Metro-Befürworter: «Die Stadt Luzern betreibt Pflästerlipolitik»

Die Befürworter der Metro-Initiative vermissen in der Stadt Luzern eine verkehrspolitische Vision, wie sie an einer Medienkonferenz betonten. Das Vorbild ist Lausanne.

Stefan Dähler
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So könnte die Metro zwischen Schwanenplatz und Ibach aussehen.

So könnte die Metro zwischen Schwanenplatz und Ibach aussehen.

Visualisierung: PD

Der Abstimmungskampf um die Metro-Initiative befindet sich in der heissen Phase. Nachdem die Gegner der Vorlage, über die am 9. Februar abgestimmt wird, letzte Woche ihre Argumente an einer Medienkonferenz präsentiert hatten, waren am Dienstag die Befürworter an der Reihe. Sie boten gleich mehrere profilierte Personen auf: Neben Vertretern von Politik und Verbänden äusserten sich etwa Ökonom Peter Mendler, der beim KKL eine wichtige Rolle spielte, oder Paul Stopper, der an Zürcher ÖV-Projekten wie der Durchmesserlinie massgeblich beteiligt war.

«Es braucht eine Vision», sagte Ronald Joho vom Metro-Projektteam zu Beginn. Der Stadtrat betreibe mit der Suche nach alternativen Carparkplätzen «Pflästerlipolitik», fügte Pia Maria Brugger Kalfidis (CVP) hinzu. Die alt Kantonsrätin befürwortet die Initiative im Gegensatz zu ihrer Partei. Offiziell hinter dem Begehren stehen GLP und SVP. Die FDP hat gegen den Willen der Fraktion im Grossstadtrat ebenfalls die Ja-Parole ausgegeben. SP, Grüne, CVP, Stadtrat und Stadtparlament lehnen die Initiative ab.

Es geht erst um eine Prüfung

Die Initianten rechnen aufgrund einer Studie mit Investitionen von rund 400 Millionen Franken für die Metrolinie Schwanenplatz-Kantonsspital-Ibach sowie das dortige Parkhaus mit Auto- und Carparkplätzen. Es gehe aber noch nicht um Millionen, betonte Hans-Niklaus Müller vom Initiativkomitee. «Wir fordern, dass die Stadt das Projekt seriös prüft.» Das sei bisher noch nicht der Fall gewesen, die Metro wurde «totgeschwiegen». Dabei könne diese die Innenstadt vom Car-, wie auch vom Autoverkehr entlasten, da die Fahrzeuge künftig nicht mehr ins Zentrum fahren müssten. Weiter würde das Kantonsspital besser erschlossen.

«Dadurch könnte auch das carfreie Inseli realisiert werden. An sich ist das eine gute Idee, doch bis jetzt gibt es keine Lösung für die Umsetzung», sagte Marcel Lingg, SVP-Fraktionschef und Mitglied des Wirtschaftsverbands. Er betonte zudem, dass die Metro ein für die Bevölkerung erträgliches Tourismuswachstum ermögliche.

Metro könnte später ausgebaut werden

Peter Schilliger, Mitglied des Spitalrats des Kantonsspitals, sagte zwar auf Anfrage, dass dieser keine Politik betreibe, der Initiative aber positiv gegenüber stehe. SVP-Präsident Dieter Haller erwähnte den Aspekt, dass die Metro während der Bauarbeiten für den Durchgangsbahnhof einen wichtigen Beitrag für die Erreichbarkeit des Stadtzentrums leisten könnte. Judith Wyrsch (GLP) betonte, dass die Metro – anders als die Initiativ-Gegner es sagen – sehr wohl ein ÖV-Projekt sei, das noch ausgebaut werden könnte.

Die Initianten orientieren sich dabei an Lausanne. Die dortige Metro startete ebenfalls mit einer Linie, später kamen weitere hinzu. Das zeige, dass eine Metro nicht nur in Grossstädten funktioniere. Peter Mendler betonte, dass solch ein Projekt auch in Luzern finanzierbar sei.

Investoren bekunden offenbar Interesse

Konkrete Zusagen gebe es noch nicht. «Dafür ist es zu früh. Zuerst muss ein Projekt vorliegen, das politisch gestützt wird.» Man habe aber mit potenziellen Investoren sowie Banken gesprochen und sei auf positives Echo gestossen.

Doch auch die öffentliche Hand müsste sich an den Baukosten beteiligen. Mendler sprach von einer «Public-Private Partnership» (PPP), wie es bereits beim KKL oder der Swisspor-Arena der Fall war. Neben Privaten und der Stadt könnten auch der Kanton, die SBB und via Agglomerationsprogramm der Bund Beiträge leisten. Für den Betrieb soll die Metro in den ÖV-Tarifverbund integriert werden.

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