistisch und hat das Ausmass der Erfordernisse unterschätzt». Und: «Nein, es gab kein Wunschkonzert der Vereine. Wir machen das, was zweckmässig, zeitgemäss und sinnvoll ist.» Der Ruswiler Gemeinderat hat die Mehrkosten für den Neubau im Finanzplan integriert. «Wir können dies trotzdem stemmen», sagt die Gemeinderätin. Gerade auch die Steuerentwicklung der letzten Jahre stimme den Gemeinderat optimistisch. Im Wissen auch, dass weitere unabdingbare Investitionen anstehen, so etwa mit der absehbaren notwendigen Schulraumerweiterung in der Bärematt? «Ruswil hat einen langen Investitionsstau abzubauen», so die Ruswiler Finanzchefin. «Nachher werden wir auf ein Mindestmass runterfahren.»

FDP und SVP lehnen Projekt ab

Hin- und hergerissen sind die Ortsparteien. «Renovieren geht nicht, Hinausschieben bringt auch nichts», sagt CVP-Präsident Hanspeter Bucheli. Der Parteivorstand der CVP spricht sich für ein Ja aus. Das macht auch die SP. Anders die FDP. «Die hohe Verschuldung stösst bei vielen Liberalen sauer auf», sagt Peter Amrhyn, Präsident der FDP Ruswil. Gerade auch, wenn man nicht wisse, wie sich die aktuelle Situation rund um Corona auf das Steuersubstrat auswirke. Die Parteiversammlung habe schliesslich für ein knappes Nein entschieden, auch wenn die Bedürfnisse der Vereine anerkannt werden. Nein sagt auch die SVP: Parteipräsident Fabian Stadelmann spricht von einem «Luxusprojekt» und fragt: «Wie kann es sein, dass noch Anfang Jahr die Planungskommission kommuniziert hat, dass bei einem Neubau gegenüber der Sanierung lediglich mit Mehrkosten von rund 10 Prozent zu rechnen sei und knapp neun Monate danach eine Vorlage mit fast doppelten Kosten vors Volk kommt?»

Lotti Stadelmann sieht der Abstimmung optimistisch entgegen. Kommt alles gut, soll im Sommer Baubeginn sein. Die neue Halle stünde im Herbst 2022 zur Verfügung. Was, wenn das Projekt scheitert? «Dann bleibt es, wie es ist. Aufgeschoben wäre aber nicht aufgehoben. Günstiger wird es später bestimmt nicht.»

Mehr zum Thema