MENZNAU: Täter wurde 2001 erleichtert eingebürgert

Sechs Tage nach der Bluttat ist klar: Der Täter wurde 2001 erleichtert eingebürgert. Dass die Einbürgerungsbehörde nichts von seiner Vorstrafe wusste, ist mit dem damaligen Recht erklärbar.

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Rosen erinnern vor der Pfarrkirche in Willisau an die Bluttat von Menznau. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Rosen erinnern vor der Pfarrkirche in Willisau an die Bluttat von Menznau. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Das Luzerner Amt für Gemeinden hat die Einbürgerung des mutmasslichen Täters von Menznau abgeklärt und am Dienstag die Öffentlichkeit informiert: Der Täter kam 1991 als Flüchtling vom Kosovo in die Schweiz und heiratet 1997 seine Frau, die zwei Jahre zuvor in Hergiswil bei Willisau ordentlich eingebürgert worden war. Am 13. März 1998 wurde der Täter wegen Raubes zu zwölf Monaten Gefängnis sowie fünf Jahren Landesverweis – bedingt auf zwei Jahre – verurteilt. Als die Probezeit im Jahr 2000 abgelaufen war, wurde der Eintrag im Strafregister offiziell gelöscht.

Gemäss dem damals geltenden Recht erhielten nur die Strafverfolgungsbehörden und Strafgerichte Auszüge zugestellt, auf denen gelöschte Vorstrafen ersichtlich waren, und zwar je nach Höhe der Verurteilung während weiteren 10 bis 20 Jahren, wie das Luzerner Amt für Gemeinden mitteilt. Die gelöschten Einträge hätten nicht an andere Behörden weitergegeben werden dürfen, heisst es weiter.

Wohngemeinden nicht involviert

Laut dem Amt für Gemeinden konnte die Einbürgerungsbehörde deshalb von der Vorstrafe nichts wissen. Zuständig für erleichterte Einbürgerungen sei das Bundesamt für Migration, heisst es weiter. Sowohl die Gemeinde Hergiswil bei Willisau und alle weiteren Wohngemeinden des Täters haben diesen Einbürgerungsentscheid nicht gefällt und waren auch in keiner anderen Weise in den Einbürgerungsentscheid involviert.

Erst seit 2007 sind die Strafregister- und die Löschungsvorschriften im Strafgesetzbuch und in der bundesrätlichen Verordnung geändert und verschärft worden. Für die Einbürgerungsbehörden sind heute die Vorstrafen bis zur definitiven Löschung ersichtlich.

Das sind die Kriterien für eine erleichterte Einbürgerung

– Die ausländische Person ist mit einem schweizerischen Staatsbürger verheiratet.
– Die ausländische Person lebt seit drei Jahren in ehelicher Gemeindschaft.
– Die ausländische Person hat ihren Wohnort seit fünf Jahren in der Schweiz.
– Die ausländische Person ist in der Schweiz integriert, beachtet die schweizerische Rechtsordnung und gefährdet nicht die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz.

Tathergang unklar

Was den Tathergang betrifft, so kommunizieren die Strafverfolgungsbehörden noch keine weiteren Details. Befragungen von Angehörigen und Mitarbeitern sind im Gang, genauso wie die spurentechnischen und ballistischen Auswertungen. Laut Simon Kopp, Mediensprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, gibt es verschiedene Theorien, die aber noch mit den Spuren und den Zeugenaussagen abgeglichen werden müssten.

Am Sonntag beigesetzt

Der Leichnam des 42-jährigen Täters war am Samstag aus der Schweiz in den Kosovo überführt worden und am Sonntag auf dem Dorffriedhof in Nec beigesetzt worden. Das berichtete die kosovarische Zeitung «Gaseta Express» am Montag. An den katholischen Trauerfeierlichkeiten für den dreifachen Familienvater hätten zahlreiche Frauen und Männer teilgenommen, berichtete auch der «Blick» am Dienstag. Er veröffentlichte die Traueranzeige der Familie des Täters.

Zwei der drei vom Täter getötete Opfer, darunter der Schwinger Benno Studer, werden gemäss Angaben ihrer Familien am Samstag in ihren Luzerner Wohnorten beigesetzt.

rem/sda