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Kolumne

«Mein Bild»: Das grünste blaue Auto weit und breit

Nicht alle finden sich in der Welt der Autos zurecht. Unser Autor Simon Mathis ist einer von ihnen. Vielleicht ändert sich das bald: Eine Autofahrt im Juragebirge eröffnete ihm eine ganz neue Perspektive.
Simon Mathis
Künstlerischer Ausdruck oder politische Botschaft? Fest steht: Dieses Auto fährt nicht mehr. (Leserbild: Heinz Schürmann (Sachseln, 6. Oktober 2018))

Künstlerischer Ausdruck oder politische Botschaft? Fest steht: Dieses Auto fährt nicht mehr. (Leserbild: Heinz Schürmann (Sachseln, 6. Oktober 2018))

Autos sind mir seit Kinder­tagen ein Rätsel. Wenn andere Buben auf dem Pausenplatz fleissig über einzelne Marken fachsimpelten, stand ich stets ratlos daneben und lauschte. Trotz abgeschlossener Fahrprüfung bevorzuge ich auch heute noch den Zug. Meistens jedoch bin ich zu Fuss unterwegs.

Ganz anders meine Freundin. Sie wurde im Genfer Verkehr sozialisiert. Und dort herrschen andere Sitten als in der beschaulichen Innerschweiz. Als wir diesen Sommer an der französischen Grenze entlangfuhren, eröffnete sich mir eine ganz neue Perspektive.

Meine Chauffeuse überholte souverän, kurvte genussvoll über Bergstrecken, schlängelte sich zielsicher durch den Verkehr und parkierte auf den Millimeter genau ein. Die Reise machte mich vertraut mit einer Welt, die mir bisher fremd war: kühler Fahrtwind, dröhnende Boxen, wummernder Motor. Freiheit auf dem Asphalt.

Ein blauer Ford, degradiert zum Blumentopf. Das Bild wirkt auf den ersten Blick wie ein politisches Statement. Das grünste Auto weit und breit – so könnte man sagen – ist dasjenige, das gar nicht fährt. Aber es ist nicht dieser Gedanke, der mir bei dem Betrachten des Fotos ein Schmunzeln entlockt. Im schmunzle, weil die Karosserie durch die Bepflanzung eine ganz neue Qualität erhält.

Es geht nicht um eine Rache der Natur. Nicht darum, dass Efeu und Löwenzahn sich des Wagens bemächtigen. Es geht darum, dass Technik und Natur verschmelzen. Und gemeinsam etwas seltsam Schönes bilden, ähnlich einer überwucherten Ruine eines Schlosses. Der Anblick macht mir klar, was mich am Verkehr am meisten stört: Alles sieht gleich aus.

Dabei können Autos viel mehr sein, als Hass-, Zweck- oder Statusobjekte. Ich plädiere für eine fantasievollere Gestaltung der Karosserie! Ich will im Verkehr nicht in der anonymen Masse untergehen. Ein Fahrzeug kann ästhetisch und individuell sein. Es soll nicht nur dazu dienen, von A nach B zu gelangen. Das habe ich seit jenem Sommertag im Juragebirge verstanden. Vielleicht sind meine Tage als Autobanause gezählt.

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