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MENZNAU: Viehhändler schnappt sich Metzgerei

Das einstige Betriebsgebäude der Metzgerei Lustenberger AG samt Grundstück und Inventar ist unter den Hammer gekommen: Gesichert hat sich das Objekt für 4,5 Millionen Franken ein umtriebiger Bündner.
Evelyne Fischer
Käufer Markus Mehli (links) mit Konkursverwalter Othmar Müller (rechts) und Substitut Lucas Sperb. (Bild: Nadia Schärli (Menznau, 27. Juni 2017))

Käufer Markus Mehli (links) mit Konkursverwalter Othmar Müller (rechts) und Substitut Lucas Sperb. (Bild: Nadia Schärli (Menznau, 27. Juni 2017))

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Das Verlesen der Steigerungs­regeln und die Anfahrt des Meistbietenden dauerten ein Vielfaches länger als der eigentliche Akt: Bei 4,5 Millionen Franken kam die einstige Menznauer Metzgerei Lustenberger AG unter den Hammer. Geboten hatte einzig Markus Mehli (52) als Inhaber der Churer MM Bau GmbH. Die konkursamtliche Schatzung lag bei 4,2 Millionen, der Versicherungswert betrug 5,6 Millionen.

Nebst dem 6400 Quadratmeter grossen Grundstück samt Betriebsgebäude hatte Mehli auch das Inventar zu übernehmen. Noch vor Ort leistete er eine Anzahlung von 300000 Franken per Check. Der Bündner war einer von rund 80 Anwesenden, die sich gestern im Betriebsgebäude eingefunden hatten. Die meisten trieb wohl schlicht der «Gwunder» vor Ort. Präsent waren aber auch Gläubiger und Vertreter der Metzgerbranche. Nach Menznau verschlagen hatte es ferner zwei orthodoxe Juden aus Zürich, die offenbar Pläne für eine koschere Metzgerei hegten.

Finanzielle Nöte führten zum Konkurs

Die Versteigerung setzt den Schlusspunkt hinter die Geschichte eines 1945 gegründeten Hinterländer Traditionsbetriebs. Den Neubau in Menznau hat die Lustenberger AG im Januar 2014 bezogen. Nur drei Jahre später setzt das wirtschaftliche Umfeld dem Betrieb arg zu. Mitte Mai 2016 muss das Unternehmen 18 der gut 52 Mitarbeiter entlassen. Per 13. Juni stellt die Metzgerei infolge Konkurses den Betrieb ein. Zuletzt hat sie rund 22 Angestellte beschäftigt (wir berichteten). Die Filialen in Wolhusen und Engelberg sollten zunächst noch erhalten bleiben. Letztere ist mittlerweile geschlossen, am Wolhuser Standort betreibt heute die Metzgerei Roos aus Willisau eine Filiale. Alles in allem ein harter Schlag für den Firmeninhaber, der gestern nicht erreichbar war.

In den verwaisten Menznauer Räumlichkeiten an der Wolhuserstrasse ist nicht nur auf der Wanduhr die Zeit stehen geblieben: Im Treppenhaus wird man zum Händewaschen angehalten, an den Türen der Grossmetzgerei kleben noch immer deren Monats- und Jahresziele («Wir wollen unsere Kunden und Geschäftspartner mit guter Qualität bedienen»). Dass hier auch künftig produziert wird, ist der grosse Wunsch des Gemeinderats, der gestern fast vollzählig erschienen ist. «Wir hoffen, dass hier bald wieder Leben einkehrt und Arbeitsplätze geschaffen werden», sagt Gemeindepräsident Adrian J. Duss. «Bei Anfragen im Vorfeld haben wir immer signalisiert: Dieser Betrieb muss wieder zum Laufen gebracht werden.»

Der neue Besitzer will seine konkreten Pläne noch nicht kundtun. «Momentan ist alles offen», sagt Mehli, der fürs Gespräch in ein früheres Büro bittet und sich erst mal einen Schnupf gönnt. Mehli trägt Jeans, unter dem Holzfällerhemd zeichnen sich kräftige Oberarme ab, eine feine Goldkette blitzt am Hals auf. Die Baufirma ist nur eines der Standbeine des umtriebigen Bündners. Der dreifache Familienvater ist als Viehhändler bekannt, bewirtschaftet daneben einen Bauernhof, besitzt eine der grössten privaten Fotovoltaikanlagen in der Ostschweiz, ein Hotel, einen Gastrobetrieb und eine weitere Metzgerei. «Oberstes Ziel ist es, die Räumlichkeiten wieder für die Lebensmittelproduktion zu nutzen und Arbeitsplätze zu schaffen», sagt Mehli. «Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass ich den Betrieb wieder weiterverkaufe. Innert Jahresfrist dürfte der Entscheid zur künftigen Nutzung fallen.»

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