MENZNAU: Das Postauto hält nun auch in Geiss

Erstmals in seiner Geschichte hat das Dorf Geiss Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Ob die Linie nach dem Versuchsjahr weitergeführt wird, ist allerdings fraglich.

Roseline Troxler
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Beat Blum, Gemeindeammann von Menznau, im Postauto nach Geiss. (Bild: Eveline Beerkircher (21. Dezember 2016))

Beat Blum, Gemeindeammann von Menznau, im Postauto nach Geiss. (Bild: Eveline Beerkircher (21. Dezember 2016))

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Die Schweizer Karte des öffentlichen Verkehrs hat einen weissen Fleck weniger. So fährt seit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember dreimal täglich ein Postauto nach Geiss. Das Dorf gehört zur Gemeinde Menznau und zählt gut 400 Einwohner. Um 7.53 Uhr, um 13.23 und 18.23 Uhr ist jeweils Abfahrt beim Bahnhof Menznau.

Gemeinsam mit dem Menznauer Gemeindeammann Beat Blum und zwei Fahrgästen geht es mit dem 13.23-Uhr-Kurs nach Geiss. Den Ort erreichen wir in nur vier Minuten Fahrzeit, nach 2,5 Kilometern mit einem Kreisel und einigen Höhenmetern. Geiss liegt noch unter einer Nebel­decke. Doch nicht mehr lange und die Sonne nimmt Oberhand.

Geiss ist bei Familien beliebt

Beat Blum ist glücklich über den ÖV-Ausbau im Gemeindegebiet Menznau. «Es ist schön, hat nun auch Geiss ein minimales ÖV-Angebot. Denn der Gemeindeteil wächst, er ist vor allem bei Familien sehr beliebt», unterstreicht Blum. Einen Anschluss an den öffentlichen Verkehr sei entscheidend dafür, ob eine Gemeinde künftig Wachstum zugesprochen bekomme, führt der Gemeindeammann aus. Der Gemeinderat habe sich daher schon seit längerem für ein entsprechendes Angebot eingesetzt. Geprüft wurde auch der Einsatz eines Rufbusses, der bei Bedarf telefonisch bestellt würde.

Das jetzt eingeführte Angebot habe aber schliesslich überzeugt. Die Gemeinde zahlt gemäss Blum rund 10 000 Franken für den Postauto-Anschluss. Grund für das vergleichsweise günstige Angebot: Der Postauto-Kurs 261 zwischen Menznau und dem Ort Menzberg, welcher täglich acht Kurspaare anbietet, nutzt Wartezeiten am Bahnhof Menznau aus, um Geiss zu bedienen.

Toni Vogel arbeitet seit 33 Jahren als Buschauffeur in Menznau. Die Strecke Menznau–Menzberg kennt er in- und auswendig. Anders die Fahrt nach Geiss. «Im Sommer habe ich erstmals eine Testfahrt absolviert. Alles hat reibungslos geklappt», erzählt er. «Fahre ich nach Geiss, fällt mir auf, dass das Postauto noch kein gewohnter Anblick ist.» Zeit, in Geiss zu verweilen, hat Toni Vogel jeweils nicht. «Ich muss zurück in Menznau sein, bevor die Bahnschranke runtergeht.» Dafür haben die Fahrgäste aus Geiss in Menznau sogleich einen Anschluss nach Luzern.

Zu den ersten Fahrgästen auf der neu betriebenen Strecke zählten laut Toni Vogel Jugendliche und gar einige Pendler. Er hofft aber, dass die Verbindung künftig besser frequentiert ist. «Die Geisser sollen das Auto nur noch für grosse Ausflüge nutzen», fügt er mit einem Schmunzeln an. Beat Blum sieht auch bei Wanderern und Restaurantbesuchern künftige Postautobenutzer.

Bruno Bachmann aus Wolhusen und Johann Näf aus Zürich, die an diesem Nachmittag im Restaurant Ochsen in Geiss weilen, begrüssen die neue Strecke. Bachmann, der in Menznau aufgewachsen ist, bedauert aber, dass der ÖV-Anschluss nicht früher in Betrieb genommen wurde. «Heute hat fast jeder ein Auto. Daher zweifle ich, ob das rentiert», sagt er.

Es braucht 32 Passagiere pro Tag

In einem Jahr entscheidet Postauto mit der Gemeinde Menznau, ob die Strecke beibehalten wird. «Pro Tag müssen mindestens 32 Personen das Angebot nutzen», sagt Urs Bloch, Mediensprecher bei Postauto. Es sei aber denkbar, dass die Gemeinde oder der Kanton Luzern die Linie auch sonst aufrechterhalten. Laut Postauto sind auf der Luzerner Landschaft weitere Ausbauten geplant (siehe Box).