MEIERSKAPPEL: Eine Geschichte wiederholt sich: Gemeindeschreiber wird freigestellt

Erst jetzt wird bekannt: Der Gemeindeschreiber musste seinen Posten im Oktober per sofort räumen. Brisant: Meierskappel ist bereits die dritte Gemeinde, wo er sich mit den Behörden überworfen hat.

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Das Gemeindehaus in Meierskappel. (Bild: Google Street View)

Das Gemeindehaus in Meierskappel. (Bild: Google Street View)

Die Gemeinde Meierskappel sucht «per sofort oder nach Vereinbarung» einen neuen Geschäftsführer oder Gemeindeschreiber. Diese Neuigkeit aus dem aktuellen Luzerner Kantonsblatt lässt aufhorchen, ist doch der dortige Gemeindeschreiber Stefan Alois Tschümperlin erst seit ungefähr eineinhalb Jahren im Amt. Eine Anfrage beim Gemeindepräsidenten Konrad Langenegger (SVP) zeigt, dass Tschümperlin schon seit Oktober 2016 nicht mehr in Meierskappel arbeitet – er wurde mit sofortiger Wirkung freigestellt. «Weil die Zusammenarbeit mit Herrn Tschümperlin nicht funktioniert hat, mussten wir uns trennen», sagt Langenegger.

Um Tschümperlin nun «keine Steine in den Weg zu legen», will sich Langenegger nicht zu Details äussern. Vergangene Vorkommnisse in anderen Gemeinden geben dennoch Aufschluss, was sich in Meierskappel zugetragen haben könnte. Denn Meierskappel ist nicht die erste Gemeinde, die Tschümperlin per sofort freigestellt hat. Das «Solothurner Tagblatt» titelte im März 2009: «Schlammschacht in Oensingen – Gemeindeverwalter muss gehen». Dort wird geschildert, wie Tschümperlin gegen den damaligen Oensinger Gemeindepräsidenten heftige Vorwürfe erhoben hat und daraufhin fristlos entlassen wurde. Brisant war, dass Tschümperlin die unschöne Korrespondenz mit dem Gemeindepräsidenten öffentlich verbreitete und so die Treuepflicht gegenüber seinem Arbeitgeber verletzte.

Gemeinderat wusste nichts von der Vorgeschichte

Nach dem abrupten Abgang im Kanton Solothurn war Tschümperlin als Gemeindeschreiber in Unteriberg SZ tätig. Auch dort wurde er gemäss einer Medienmitteilung des Gemeinderates vorzeitig demissioniert, obwohl dort gleichzeitig von einer «guten Arbeit» die Rede ist. Die Mitteilung stammt vom Mai 2014. Wenige Monate später bewarb sich Tschümperlin in Meierskappel. Warum hat man ihn dort trotz dieser Vorgeschichte eingestellt? Gemeindeamtfrau Monika Dilger (CVP), die schon damals im Amt war, gibt auf Anfrage Auskunft: «Ich wusste es schlicht nicht. Und der damalige Gemeindepräsident vermutlich auch nicht.» Dass in Unteriberg nicht alles rundgelaufen ist, davon hatte Dilger jedoch Kenntnis: «Beim Vorstellungsgespräch hat uns Stefan Tschümperlin von sich aus gesagt, dass er mit dem dortigen Gemeindepräsidenten seine Mühe hatte.» So etwas könne ja vorkommen, sagt Dilger. «Wir wollten ihm deshalb einfach eine Chance geben.»

Dass die Zusammenarbeit dann doch beendet wurde, wollte der Meierskappeler Gemeinderat zu Tschümperlins Schutz nicht an die grosse Glocke hängen. Ende Oktober 2016 verschickte der Gemeinderat lediglich an einige, die es betraf, ein Schreiben. Dort spricht er davon, dass «die Auffassungen zur Ausgestaltung des Geschäftsführungsmodells zu weit auseinandergehen». Dadurch könne eine effiziente und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Verwaltung nicht zielführend verwirklicht werden.

«Jetzt wollen wir aber vorwärtsschauen», sagt Gemeindepräsident Konrad Langenegger. Die Ausgangslage dafür sei gut: Mit Lucia Knüsel konnte der Posten kurz nach Tschümperlins Weggang interimistisch besetzt werden. Knüsel ist Meierskappelerin und ausgebildete Gemeindeschreiberin. «Das war ein absoluter Glücksfall.» Bei ihr sei ­jedoch von Anfang an klar gewesen, dass sie eine andere berufliche Herausforderung suche. Langenegger: «So haben wir aber genügend Zeit, einen geeigneten Nachfolger zu finden.»

Stefan Alois Tschümperlin selber wollte sich auf Anfrage weder zu den Vorkommnissen in Meierskappel noch zu seiner beruflichen Zukunft äussern.

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch