MENZNAU: Behörden gehen von Unfall oder Suizid aus

Der Täter von Menznau ist wohl nicht erschossen worden. Dies gab die Luzerner Staatsanwaltschaft bekannt. Die Behörden gehen beim Täter von einer psychischen Störung aus. Klar ist nun auch, was sich in der Kantine abspielte.

Bep/Chh/sda/Rem
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Daniel Bussmann, Chef der Kriminalpolizei Luzern und Nicole Belliger von der Staatsanwaltschaft Sursee informierten am Donnerstag in Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Daniel Bussmann, Chef der Kriminalpolizei Luzern und Nicole Belliger von der Staatsanwaltschaft Sursee informierten am Donnerstag in Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Der Täter von Menznau, der am 27. Februar drei Arbeitskollegen tötete, ist wohl nicht von einer anderen Person erschossen worden. Die Behörden gehen von einem Unfall oder Suizid aus, wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern am Donnerstagnachmittag an einer Medienkonferenz in Luzern bekanntgab. «Der Täter feuerte mit einer Pistole mindestens 18 Schüsse ab», sagte Daniel Bussmann, Chef der Luzerner Kriminalpolizei, vor den Medien. Zudem stellte die Polizei beim 42-jährigen Täter in seiner Hosentasche einen geladenen Revolver mit 40 Patronen sowie weitere Munition für die Pistole sicher. Laut Angaben der Polizei hatte den Revolver 2004 legal bei einer Privatperson gekauft. Der Täter führte diese aber nicht legal mit sich. Für den Revolver besass er keinen Tragschein.

Waffe illegal besessen

Die Behörden gehen davon aus, dass der Mann die Tatwaffe illegal besass und vor mehreren Jahren von seinem Bruder im Kanton Obwalden erhielt. Der Bruder habe die Pistole seit April 2003 legal besessen, sagte Bussmann. Vor mehreren Jahren sei die Waffe an den Täter übergeben worden. Der Bruder des Täters wurde wegen Missachtung der Aufbewahrungspflicht bei einer Veräusserung angezeigt.

Täter starb an Kopfschuss

Die Luzerner Polizei machte an der Medienkonferenz detaillierte Angaben zum genauen Tatablauf (siehe blauer Kasten unten): «Der 42-jährige Täter ist in der Nichtraucherkantine nach einem Handgemenge durch einen Kopfschuss gestorben», sagte Bussmann. Als der Täter Schüsse in der Kantine abfeuerte, attackierte ein Angestellter den Täter mit einem Stuhl. Dabei wurde das Opfer am Unterkiefer durch einen Schuss verletzt. Danach umklammerte der Angestellte den Täter mit beiden Armen. Sie taumelten und fielen zu Boden.

Der Täter habe sich danach nicht mehr bewegt, erklärte Bussmann. Ein weiterer Mitarbeiter, der flüchten wollte, schlug dem Täter am Boden nochmals einen Stuhl auf den Rücken. Gemäss Augenzeugen und Befragungen habe der Täter die Tatwaffe in der Hand gehabt, ehe sie Mitarbeiter durch ein Fenster nach draussen warfen. Zwei verletzte Personen sind noch im Spital und konnten bisher zum Tatablauf noch nicht befragt werden.

Absichtliche Tötung?

Für die Behörden ist weiter offen, ob sich der Täter absichtlich tötete, oder ob es sich um einen Unfall handelte. Obwohl es bisher beim Tod des Täters keine Anzeichen auf eine Dritteinwirkung gebe, leiteten die Strafuntersuchungsbehörden wie in solchen Fällen üblich ein Vorverfahren ein. Darin einbezogen seien Personen, die in der Schlussphase des Ereignisses involviert gewesen seien.

Tatmotiv unklar

«Das Motiv des Täters von Menznau ist nach wie vor unklar», sagte Staatsanwältin Nicole Belliger. Die bisherigen Untersuchungen gäben Hinweise darauf, dass der Täter möglicherweise an einer psychischen Störung litt. Darauf weisen Aussagen von Befragten hin, wonach der Täter Selbstgespräche führte, durch plötzliches Lachen auffiel und kurz vor der Tat noch ein Bild eines Automobilherstellers auf Facebook hochgeladen habe. Die Behörden haben bei der Luzerner Psychiatrie ein forensisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses soll Aufschluss geben über die Frage nach allfälligen psychiatrischen Auffälligkeiten des Täters im Sinne einer Krankheit.

Die Behörden erklärten weiter, dass dem Täter keine Entlassung bevorstand und dieser auch nicht in Zwangsferien geschickt wurde. Zudem sind den Behörden keine Drohungen seitens des Täters bekannt.

Liveticker zur Medienkonferenz:

+++ Aus Persönlichkeitsgründen werden keine weiteren Angaben zum Gesundheitsstand der Verletzten gemacht. Zwei Personen sind nach wie vor im Spital. Die Medienkonferenz ist beendet.

+++ In diesen Minuten werden auch die Mitarbeiter von der Firma Kronospan an einem internen Meeting informiert.

+++ Die Frage zum Tatmotiv ist offen. Die Ermittlungen sind im Gang. "Der Täter litt möglicherweise an einer psychischen Störung", so Belliger. Deshalb wird nun ein psychiatrisch-forensisches Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses soll Aufschluss über die Frage nach allfälligen, psychiatrischen Auffälligkeiten des Täters im Sinne einer Krankheit geben. Bis heute sind keine Drohungen des Täters bekannt.

+++ Der Täter wurde wohl nicht erschossen. "Im Zentrum der Ermittlungen stehen Suizid oder Unfall", so Belliger weiter.

+++ Belliger: "Das toxikologische Gutachten kommt zum Schluss, dass der Täter in den letzten Stunden vor dem Todeseintritt weder unter Einfluss von Alkohol, Drogen oder anderen Substanzen gestanden hat."

+++ Nicole Belliger, Staatsanwältin aus Sursee, informiert zum Täter und zur Todesursache. Untersuchungen ergaben, dass der Täter an einer Kopfverletzung starb. Belliger geht davon aus, dass der Täter durch den Schuss sofort handlungsunfähig war. Ob der Täter sich selber umbringen wollte, oder ob es sich um einen Unfall handelt, ist derzeit nicht geklärt.

Das spielte sich in der Kantine ab

Der Täter feuerte im Gebäude vor dem Büro auf vier Personen, die sich mit einer Pausenverpflegung eindecken wollten. Zwei Personen wurden sofort getötet, eine weitere starb am darauffolgenden Tag, eine weitere wurde verletzt. Durch die Schüsse wurden die Mitarbeiter der Firma Kronospan in der Kantine aufgeschreckt. Viele glaubten erst gar nicht, dass es sich um Schüsse handelte, sondern um das Bersten von Röhren. Der Täter begab sich in die Nichtraucher-Kantine, die mit 17 Angestellten besetzt war. Hier traf er auf ein weiteres Opfer und gab einen Schuss in den Kopf ab. Diese Person liegt heute im Spital und ist nicht ansprechbar. Die Mitarbeiter suchten derweil Schutz unter Tischen und Bänken. Der Täter lief auf einen Tisch zu und feuerte auf zwei weitere Personen: Eine Person wurde mit zwei Schüssen am Kopf getroffen und liegt immer noch im Spital. Das zweite Opfer wurde ebenfalls getroffen und konnte am 19. März das Spital verlassen. Mutmasslich nahm der Täter danach ein Nachladen oder einen Magazinwechsel vor. Danach bewegte sich der Täter weiter in den Raum hinein und gab weitere Schüsse auf Personen ab. Ein weiteres Opfer wurde von einem Streifschuss am Kopf leicht verletzt. Mehrere Schüsse blieben in den Tischen stecken.

Bild: Screenshot Video Neue LZ

Bild: Screenshot Video Neue LZ

Als der Täter weitere Schüsse abfeuerte, attackierte ein Angestellter den Täter mit einem Stuhl. Im gleichen Moment feuerte den Täter auf das Opfer und traf dieses im Unterkiefer. Danach rangen Opfer und Täter miteiander, taumelten durch den Raum und fielen anschliessend zu Boden. Der Täter kam beim Sturz auf dem Opfer zu liegen und rührte sich nicht mehr. In diesem Moment packte ein weiterer Angestellter einen Stuhl und schlug dem Täter auf den Rücken. Danach brachte er sich in Sicherheit. Zwei Angestellte, die zunächst durch das Fenster flüchteten, kamen zurück und bargen den unter dem Täter liegenden schwerverletzten Angestellten. Dabei entdeckten sie die Tatwaffe. Einer warf die Tatwaffe durchs Fenster auf den Rasen. Mit Kabelbindern fesselten sie die Hände des regungsloses Täters.

+++ Der Täter feuerte aus einer Pistole mindestens 18 Schüsse ab. Die Behörden gehen davon aus, dass der Täter die Tatwaffe illegal besass. "Der 42-jährige Mann hatte zudem einen geladenen Revolver und Munition für beide Waffen dabei", so Bussmann weiter. Der Täter gab die Schüsse gezielt ab.

+++ Um 09.06 Uhr lud der Täter ein eigenes Foto einer Automobil-Firma auf seine Facebook-Seite. Danach betrat der Täter das Gebäude. Was der Täter in der Zeit von der Einfahrt auf das Areal bis zum Betreten der Kantine gemacht hat, konnte die Polizei an der Medienkonferenz nicht mit Sicherheit sagen. Um 9.14 Uhr wurde die Polizei alarmiert: "Es wurde bei der Kronospan in Menznau geschossen. Es gibt mehrere verletzte Personen".

+++ Daniel Bussmann, Chef der Luzerner Kriminalpolizei spricht über den Tattag, den 27. Februar 2013. Die Auswertung der Videoüberwachung ergab, dass der Täter um 8.41 Uhr auf das Areal fuhr, obwohl er an diesem Tag frei hatte. Offen ist, weshalb er das Auto am Tattag auf dem Besucherplatz - statt wie gewohnt in der Tiefgarage - abstellte.

+++ Die Luzerner Staatsanwaltschaft und die Polizei informieren zum aktuellen Ermittlungsstand. Die Medienkonferenz beginnt um 14 Uhr. Es informieren: Daniel Bussmann, Chef der Luzerner Kriminalpolizei und Nicole Belliger, Staatsanwaltschaft Sursee.

+++ Die ersten News sind bekannt: Es gibt keinerlei Hinweise auf eine Schussabgabe durch anwesende Personen auf den Täter. Offen ist, ob die Schussabgabe in suizidaler Absicht des Täters oder als Unfall erfolgte. Zur Klärung wird ein psychiatrisch-forensisches Gutachten in Auftrag gegeben. Das Tatmotiv ist weiterhin unklar.

Vor der Medienkonferenz:

Am 27. Februar hat ein Mitarbeiter der Firma Kronospan in Menznau in der Kantine um sich geschossen. Bei der Bluttat kamen zwei Menschen und der Täter ums Leben. Eine weitere Person starb später im Spital.

Von sechs weiteren verletzten Personen, sind zwei nach wie vor mit Schussverletzungen in Spitalpflege. Sie befinden sich in der Aufwachphase und sind noch nicht verhörbar. Ein betroffener Mitarbeiter konnte am Dienstag das Spital verlassen. Drei Personen wurden bereits früher nach Hause entlassen.

Bisher sind das Motiv des 42-jährigen Täters und der genaue Tatablauf noch unklar. Diese noch offenen Fragen könnten aber schon bald geklärt sein: Die Staatsanwaltschaft Sursee und die Luzerner Polizei wollen am Donnerstag um 14 Uhr über den Ermittlungsstand informieren. Die Ermittlungen seien inzwischen vorangeschritten.

Gedenkstätte für die Opfer

Wie am Mittwoch bekannt wurde, soll in Menznau eine Gedenkstätte für die Opfer des Amoklaufs errichtet werden. Urban Braun, Mediensprecher der Kronospan Schweiz AG, bestätigt auf Anfrage eine entsprechende Meldung im «Blick». Wie die Erinnerungsstätte aussehen und wo sie zu stehen kommen könnte, ist laut Braun noch unklar. Es gebe noch keine konkreten Pläne.

Ob die Firma Kronospan die Gedenkstätte allein errichtet oder ob sich allenfalls der Kanton daran beteiligt, steht derzeit noch nicht fest. Bisher habe das Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons Luzern keine entsprechende Anfrage erhalten, heisst es aus dem Departement von Regierungsrat Guido Graf.

Adrian Duss, Gemeindepräsident von Menznau, begrüsst die Idee eines Mahnmals in Gedenken an die Opfer. «Eine Gedenkstätte wäre für die Gemeinde und insbesondere die Angehörigen der Opfer bestimmt eine gute Sache und könnte bei der Verarbeitung der schlimmen Ereignisse helfen.»