MEINPROF.CH: Studenten bewerten ihre Professoren online

Auf einer Website stehen für einmal nicht die Studierenden, sondern die Professoren auf dem Prüfstand. Während der Service schweizweit rege genutzt wird, tun sich die Luzerner Studenten noch schwer damit.

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(Symbolbild Chris Iseli/Neue LZ; Montage scd)

(Symbolbild Chris Iseli/Neue LZ; Montage scd)

Das deutsche Internetportal Spickmich.de , auf dem Schüler ihre Lehrer bewerten können, hat für grosses Aufsehen gesorgt. Nun zieht der kommerzielle Schweizer Betreiber Studimedia, der noch andere Community-Websites für Studenten anbietet, mit Meinprof.ch auf universitärer Ebene nach: Hier können Studenten ihre Professoren bzw. deren Lehrveranstaltungen nach verschiedenen Kriterien beurteilen. Patrick Mollet, Mitinhaber von Studimedia und Initiant von MeinProf.ch umschreibt das Projekt folgendermassen: «Durch die Veröffentlichung der einzelnen subjektiven Meinungen der Studierenden können sich die Kommilitonen vor dem Besuch der Vorlesung ein Bild eines Kurses oder Professors machen.» Dies werde in Zeiten der Bolgnoreform und zunehmender Mobilität immer wichtiger. Seit kurzem hat die seit Oktober 2007 bestehende Website ein neues Design erhalten und wartet mit weiteren Neuerungen auf.

Erst 35 Bewertungen in der Zentralschweiz
Im Vergleich zum deutschen Pendant Meinprof.de , wo Professoren der Uni Siegen mit über 8000 Bewertungen am meisten Noten erhalten haben, ist die Datengrundlage für einigermassen repräsentative Benotungen in der Schweiz noch relativ dünn – allerdings gibt es das deutsche Portal auch schon zwei Jahre länger. Mit 962 am meisten Bewertungen erhalten hat in der Schweiz bislang die Hochschule für Technik FHNW, beinahe gleich viel wie die Universität Bern. Entweder scheint die Kunde von der Existenz von Meinprof.ch in der Zentralschweiz noch nicht die Runde gemacht zu haben – oder hier ist die Mentalität anders. Die Universität Luzern wurde bislang jedenfalls erst 18 Mal, die Hochschule Luzern - Technik und Architektur 16 Mal und die Hochschule Luzern - Wirtschaft ein einziges Mal bewertet. Für die Pädagogische Hochschule Zentralschweiz und für alle übrigen Zweige der Hochschule Luzern sind noch gar keine Benotungen vorhanden.

Professoren mit eigenen Accounts
Der Sozialwissenschaftler Gaetano Romano und dessen Angebotenen Kurse schwingen in der Region momentan obenaus: Von 5 möglichen Bewertungspunkten erzielte der Professor an der Universität Luzern 4,79. Allerdings basiert diese Benotung auf lediglich vier Studenten-Bewertungen. Auch die Benotung des Juristen Michele Luminati fusst auf vier Bewertungen – entsprechend stark beeinflusst eine schlechte Note für den Kurs «Juristische Methodik» das Gesamtresultat, das mit 2,29 von maximal 5 Punkten nicht gerade rosig ausfällt. Validität hin oder her: Egal scheint den Professoren nicht zu sein, was auf der Ranking-Site vor sich geht. An der Universität Luzern haben immerhin drei Dozenten einen eigenen Account, mit dem sie die Bewertungen einsehen können, an der Hochschule Luzern - Technik und Architektur sind es deren vier.

Der Datenschützer ist skeptisch
So genannte Web2.0-Portale im Stile von Meinprof.ch sind nicht unumstritten, gerade auch, weil die Bewerteten nicht um Erlaubnis gefragt werden, um benotet zu werden und auch nicht darüber informiert werden. Eine Klage gegen Spickmich.de wurde Ende Juni vom deutschen Bundesgerichtshof abgeschmettert. Die freie Meinungsäusserung zählte für das Gericht mehr als der Persönlichkeitsschutz der Benoteten. «Ich zweifle daran, dass ein Schweizer Gericht das identisch beurteilen würde», sagt der Schweizer Datenschützer Hanspeter Thür gegenüber dem Nachrichtenportal a-z.ch . «Wir bewegen uns hier in einer Grauzone.» Seiner Ansicht nach dürften keine Evaluationen stattfinden, von denen die bewerteten Personen nichts wissen. Im Falle von Ärzte-Bewertungsportals Okdoc.ch habe er diesbezüglich nach Eingang mehrerer Beschwerden eingegriffen: Nun müssen die Betreiber der Homepage jeden Arzt informieren, bevor Bewertungen über ihn aufgeschaltet werden dürfen.

Dave Schläpfer