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MENZBERG: Rentner geniesst «Unruhestand»

Seit 45 Jahren leitet Siegfried Schmid den Kirchenchor. Zu seinen Werken gehört auch die Komposition der «Menznauer Messe». Doch nicht nur.
Eng mit seiner Kirche verbunden: Siegfried Schmid vor der Pfarrkirche St. Theodul in Menzberg. (Bild Corinne Glanzmann)

Eng mit seiner Kirche verbunden: Siegfried Schmid vor der Pfarrkirche St. Theodul in Menzberg. (Bild Corinne Glanzmann)

Ernesto Piazza

«Machen wir die Aufnahme in der Kirche oder hier draussen», fragt Siegfried «Sigi» Schmid. «Ist der ganze Turm auf dem Bild», fügt er nur wenig später bei. Keine Frage: Auch mit seinen 74 Jahren ist der pensionierte Primarlehrer noch immer äusserst aktiv und präsent. «Die Musik ist für mich ein Lebenselixier», sagt er und liefert damit gleich einen massgebenden Grund für seine Vitalität mit.

Seit nunmehr 45 Jahren wirkt Schmid im 600-Seelen-Dorf als musikalischer Leiter des Kirchenchors. Vor vier Jahren war er als Komponist der «Menzberger Messe» massgeblich an deren Uraufführung, einer Kombination von traditioneller Kirchen- und Volksmusik, beteiligt. «Dieser goldene Mittelweg», wie er sagt, gelang. Motiviert durch den geglückten Spagat, wagte sich Schmid einige Zeit später an ein nächstes Projekt. Und so steht am Sonntag ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte des Menzberger Kirchenchors auf dem Programm. Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes wird in der Pfarrkirche St. Theodul der zweite Tonträger eingeweiht.

Liebe gab Ausschlag zum Bleiben

Dass es aber überhaupt so weit kommen sollte, hatte der gebürtige Hitzkircher nach Abschluss des Lehrerseminars in Hitzkirch im Jahre 1961 noch kaum zu träumen gewagt. Vielmehr wollte er sich bei seiner ersten Stelle als Lehrer auf dem Menzberg langsam in seinem soeben erlernten Beruf zurechtfinden. Doch es kam eben anders. Und daran hatte eine gewisse Martha Murpf einen massgeblichen Anteil. Sie arbeitete – ebenfalls auf dem Menzberg – als Handarbeits- und Turnlehrerin. Er sei ganz einfach im Bergdorf hangen geblieben, sagt er mit einem Blick zurück. Die Liebe zu seiner Frau bewog ihn, nicht nur zu bleiben, sondern später dort auch ein Eigenheim zu bauen.

«90 Jahre musikalisches Schaffen»

Schmid wirkte in all den Jahren nicht nur als schulischer Ausbildner von Buben und Mädchen. Während seiner Militärzeit übernahm er schon bald Führungsverantwortung. Seine Zielstrebigkeit brachte ihm sogar den Grad eines Oberstleutnants ein. Weiter sass Schmid zwölf Jahre lang als Mitglied der CVP-Fraktion im Grossen Rat (heute Kantonsrat).

Doch damit nicht genug. Der noch immer mit viel Tatendrang ausgerüstete Rentner war ebenfalls Gründungsmitglied des Jodlerklubs Sennegruess Menzberg und während 45 Jahren auch für deren musikalische Leitung verantwortlich. Vor fünf Jahren hängte Schmid die Jodlerkarriere jedoch an den berühmten Nagel. «Irgendwann muss man loslassen können», sagt er. Und trotzdem: «Das sind sozusagen 90 Jahre musikalisches Schaffen für ein Bergdorf», fasst er sein Wirken auf einen kurzen Nenner gebracht zusammen. Als Lehrer wäre man früher halt prädestiniert gewesen für solche Aufgaben.

Dass diese verschiedenen Aktivitäten für ihn öfters auswärtige Termine mit sich brachten, ist nicht von der Hand zu weisen. «Zuhause war meine Frau der Feldweibel», sagt Schmid mit einem verschmitzten Lächeln. Obwohl es nicht immer einfach war, «mir blieb keine Zeit zum Hadern», so Martha Schmid. Denn schliesslich galt es auch, vier Söhne zu erziehen.

Nach wie vor schlägt sein musikalisches Herz aktiv für den Kirchenchor. Und den 74-Jährigen erfüllt mit sichtlichem Stolz, «dass wir diesen Tonträger produzieren konnten». Vor allem freuen ihn die neun Gastsängerinnen, welche sich spontan für dieses Projekt während eines ganzen Jahres zur Verfügung stellten. «Sie kamen bei jedem Wetter einmal wöchentlich zu den Proben auf den Menzberg», weiss Schmid. So wurden die 16 dorfeigenen Chorsänger auf ideale Weise ergänzt. Der musikalische Leiter bezeichnet diese Konstellation von Sängerinnen aus Nebikon oder Willisau als «glücklichen Zufall». Mit dabei war sogar eine ehemalige, jetzt in Gettnau wohnhafte Schülerin von Siegfried und Martha Schmid.

Mit den temporären Zuzügern kamen die Menzberger auch zu den ihnen fehlenden Sopran- und Altstimmen. Dadurch gelang es, die sechs Lieder umfassende, zwei- bis dreistimmig gesungene liturgische Uraufführung auf bis zu vier Stimmen zu erweitern. Für den Tonträger wurde das Repertoire mit sechs weiteren Eigenproduktionen von Schmid erweitert. Zusätzlich enthalten sind beispielsweise ein Marienlied (Maria zum Schnee), je eines zu Ehren der heiligen Agatha und des Kirchenpatrons St. Theodul oder mit dem Lied «s Willisauer Ringli» etwas Populäres. «Dieses Stück ist ein eigentliches Gassenhauerli», weiss Schmid.

Familie geniessen

Zuerst entstand meistens die Musik, dann der Text: «Dieser musste noch passend gedichtet sein, und den richtigen Reim beinhalten», sagt der 74-Jährige. Da kam es schon mal vor, dass er nachts um drei Uhr aufgestanden sei, um drei, vier Takte niederzuschreiben. Für ihn galt: Immer am Projekt dranbleiben. «Vor der Pension hätte er dafür jedoch nicht genügend Zeit gehabt», gesteht Schmid. Die CD-Aufnahmen fanden in drei Phasen statt – immer mit jeweils zwei einfacheren und zwei schwierigeren Stücken. Der musikalische Leiter lobt vor allem den «guten Geist», welcher im Team herrschte. Für den kommenden Sonntag wünscht er sich schlicht und einfach «eine schöne Feier».

Ein nächstes musikalisches Projekt steckt bei ihm (noch) nicht in der Pipeline. «Die Familie mit den vier Grosskindern geniessen», wirft seine Frau Martha mit einem Schmunzeln ein. Oder weitere Reisen unternehmen. Und damit vielleicht das eine oder andere nachholen, was in jüngeren Jahren möglicherweise etwas zu kurz kam.

Hinweis

Die CD-Einweihung findet beim Gottesdienstes am Sonntag um 9.30 Uhr in der Kirche St. Theodul, Menzberg, statt. Der Gottesdienst wird von Pfarrer Leo Senn zelebriert. Die CD kann für 25 Franken an folgenden Orten in Menzberg bezogen werden: Dorflädeli, Restaurant Sperber, Landgasthof Hotel Menzberg und beim Dirigenten Siegfried Schmid unter 041 493 15 81 oder schmidsigi@bluewin.ch

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