Interview

Polizei-Sprecher zur Messerstecherei beim Bahnhof Luzern: «Opfer hat dank Passanten überlebt»

In der Stadt Luzern und in Emmenbrücke ist es in den letzten Wochen zu einer Häufung von Messerstechereien gekommen. Urs Wigger, Sprecher der Luzerner Polizei, nimmt Stellung.

Roman Hodel
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Der mutmassliche Täter der Messerstecherei vom Montagabend beim Bahnhof Luzern ist gefasst – die Polizei hatte am Dienstag in einem Zeugenaufruf explizit Videos und Fotos erbeten. Inwiefern haben diese zur Verhaftung geführt oder dabei mitgeholfen?

Urs Wigger.

Urs Wigger.

Urs Wigger: Die Festnahme eines Täters ist immer ein Zusammenspiel von vielen Faktoren. Einerseits gehören Aussagen von Auskunftspersonen und Beteiligten dazu, andererseits die detaillierten polizeilichen Ermittlungsarbeiten. Darunter fallen unter anderem auch Auswertungen von Film- und Fotoaufnahmen. Foto- oder Filmaufnahmen können nicht nur die Ermittlungen, sondern auch die Beweisführung stark erleichtern.

Das Opfer hatte offenbar grosses Glück, dass es überhaupt überlebt hat. Was können Sie dazu sagen?

Das Opfer wurde sehr schwer verletzt und befindet sich nach wie vor im Spital. Man kann durchaus sagen, dass es dank der sofortigen Betreuung durch Passanten und Ärzte überlebt hat.

Video: Tele 1

Innert nur zwei Wochen kam es in der Stadt Luzern zu drei Messerstechereien auf offener Strasse - warum diese Häufung?

Das ist schwierig zu beurteilen. Die Taten haben keinen Zusammenhang, fanden an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten statt. Zudem sind die Ermittlungen zu den Motiven für die einzelnen Taten noch am Laufen. Es ist sicherlich so, dass ein Messer ein Alltagsgegenstand ist und in jedem Haushalt mehrfach vorkommt. Es ist also für mögliche Täter viel einfacher an ein Messer zu gelangen, als sich beispielsweise eine Schusswaffe zu organisieren.

Auch in Emmenbrücke wurden im April, Mai und Juni bei drei Streitereien Stichwaffen eingesetzt, in zwei Fällen endete das tödlich – hier gibt’s ebenfalls eine Häufung.

Die beiden Tötungsdelikte fanden in Privatwohnungen statt und Täter und Opfer standen in einer familiären Beziehung. Aufgrund der bisherigen Ermittlungen konnten wir zwischen den einzelnen Taten keinen Zusammenhang feststellen.

Wie reagiert die Polizei kurzfristig auf die Häufung von solchen Taten, die ja vielfach im öffentlichen Raum passiert sind?

Die Polizei analysiert alle Vorkommnisse im Kanton Luzern laufend. Sie ist an den bekannten Brennpunkten stark präsent und es werden auch regelmässig Personen kontrolliert. So haben wir beispielsweise am vergangenen Wochenende im Gebiet der Baselstrasse mehrere Dutzend Personenkontrollen durchgeführt. Bei diesen Kontrollen werden auch die Effekten der Personen kontrolliert und beispielsweise mitgetragene Messer vorsorglich sichergestellt.

Was ist langfristig zu tun? Die meisten der Involvierten haben keinen Schweizer Pass...

Solange die Verfahren in diesen Fällen noch offen und die Hintergründe nicht geklärt sind, können wir dazu keine Stellung nehmen. Wie erwähnt sind wir an den Brennpunkten präsent und halten den Kontrolldruck hoch. Dies dient der Prävention und ermöglicht ein schnelles Eingreifen.

Was wissen Polizei und Ermittlungsbehörden über die Motive dieser Messerstechereien?

Die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft laufen. Bestandteil einer solchen Untersuchung ist auch die Klärung des Motivs und des Ablaufs einer Tat.

Stellt die Polizei generell mehr Aggression fest, seit die Coronapandemie unser Leben verändert hat?

Die Polizei stellt fest, dass die Stimmung teilweise aggressiver ist. Ob das mit der Coronapandemie zusammenhängt, kann so nicht gesagt werden. Straftaten und Delikte lassen sich leider nicht einfach so verhindern. Sicherlich kann man mit präventiven Personenkontrollen die eine oder andere Straftat verhindern und heikle Situationen beruhigen. Eine hundertprozentige Sicherheit hat man jedoch nie.

Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt.

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