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Kolumne

Meine verhinderte Begegnung mit der «Dicken Berta»

In seiner Kolumne «Schnee von gestern» berichtet Redaktor Hans Graber, welches Unheil ihn davon abgehalten hat, endlich die Wurster Nordseeküste zu erkunden.
Hans Graber
Hans Graber

Hans Graber

Vorbemerkung: Dieser Text wird unter Einfluss von Schmerzmedikamenten geschrieben, die gemäss Beipackzettel zu Denkstörungen, Verwirrtheit, Trägheit, Schüttelfrost, Ohnmacht, Halluzinationen, aber auch euphorischen Stimmungen führen können.

Dabei hätten es unbeschwerte Feriengrüsse werden sollen. Feriengrüsse aus dem Norden Deutschlands, Cuxhaven, um genau zu sein. Das ist dort, wo die Elbe nach 1094 Kilometern in die Nordsee mündet. Bei aller Ehrfurcht vor unserer erhabenen Bergwelt: Ich habe auch einen ausgeprägten Hang zum Topfebenen und unverstellten Weiten, einen Flachsinn quasi, dem ich am liebsten in Norddeutschland fröne.

In Cuxhaven wollte ich Sehenswürdigkeiten wie die «Dicke Berta» (Leuchtturm) oder die «Alte Liebe» aufsuchen. Letzteres ist eine Aussichtsplattform zum Schiffeschauen, eine Konstruktion aus Holz, was vielleicht erklärt, weshalb alte Liebe nicht rostet. Gerne erkundet hätte ich auch das Umland, speziell die neu geschaffene Nachbargemeinde Wurster Nordseeküste. Deren Parlament ist unter anderem bestückt mit Vertretern der Wurster Liste. Ein auf Anhieb speziell klingender Parteiname. Bei uns heissen die anders.

Aber es war nichts mit «Dicker Berta», «Alter Liebe» und dem ganzen Gewurstel. Um es kurz zu machen: Ich hatte vor der geplanten Abreise einen Unfall mit dem Velo, gefolgt von mehrtägiger Hospitalisierung und weitgehender Sedierung. Die Zahl gebrochener Rippen kann man nicht an einer Hand abzählen, dazu blaue Flecken und eine zünftige Schnatte am Kopf, mit sichtbaren Nähten. Obwohl mittlerweile halbwegs wiederhergestellt: An Ferien ist nicht zu denken. Statt «Dicke Berta» eine fette Medi-Liste.

Auf Zeitungsredaktionen gilt der Grundsatz, dass es den Leser und die Leserin keineswegs zu interessieren habe, ob es dem einzelnen Schreiber oder der Gesamtredaktion gut geht oder nicht. Selbst wenn mehr als die halbe Belegschaft vom Norovirus befallen sei, dürfe man das dem Blatt in keiner Weise anmerken. Während die «technische Panne» oder neuerdings der totale «Systemabsturz» bedenkenlos und jederzeit für Unzulänglichkeiten, Fehlleistungen und Verspätungen ins Feld geführt werden dürfen, ist das menschliche Versagen tabu, selbst wenn es unverschuldet ist.

Diese Haltung ist an sich richtig, theoretisch. Dennoch frage ich mich, ob der Grundsatz wirklich stimmt. Mich jedenfalls würden manchmal Angaben zum Gesundheitszustand einer schreibenden Person brennend interessieren. Ähnlich wie US-Politiker, die die Werte ihrer Gesundheitschecks offenlegen, könnten doch auch Zeitungsartikel mit Vitaldaten des Autors ergänzt werden. Blutdruck, Herzfrequenz, Blutfett. Solche Angaben würden eventuell so einiges erklären, auch wenn Dachschäden und andere psychische Defekte wohl nur selten erfasst und beim Namen genannt sind. Allenfalls könnte man bereits auf der Frontseite ähnlich einer Mannschaftsaufstellung von Fussballspielen angeben, wer mitgemacht hat, wer für den Einsatz fitgespritzt werden musste, wer handicapiert oder verhindert war und wem die gelbe oder rote Karte gezeigt werden musste. Naja, ist nur so eine Idee, entsprungen einer Denkstörung? Halluzination?

Aber ich merke es wenigstens noch und bin willens, mich jetzt wieder der Trägheit hinzugeben. Cuxhaven? Muss warten! Kein Problem für mich, die Vorstellung von Ferien ist ohnehin meistens schöner als die Ferien selber. Sowieso: Wenn ich Cuxhaven jetzt forcieren würde, wäre ein Irrtum denkbar. In Cuxhaven gibt es nämlich auch ein Museum mit einer Wrack-Ausstellung. Aktuell hätte ich das Zeug dazu, dort als Luzerner Leihgabe platziert zu werden.

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