MESSE: Am liebsten einen reinen Fendant

Was trinkt eigentlich der Pfarrer während der Messe? Meistens einen Weissen. Es kann aber auch Traubenmost sein – sofern der Bischof seinen Segen gibt.

Simone Hinnen
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Beat Jung, Pfarrer der Hofkirche in Luzern, mischt dem Messwein bei der Gabenbereitung etwas Wasser bei. (Bild Pius Amrein)

Beat Jung, Pfarrer der Hofkirche in Luzern, mischt dem Messwein bei der Gabenbereitung etwas Wasser bei. (Bild Pius Amrein)

Besonders in der katholischen Kirche hat Messwein eine besondere Bedeutung: Jesus stiftete beim letzten Abendmahl seinen Jüngern Brot und Wein als bleibende Zeichen seiner Gegenwart. Bis etwa Mitte des 15. Jahrhunderts wurde für die christliche Eucharistiefeier Rotwein als Messwein verwendet. 1478 wurde durch Papst Sixtus IV. zum ersten Mal Weisswein zugelassen – aus praktischen Gründen, weil dieser weniger Flecken hinterlässt.

Der römisch-katholische Pfarrer Beat Jung von der Pfarrei St. Leodegar im Hof in der Stadt Luzern trinkt wie alle seine Berufskollegen «Vinum pro missa», also Messwein, im Gottesdienst. Dabei wird dem Wein bei der Gabenbereitung ein wenig Wasser beigefügt. «Bei uns in St. Leodegar handelt sich um einen Fendant aus dem Wallis», sagt Beat Jung. Das Prädikat «Messwein» erhalte nur ein Wein, der «vom Gewächs des Weinstockes» stammt und «naturrein», also ganz ohne Beimischung von Fremdstoffen sei.

Seit 1994 ist es im Ausnahmefall und nach ausdrücklicher Erlaubnis durch den Bischof zulässig, statt Messwein Traubenmost zu verwenden. Voraussetzung ist, dass der Priester nachweislich aus gesundheitlichen Gründen keinen Wein trinken darf. Voraussetzung ist weiter, dass der Most nicht in seiner Natur verändert wurde. Deshalb kommt zur Haltbarmachung nur das Einfrieren in Frage, denn durch Sterilisation wird aus dem Most Traubensaft.

Nur wenige lizenzierte Produzenten

Auch das «Kantonale Pfarreiblatt Luzern» widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe dem Thema Messwein. Es hält fest, dass Messwein nicht einfach in der nächsten Weinhandlung bezogen werden könne. Sowohl Händler als auch Produzenten müssen vom Ortsbischof vereidigt werden. Als bisher letzte in der Schweiz hat vor knapp zwei Jahren eine Kellerei im thurgauischen Steckborn offiziell die Erlaubnis erhalten, Messwein zu produzieren. Nebst dem Thurgauer und einem Walliser Produzenten gibt es noch das Kloster Einsiedeln, das zwei Sorten anbietet.

In den Messfeiern an Sonn- und Werktagen trinkt der 63-jährige Pfarrer Beat Jung bei der Kommunion jeweils «einen guten Schluck» aus dem Kelch. Insofern besteht denn auch keine Gefahr, dass der Pfarrer wegen dieses Schlucks nicht mehr klar bei Kopfe ist. Hingegen ist es für einen Pfarrer gar nicht immer so einfach, die beiden Gefässe mit Wasser und Wein auseinanderzuhalten. «Es ist schon vorgekommen, dass ich die beiden Kännchen verwechselt habe», sagt Jung, der bei offiziellen Anlässen oder in seiner Freizeit durchaus gerne Wein trinkt. Dabei bevorzugt er einen Weissen zum Aperitif und einen Rotwein zum Hauptgang.