Pro & Contra

Ist das Metro-Projekt eine Chance für Luzern? Unsere Redaktoren kreuzen die Klingen

Am 9. Februar entscheidet die Stadtluzerner Stimmbevölkerung über die Metro-Initiative. Hier lesen Sie, was für und was gegen die Vorlage spricht. 

Robert Knobel und Stefan Dähler
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Die Metro-Initiative verlangt, dass die Stadt Luzern die Planung einer unterirdischen Schnellbahn zwischen dem Gebiet Ibach und dem Schwanenplatz vorantreibt. Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region, spricht sich dafür aus, Stefan Dähler, stv. Leiter, dagegen aus. 

Pro: Um den Verkehr zu bewältigen, braucht's ein Bauprojekt

Robert Knobel

Robert Knobel

Die Mobilität in der Region Luzern hat in den letzten Jahren massiv zugenommen – und die Prognosen sehen ein weiteres starkes Wachstum voraus. Nur bei der Infrastruktur bleibt alles, wie es ist. Der einzige grössere Ausbau der letzten zehn Jahre war die Tieflegung der Zentralbahn. Der nächste wird 2040 der Tiefbahnhof sein. Das bedeutet: Das gesamte ÖV-Wachstum der letzten und der kommenden Jahre wird ausschliesslich mit betrieblichen Mitteln bewältigt. Die bestehenden Kapazitäten von Strasse und Schiene werden so bis zum Äussersten ausgereizt.

Wie es anders geht, zeigt das Beispiel Zürich. Zwischen 2010 und 2030 werden dort insgesamt 2 Milliarden Franken in den Ausbau des Tram- und S-Bahn-Netzes gesteckt. Dabei handelt es sich nicht um kosmetische Anpassungen des Fahrplans, sondern um die bauliche Weiterentwicklung der Infrastruktur. Weitere 2 Milliarden wurden in den Bau der Durchmesserlinie investiert.

Die «Metro Luzern» sieht eine unterirdische Verbindung zwischen dem Autobahn­knoten Rotsee und dem Schwanenplatz vor, mit Halt im Kantonsspital. Ob dies das richtige Mittel und der richtige Ort ist, um Luzerns Verkehrswachstum zu bewältigen, muss sich zwar erst noch zeigen. Damit die Metro – entgegen der Kritik der Gegner – tatsächlich zu einem ÖV-Projekt wird, braucht es zwei Voraussetzungen: Autofahrer müssen sich daran gewöhnen, künftig via Park&Ride-Station und Metro ins Stadtzentrum zu gelangen und nicht mehr selber in die Stadt zu fahren. Dazu braucht es wirkungsvolle Lenkungsmassnahmen. Zweitens würde die Metro erst durch einen weiteren Ausbau des Liniennetzes (etwa nach Kriens oder Ebikon) zu einem echten, leistungsfähigen ÖV-System.

Mit einem Ja zur Initiative ist noch kein Bauprojekt bewilligt. Es ist aber ein Bekenntnis, dass es für die Bewältigung des Luzerner Verkehrswachstums mittelfristig nicht ohne Bagger und Beton geht. Mit einem Nein wären solche Pläne auf lange Sicht vom Tisch.

Contra: Eine Metro in unbewohntes Gebiet macht keinen Sinn

Stefan Dähler

Stefan Dähler

Eine Metro für Luzern – das klingt eigentlich toll. Schliesslich hat Lausanne eine solche bereits eröffnet. Die von der Grösse her einigermassen mit Luzern vergleichbare Stadt gilt denn auch als Vorbild der Initiative-Befürworter.

Doch der Vergleich hinkt. In Lausanne verbindet die Metro zwei belebte Stadtteile, auch der Bahnhof ist angeschlossen. Das ist beim Projekt «Metro Luzern» nicht der Fall. Vorgesehen ist eine Verbindung zwischen Schwanenplatz, Kantonsspital und dem Gebiet Ibach, das unbewohnt und nicht mit dem ÖV erreichbar ist. Metro-Nutzer gelangen nur mit dem Car oder dem Auto dorthin. Es handelt sich also mehr um eine gigantische Park&Ride-Anlage für Tagestouristen als um ein ÖV-Projekt für die hiesige Bevölkerung. Eine Investition von mindestens 400 Millionen Franken wäre dafür schlicht unverhältnismässig. Zumal zwar die Innenstadt entlastet würde, der Individualverkehr total aber nicht abnähme.

Aufgrund der Linienführung in unbewohntes Gebiet ist zudem fraglich, ob die Metro wirtschaftlich betrieben werden kann. Schätzungsweise 1,4 Millionen Cartouristen fahren jährlich an den Schwanenplatz. Das ist im Vergleich zu den wichtigsten VBL-Linien sehr wenig. Zudem ist das Tourismusgeschäft volatil, wie die aktuelle Unsicherheit aufgrund des Corona-Virus zeigt. Um Autofahrer zum Ibach statt ins Zentrum zu lotsen, wären ausserdem einschneidende Massnahmen nötig, die das Parkieren in der Innenstadt unattraktiv machen. Alles in allem ist das Risiko schlicht zu gross, dass die öffentliche Hand auf hohen Betriebskosten sitzen bleibt.

Dass die Initianten betonen, die Metro könnte später in die Agglomeration verlängert werden, macht es nicht besser. Wenn schon, müsste man als Erstes eine Linie nach Kriens oder Emmenbrücke planen – inklusive Verbindung zum Bahnhof. Doch bei der Initiative geht es explizit um die Linie Schwanenplatz-Ibach. Und diese bringt für das Luzerner ÖV-System keinen Mehrwert.

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