MENZNAU: Bluttat fordert fünftes Todesopfer

Am Donnerstag ist ein weiteres Opfer der Bluttat von Menznau verstorben. Der 61-jährige Mann erlag rund fünf Wochen nach der Tat im Spital seinen schweren Verletzungen.

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Das Gelände der Firma Krono Swiss in Menznau. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

Das Gelände der Firma Krono Swiss in Menznau. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

Am Donnerstag ist ein 61-jähriger Mann, welcher sich nach der Bluttat in der Menznauer Firma Kronospan noch in Spitalpflege befand, verstorben. Ein weiteres Opfer ist laut der Mitteilung der Staatsanwaltschaft noch immer im Spital. Polizei und Staatsanwaltschaft konnten bisher keine Einvernahmen durchführen.

Am 27. Februar hatte ein Mitarbeiter der Firma Kronospan in Menznau in der Kantine um sich geschossen. Bei der Bluttat kamen zwei Menschen und der Täter ums Leben. Eine weitere Person starb einen Tag später im Spital. Mit dem Tod des 61-Jährigen hat die Bluttat damit bisher fünf Todesopfer gefordert.

Gutachten in Auftrag gegeben

Zur Klärung des Tatmotivs wurde bei der Luzerner Psychiatrie ein Psychiatrisch-Forensisches Gutachten über den Täter in Auftrag gegeben. Dieses soll Aufschluss geben über die Frage nach allfälligen psychiatrischen Auffälligkeiten des Täters im Sinne einer Krankheit, wie auch Aussagen zum möglichen Hintergrund der Tat.

Wohl keine Dritteinwirkung

Gemäss dem Bericht des Instituts für Rechtsmedizin Zürich verstarb der Täter an einer schussbedingten Kopfverletzung. Die Ermittlungsbehörden gehen aufgrund der bisherigen Spurenauswertungen und der Aussagen von direkt Beteiligten nicht von einer Dritteinwirkung aus. Die Untersuchung führt die Staatsanwaltschaft Sursee.

pd/bep

Das spielte sich in der Kantine ab

Der Täter feuerte im Gebäude vor dem Büro auf vier Personen, die sich mit einer Pausenverpflegung eindecken wollten. Zwei Personen wurden sofort getötet, eine weitere starb am darauffolgenden Tag, eine weitere wurde verletzt. Durch die Schüsse wurden die Mitarbeiter der Firma Kronospan in der Kantine aufgeschreckt. Viele glaubten erst gar nicht, dass es sich um Schüsse handelte, sondern um das Bersten von Röhren. Der Täter begab sich in die Nichtraucher-Kantine, die mit 17 Angestellten besetzt war. Hier traf er auf ein weiteres Opfer und gab einen Schuss in den Kopf ab. Diese Person liegt heute im Spital und ist nicht ansprechbar. Die Mitarbeiter suchten derweil Schutz unter Tischen und Bänken. Der Täter lief auf einen Tisch zu und feuerte auf zwei weitere Personen: Eine Person wurde mit zwei Schüssen am Kopf getroffen und liegt immer noch im Spital. Das zweite Opfer wurde ebenfalls getroffen und konnte am 19. März das Spital verlassen. Mutmasslich nahm der Täter danach ein Nachladen oder einen Magazinwechsel vor. Danach bewegte sich der Täter weiter in den Raum hinein und gab weitere Schüsse auf Personen ab. Ein weiteres Opfer wurde von einem Streifschuss am Kopf leicht verletzt. Mehrere Schüsse blieben in den Tischen stecken.

Bild: Screenshot Video Neue LZ

Bild: Screenshot Video Neue LZ

Als der Täter weitere Schüsse abfeuerte, attackierte ein Angestellter den Täter mit einem Stuhl. Im gleichen Moment feuerte den Täter auf das Opfer und traf dieses im Unterkiefer. Danach rangen Opfer und Täter miteiander, taumelten durch den Raum und fielen anschliessend zu Boden. Der Täter kam beim Sturz auf dem Opfer zu liegen und rührte sich nicht mehr. In diesem Moment packte ein weiterer Angestellter einen Stuhl und schlug dem Täter auf den Rücken. Danach brachte er sich in Sicherheit. Zwei Angestellte, die zunächst durch das Fenster flüchteten, kamen zurück und bargen den unter dem Täter liegenden schwerverletzten Angestellten. Dabei entdeckten sie die Tatwaffe. Einer warf die Tatwaffe durchs Fenster auf den Rasen. Mit Kabelbindern fesselten sie die Hände des regungsloses Täters.