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Kolumne

Mein Bild: Dankbar für den Stromausfall

Feiern mit Alkohol: Das macht man nicht nur bei gewonnenen Wahlen, sondern auch auf Reisen – zuweilen kann das Fest allerdings im Desaster enden.
Yasmin Kunz
Vorfreude auf die Wiederwahl des nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari. Bild: Jerome Delay/AP (Nigeria, 26. Februar 2019)

Vorfreude auf die Wiederwahl des nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari. Bild: Jerome Delay/AP (Nigeria, 26. Februar 2019)

Auf den ersten Blick könnte man dieses Foto an die Lozärner Fasnacht verorten, wo in der Regel auch ordentlich Alkohol fliesst und auf alles und jeden angestossen wird. Dem ist aber nicht so, zumal die Fasnacht heute vorbei ist. Auf dem Bild sieht man vielmehr ein paar Nigerianer, die schon vor dem Wahlergebnis mit Champagner auf ihren Favoriten Muhammadu Buhari anstossen. Zu Recht, wie sich wenig später zeigen sollte: Die Wiederwahl des 76-Jährigen wurde Ende Februar bestätigt. Er bleibt vier weitere Jahre Präsident.

Die Kombination Afrika und Alkohol ruft bei mir Erinnerungen wach an meine Zeit in Ghana. Das erste Erlebnis in einer Dorf-Bar hat sich eingeprägt. Das Bier war zwar wider Erwarten ganz gut, doch wenige Zeit später drückte bereits die Blase. So fragte ich den Barkeeper, wo denn die Toilette sei. Das war der erste Fehler. WC-Anlagen suchte man dort – in einem eher abgelegenen Bergdorf – vergeblich.

Er zeigte an die gegenüberliegende Hauswand. «Da?!», fragte ich, unsicher, ob er wirklich die Mauer eines Wohnhauses meinte. Meine Kollegin musste ebenfalls ihre Blase leeren. Wir entschieden uns, dies gemeinsam zu erledigen. (Man soll in Afrika möglichst nichts alleine unternehmen, hiess es.) Das entpuppte sich aber als Fehler Nummer zwei. Kaum waren wir in Pinkelposition, stand wie aus dem Nichts eine Horde einheimischer Kinder vor uns. Was sie sahen, amüsierte sie köstlich. Weisse Hintern, eine Seltenheit. Unisono sangen die Kinder «Obroni», «Obroni» (Weisse, Weisse) und applaudierten. Wir riefen zurück «Obibini», «Obibini» (Schwarze, Schwarze). Politische Korrektheit – damals ein Fremdwort in Ghana.

Letztlich lachten wir mit – was blieb uns anderes übrig – und tranken noch ein Bier. Womöglich waren es auch zwei. So genau erinnere ich mich nicht. Es war der dritte Fehler an diesem Abend. Denn auf dem 40-minütigen Heimweg mussten wir erneut eine Hauswand aufsuchen. Gottlob waren im ghanaischen Bergdorf kurz zuvor einmal mehr die Lichter ausgegangen.

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