MENZNAU: Pflegeheim soll zur gemeinnützigen AG werden

Der Gemeinderat will das Pflegewohnheim Weiermatte in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft auslagern. Das letzte Wort hat jedoch das Volk.

Ernesto Piazza
Drucken
Teilen
Gemeindepräsident Adrian J. Duss (links) und Heimleiter Fritz Stadelmann in der «Weiermatte». (Bild: Eveline Beerkircher (Menznau, 26. Januar 2017))

Gemeindepräsident Adrian J. Duss (links) und Heimleiter Fritz Stadelmann in der «Weiermatte». (Bild: Eveline Beerkircher (Menznau, 26. Januar 2017))

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Bisher wurde das Betagten- und Pflegeheim Weiermatte in der Gemeindebuchhaltung als Spezialfinanzierung geführt. Rund eineinhalb Jahre beschäftigte sich nun eine Arbeitsgruppe mit dessen Zukunft. Begleitet wurde sie von einer renommierten Beraterfirma. «Gemeinsam sind wir zum Schluss gekommen, dass die Umwandlung in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft die beste Lösung ist», sagt Gemeindepräsident Adrian J. Duss.

Noch bis am 20. Februar bekommen Bevölkerung, Parteien und weitere interessierte Kreise die Gelegenheit, an der Vernehmlassung mitzuwirken. Nachher will der Gemeinderat das weitere Vorgehen definieren. Sollten die Ergebnisse auf eine Ausgliederung in eine gemeinnützige AG hindeuten, wird die Exekutive zuhanden der Gemeindeversammlung vom 24. Mai einen entsprechenden Antrag vorbereiten.

Kurzfristige Sanierung verschlingt 3 Millionen

Dass die Gemeinde diesen Weg gehen will, hat gemäss Adrian J. Duss verschiedene Gründe. Mittlerweile ist die «Weiermatte» 28 Jahre alt. Demnächst müssen rund 3 Millionen Franken in eine energetische Sanierung, etwa in Fenster und Aussenhülle, investiert werden. Bisher wurden diese Gelder von der Gemeindeversammlung gesprochen. «Das sind oft lange Wege», betont Duss. Oder anders gesagt: Eine Verselbstständigung bringt dem Heim mehr Flexibilität, und Fach- und Sachkompetenz wird an einem Ort gebündelt. Zudem erlaubt die Auslagerung, die Investitionen künftig unabhängig von der Gemeinderechnung zu tätigen. «Das ist wichtig, denn durch die freie Heimwahl ist ein gewisser Konkurrenzkampf unter den Heimen entstanden», so Duss.

Bis 2022 stehen für das Heim total rund 8,5 Millionen Franken an Investitionen an. Die Gelder werden unter anderem benötigt, weil seinerzeit nur eine Etage für Pflegebedürftige vorgesehen war. Mittlerweile braucht die «Weiermatte» dafür deutlich mehr Plätze. Die Zahl für Langzeitaufenthalte soll jedoch bei 61 Betten bleiben. Laut Statistik verfügt die Gemeinde bis 2030 über genügend Plätze. Trotzdem muss sie sich auch neuen Herausforderungen wie der Demenzkrankheit stellen. Weiter ist man bestrebt, Dienstleistungen für Menschen in Wohnungen – beispielsweise Mahlzeitendienste oder Wäscheservice – anzubieten.

Die gemeinnützige AG ist steu­erbefreit, das Aktienkapital soll 2,5 Millionen Franken betragen. Das Land der Heimliegenschaft würde mittels Baurecht an das Pflegeheim gehen. Der Zins ist mit jährlich rund 36 000 Franken veranschlagt. Dadurch bliebe das Grundstück im Eigentum der Gemeinde – übrigens genauso zu 100 Prozent wie auch die AG.

Auslagerung ist positiv für die Gemeinderechnung

Weil sich das Pflegeheim künftig selber finanzieren müsste, führt dies bei der Gemeinde zu einer Reduktion des Fremdkapitalbedarfs. Zudem würde durch die Ausgliederung bei der Kommune das Eigenkapital gestärkt. Dies, weil das Anlagevermögen aufgrund der Übernahme eine Aufwertung von 4,4 Millionen Franken erfährt. Dieser Einmaleffekt passiert aufgrund der sogenanntem Kostenrechnung-Restwert-Methode. Damit könnte Menznau auch den vorhandenen Bilanzfehlbetrag abtragen.

Für Adrian J. Duss ist weiter «wichtig, dass der Schritt die Anstellungsbedingungen des Personals nicht tangiert». Gemäss Obligationenrecht erhalten die ­Mitarbeiter eine Besitzstandsgarantie. Durch die erhöhten unternehmerischen Freiheiten kann das Betagten- und Pflegeheim Weiermatte zudem schneller und besser auf branchenspezifische Veränderungen sowie auf den Arbeitsmarkt reagieren.

Den gleichen Schritt, den Menznau plant, haben im Kanton etwa die Stadt Luzern, Emmen, Nottwil, Hochdorf, Schötz oder Beromünster bereits vollzogen.