MENZNAU: Familie des Täters ist aus Willisau weggezogen

Ein Opfer des Amoklaufs von Menznau liegt noch immer im Spital. Derweil versuchen Frau und Kinder des Täters einen Neuanfang.

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Inzwischen hat die Familie ihre Wahlheimat Willisau verlassen (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Inzwischen hat die Familie ihre Wahlheimat Willisau verlassen (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Zehn Wochen nach dem Amoklauf in der Firma Kronospan in Menznau befindet sich ein Opfer noch immer im Spital. Willisaus Stadtpräsidentin Erna Bieri-Hunkeler steht in regelmässigem Kontakt mit dessen Familie. «Wir vom Stadtrat haben der Familie signalisiert, dass sie sich jederzeit bei uns melden kann. Wir fragen nach, wahren aber auch die nötige Distanz.»

Der Amoklauf in der Kantine der Firma Kronospan in Menznau hat sich am 27. Februar ereignet. Bei der Tat kamen zwei Opfer und der Täter ums Leben. Eine weitere Person starb einen Tag später im Spital, und Anfang April erlag ein weiteres Opfer seinen Verletzungen.

«Etwas vom Schwierigsten»

Die Familie des Täters, die ebenfalls in Willisau zu Hause war, wurde nach dem Ereignis an einem geschützten Ort betreut. «Die Situation, in denen sich die Mutter und die Kinder befinden, ist etwas vom Schwierigsten, das man sich vorstellen kann. Einerseits haben sie den Vater und Ehemann verloren, andererseits hat dieser eine schwere Tat begangen. Sie sind einer Doppelbelastung ausgesetzt», erklärte der Notfallseelsorger Andreas Graf, der Kontakt zu der Familie hat, am 5. März in unserer Zeitung. Die Familienmitglieder seien selber Opfer, daher sei es fatal, wenn man von «Täterfamilie» spreche, wie dies in einigen Fällen geschehen sei.

Inzwischen hat die Familie ihre Wahlheimat Willisau verlassen. «Die Frau versucht mit ihren Kindern einen Neuanfang an einem andern Ort», sagt Erna Bieri-Hunkeler.

Befragungen fast abgeschlossen

Die ballistischen Abklärungen des Forensischen Institutes laufen noch, wie Simon Kopp, Mediensprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, auf Anfrage erklärt. Ebenfalls noch in Arbeit sei das posthume psychiatrische Gutachten über den Täter. «Beinahe abgeschlossen sind hingegen die Befragungen der Opfer, welche die Bluttat überlebt haben», sagt Kopp. Eine Person konnte bisher aus gesundheitlichen Gründen noch nicht befragt werden. Weiterführende Erkenntnisse über das Tatmotiv konnten bisher keine gewonnen werden.
Noch unklar ist, ob eine Gedenkstätte für die Opfer von Menznau errichtet werden soll. Urban Braun, Mediensprecher der Kronospan, war nicht erreichbar.

Roger Rüegger

Fünf Todesopfer

MENZNAU chh. Am 27. Februar hat ein 42-jähriger Mitarbeiter der Firma Kronospan in Menznau in der Betriebskantine um sich geschossen. Dabei kamen drei Personen ums Leben, darunter auch der Täter, ein Schweizer mit kosovarischen Wurzeln. Zwei weitere Opfer erlagen später im Spital ihren Verletzungen. Ein Mitarbeiter befindet sich noch immer in Spitalpflege (siehe Haupttext).

Die Behörden gehen nach derzeitigem Ermittlungsstand davon aus, dass der Täter durch Suizid oder durch eine unbeabsichtigte Schussabgabe ums Leben kam. Der Täter starb laut Staatsanwaltschaft bei einem Handgemenge mit einem Mitarbeiter.