MEISTERSCHAFT: Der Schoggijob wird zur Schufterei

Ein Luzerner Chocolatier kämpfte in Bern um den Schweizer-Meister-Titel. Am Ende herrschte trotz fantastischen Kreationen vor allem eines: Ernüchterung.

Stephan Santschi
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Schoggi in Perfektion: der Chocolatier Pascal Inauen. (Bild: PD)

Schoggi in Perfektion: der Chocolatier Pascal Inauen. (Bild: PD)

«Die Enttäuschung sitzt tief.» Pascal Inauen hatte sich an den Swiss Chocolate Masters in Bern mehr ausgerechnet. Mindestens ein Podestplatz hätte es werden sollen, letztlich reichte es nur zu Platz vier. Die Konkurrenz war einfach stärker als der 27-jährige Rheintaler, der bei Max Chocolatier in Luzern als Produktionsleiter angestellt ist und mit seiner Freundin in Baar lebt. Gewonnen hat der Walliser David Pasquiet die von Sven Epiney moderierte Schweizer Meisterschaft der Chocolatiers.

Köstlich und atemberaubend

Doch nicht nur Pasquiet, sondern alle sechs Finalteilnehmer leisteten in einer Messehalle auf dem Expo-Gelände in Bern Ausserordentliches. Am Sonntag und Montag hatten die Chocolatiers drei Torten für jeweils acht Personen, 48 gegossene und 48 überzogene Pralinen, ein Dessert, ein Dekorationsstück und ein Schaustück zu kreieren. Entstanden sind köstliche und atemberaubende Kunstgebilde, die aus Metall, Holz oder Plastik gemacht scheinen, in Tat und Wahrheit aber alle aus Schokolade sind.

Die persönlich beste Arbeit von Pascal Inauen war das Schaustück – ein 1,5 Meter grosses, 60 Zentimeter breites und 60 Zentimeter tiefes Produkt, das unter anderem aus Hammer, Schrauben, Bambusrohren, Kugeln, einer Pfeffermühle und einer Blume besteht. Ganz nach dem Motto der Veranstaltung: «Architecture of taste», Architektur des Geschmacks. «Mit dieser Arbeit bin ich sehr zufrieden», so Inauen. Mehr Probleme hatte er mit den Torten, deren Glasur nicht glatt, sondern mit Luftbläschen durchsetzt war.

Um sich auf den Event vorzubereiten, hat sich Pascal Inauen seit Oktober intensiv mit der Thematik befasst. Seit Anfang Jahr hat er sich ganz aus dem Betrieb bei Max Chocolatier zurückgezogen. «Ich habe Überstunden und Ferientage investiert», erzählt er. Daneben braucht es auch finanzielle Investitionen. «Material, Transport, Hotelübernachtung, alles zusammen beläuft sich auf 1500 bis 2000 Franken», sagt Inauen. Da er die Leidenschaft zum Beruf gemacht und daneben kaum Hobbys habe, sei dies aber in Ordnung. Pascal Inauen ist gelernter Konditor/Confiseur, in einer Zusatzschulung hat er sich noch zum Koch ausbilden lassen. In diesem Jahr fand er Aufnahme in die Schweizer Koch-Nationalmannschaft.

Juror bekommt Lust auf Scharfes

Bewertet wurden die Finalisten in Bern von einer 12-köpfigen Jury, allesamt Profis aus der Bäckerei-Konditorei-Confiserie-Branche. Darunter auch ­Kilian Fischer, Inhaber der Conditorei Fischer mit Hauptsitz in Beromünster. Während zweier Tage probierte er die verschiedensten Schokoladenvariationen. Wird einem da nicht schlecht? «Tatsächlich hatte ich wohl jede Geschmacksrichtung im Mund. Es geht aber gut, wichtig ist, dass man viel Wasser trinkt. Am Abend werde ich wohl Lust auf ein scharfes Nachtessen haben», sagt er mit einem Schmunzeln.

Fischer weiss um die Schwierigkeit der Arbeiten. Einerseits, weil die Vorgaben punkto Grösse, Gewicht und Zeitrahmen strikt sind. Andererseits, weil die Bandbreite möglicher Missgeschicke gross ist. Eine falsche Temperatur der Schokolade kann schlimme Folgen haben. «Einem Kandidaten ist das Schaustück fast zusammengefallen, weil der Unterboden nicht stabil war», erzählt Fischer. Speziell ist auch die Atmosphäre. Die Chocolatiers arbeiten nicht im gewohnten Umfeld, wo jeder Griff sitzt, sondern in Boxen vor den Augen der Messebesucher.

Der Blick in die erschöpften Gesichter liess am Ende denn auch nur einen Schluss zu. Einen Schoggijob hatten die sechs Chocolatiers definitiv nicht.