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MENZBERG: Ein Handwerker im Auftrag Gottes ist gegangen

Unmittelbar vor der Messe zum Weissen Sonntag verstirbt Pfarrer Leo Senn. Der charismatische Macher hinterlässt ein ­Lebenswerk, das lange Bestand haben wird – nicht nur in der Pfarrei, sondern auch auf den Strassen, die er selbst gebaut hat.
Kilian Küttel
Der am Sonntag verstorbene Pfarrer Leo Senn war in Menzberg sehr geschätzt. (Bild: PD)

Der am Sonntag verstorbene Pfarrer Leo Senn war in Menzberg sehr geschätzt. (Bild: PD)

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Der Weisse Sonntag soll in Menzberg ein Freudentag werden: Drei Kinder feiern ihre Erstkommunion. Die Musikgesellschaft und der Jugendchor umrahmen die Messe, vor Ort ist auch der Kirchenrat. Eine Person aber fehlt: der 85-jährige Pfarrer Leo Senn. «Die Menzberger wussten um seine Herzprobleme. Die Leute rechneten wohl damit, dass er zu geschwächt war, um bei der Messe dabei zu sein – wie das auch schon der Fall war», sagt der Präsident des Kirchenrates, Stefan Schärli.

Zu diesem Zeitpunkt können die Leute in der Kirche nicht wissen, dass der Pfarrer nicht mehr unter den Lebenden weilt. Um 9 Uhr morgens, unmittelbar vor dem Einzug zur Messe, bricht Senn vor der Kirche zusammen. Davon bekommt das Gros der Festgemeinde nichts mit. Der Einzug und die Messe gehen normal vonstatten. Gehalten wird diese vom ursprünglich vorgesehenen Priester. Leo Senn wäre nur zur Unterstützung dabei gewesen. «Am Ende des Gottesdienstes habe ich die Anwesenden dann informiert, dass Pfarrer Senn von uns gegangen ist», sagt Schärli. Gleichzeit rät er ihnen, den Tag dennoch zu geniessen: «Das wäre auch im Sinn des Pfarrers gewesen.»

«Er war ein Macher»

Mit Leo Senn verliert Menzberg, das zur Gemeinde Menznau gehört, eine charismatische Persönlichkeit. Kirchenratspräsident Schärli findet nur lobende Worte für den Pfarrer, der 45 Jahre im 600-Seelen-Dorf gewirkt hat: «Er war ein grossartiger Mensch.» Schärlis Vorgänger als Vorsteher des Kirchenrates, Xaver Vogel, sieht das gleich: «Pfarrer Senn war enorm engagiert. Besonders das Wohl der Benachteiligten lag ihm am Herzen.» Senn sei einer gewesen, der nicht nur gepredigt habe: «Er war ein Macher», so Vogel, der den Pfarrer sehr gut kannte.

Das erste Mal kreuzten sich ihre Wege, als Vogel ganz frisch an der Kantonsschule Schüpfheim war: «Senn hielt am ersten Schultag als Vikar die Messe.» Das war 1967 – also vor 50 Jahren. 1971 kam Senn nach Menzberg – dahin, wo er ein Leben lang wirken sollte.

Wenn Vogel sagt, Pfarrer Senn sei ein Macher gewesen, dann muss man das wörtlich nehmen. Leo Senn wurde nämlich erst über den zweiten Bildungsweg zum Geistlichen. Ursprünglich war er auf der Baustelle zu Hause, hat als Maurer und Gipser gearbeitet. Und die Maurerkelle legte Senn seiner Lebzeit nie ganz weg. «Er hat sich stark dafür eingesetzt, dass abgelegene Liegenschaften und Bauernhöfe besser erschlossen wurden», erzählt Stefan Schärli. Dabei beliess es Senn nicht nur beim Projektieren. Sobald eine Zufahrt oder eine Strasse bewilligt war, tauschte der Pfarrer sein Messgewand mit den Arbeitskleidern. Das hat Spuren im Dorf hinterlassen. Die so genannten «Pfarrerränke» nämlich. Schärli erklärt: «Eine normale Strasse steigt auf der Gerade, in der Kurve bleibt sie so flach wie möglich. Bei den Strassen, die Leo Senn gebaut hat, war das genau anders herum.» Die Steigung in der Kurve – das sei sein Markenzeichen gewesen.

Kapelle in nur einem Tag errichtet

Laut Xaver Vogel war Pfarrer Senn einer, der die Menschen animieren konnte – sei es für Spenden an gemeinnützige Institutionen oder wenn Not am Mann war. Vogel gibt die Anekdote der St.-Joder-Kapelle zum Besten, die «eigentlich Stoff für einen ganzen Roman bietet». Pfarrer Senn hatte sich in den Kopf gesetzt, eine Kapelle zu bauen – und dafür sogar einen Architekturwettbewerb lanciert. «Als dann das Projekt stand», so Vogel «versammelte er alle Menzberger, die etwas vom Mauern verstanden.» Um die 20 Handwerker seien an jenem Samstagmorgen erschienen. «Der Rohbau stand noch am gleichen Abend», so Vogel.

Seine Ideen, das Herzblut und die Energie seien Senns grosse Stärken gewesen – und gleichzeitig auch seine Schwächen. Ab und an ist er laut Vogel mit seiner Eigenwilligkeit angeeckt: «Er hatte seine Vorstellungen und war bemüht, dass die Projekte so auch umgesetzt wurden.» Senns Energie hat auch der Menznauer Gemeindepräsident, Adrian Duss (CVP), in bester Erinnerung. «Wir hatten viel miteinander zu tun. Die Arbeit mit Leo Senn war sehr erfüllend, er war eine grossartige Persönlichkeit.»

Vielleicht ist das ein Grund, weshalb Senn bis weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt war. Die Behörden erwarten für das Sterbegebet vom Donnerstagabend und die Beerdigung vom Samstag einen grossen Menschenandrang. Stefan Schärli glaubt: «Die Kirche hat nur Platz für 350 Personen. Das wird nicht reichen.» Kirchenrat und Gemeinde haben ein Verkehrskonzept sowie einen Parkdienst auf die Beine gestellt. Zusätzlich werden in Menzberg Lautsprecher aufgestellt, damit sich alle vom Pfarrer verabschieden können. Der Verlust wird noch lange schwer wiegen. «Ein Menzberg ohne Leo Senn? Das ist schwer vorstellbar», sagt Xaver Vogel: «Aber wir müssen uns damit leider abfinden.»

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