METRO: Machen Sie aus Trotz weiter?

Die Initianten der Metro Luzern kämpfen weiter für ihr Projekt, welches das Car-Chaos am Schwanenplatz beenden soll. Vom Stadtrat sind sie enttäuscht.

Interview Hugo Bischof
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Besonders in der Sommerzeit ist der Schwanenplatz häufig überstellt mit Cars. (Archivbild Pius Amrein)

Besonders in der Sommerzeit ist der Schwanenplatz häufig überstellt mit Cars. (Archivbild Pius Amrein)

Der Stadtrat bevorzugt das Projekt Parkhaus Musegg gegenüber der Metro. Sie halten dennoch an Ihrem Projekt fest. Ist das nicht reiner Trotz?

Marcel Sigrist*: Wir trötzeln nicht. Wir halten daran fest, weil wir felsenfest überzeugt sind von unserem Projekt. Wir haben zwei Jahre daran gearbeitet und eine umfassende Studie ausgearbeitet. Resultat: Die Metro löst das gravierende Verkehrsproblem in der Luzerner Innenstadt. Es bringt der Öffentlichkeit einen Mehrwert. Ganz im Gegensatz zum Projekt Parkhaus Musegg, das kein einziges Verkehrsproblem löst. Ich bin überzeugt: Könnten die Luzernerinnen und Luzerner abstimmen, würden sie sich für die Metro entscheiden. Das zeigen auch die Reaktionen auf unserer Homepage.

Hans-Niklaus Müller*: Musegg wäre einfach ein zusätzliches Parkhaus in der Stadt. Das wollen wir nicht. Zudem ist es alter Wein in alten Schläuchen. Es wurde schon einmal aufs Tapet gebracht, aber 1980 vom Volk klar bachab geschickt. Nun kommt mit der Metro endlich ein innovatives Projekt, das viele Verkehrsprobleme der Stadt löst, und der Stadtrat verschliesst davor die Augen.

Wie meinen Sie das? Der Stadtrat hat doch beide Projekte genau analysiert.

Müller: Mir scheint, dass der Stadtrat das Projekt Metro von Anfang an nicht ernst genommen hat. Nur so ist zu erklären, dass er bei der Beurteilung nicht auf einen ganz wichtigen Punkt einging – nämlich dass das Projekt zudem eine Lösung für die akuten Parkplatzprobleme des Kantonsspitals bietet.

Das Parkhaus Musegg sei von den Kosten her realistischer, sagt der Stadtrat. Was sagen Sie dazu?

Sigrist: Pro Parkplatz sind die Erstellungskosten beim Parkhaus Musegg doppelt so hoch wie beim Projekt Metro, da wir viel mehr Parkplätze haben. Diese Rechnung ist inklusive Metrotunnel und Metrobahn. Wie soll also das Parkhaus Musegg kostenmässig realistischer sein? Der Stadtrat macht hier eine völlig falsche Einschätzung. Ganz abgesehen davon: Unsere Kosten belasten die Stadtkasse ja nicht ...

Dennoch, 150 Millionen fürs Parkhaus Musegg und 400 Millionen fürs Projekt Metro sind ein gewaltiger Unterschied. Sind Sie nach wie vor zuversichtlich, Investoren dafür zu finden?

Sigrist: Nicht die Grösse der Investition ist für die Investoren entscheidend, sondern die Wirtschaftlichkeit. Diese ist bei der Metro gegeben. Die Investoren sind sehr interessiert. Wir hatten letzte Woche wieder ein Treffen mit ihnen, an dem sie ihren Willen weiterzumachen bekräftigten.

Warum legen Sie denn die Namen der Investoren nicht endlich offen?

Sigrist: Erstens sind es verschiedene, zweitens sind die Gespräche mit den Investoren in Gang, drittens ist es Sache der Investoren, wann sie sich outen wollen. Relevant wird Ihre Frage erst wieder, wenn wir das Vorprojekt starten. Das Interesse an Verkehrsinfrastrukturprojekten im ÖV-Bereich ist heute bei Investoren sehr gross. Solche Projekte sind auf der Wunschliste zuoberst – neben Investitionen ins Gesundheitswesen.

Dennoch – 400 Millionen Franken sind kein Pappenstiel.

Müller: Die 400 Millionen Franken sind aktuelle Zahlen aufgrund der heutigen Situation. Die 150 Millionen für das Parkhaus Musegg beruhen – etwa bezüglich des Aushubs Musegghügel – auf geologischen Daten der 1970er-Jahre. Da ist noch viel Unsicherheit dabei, wie ein Geologe in Ihrer Zeitung bestätigte. Beim Parkhaus Musegg stellen sich noch andere Fragen: Was passiert mit der Geissmattbrücke, wenn dort vermehrt tonnenschwere Reisecars drüberfahren, um ins Parkhaus einzufahren? Muss die Brücke zusätzlich verstärkt werden, was kostet das? Sollen mehr als 30 Carparkplätze erstellt werden, reichen die 150 Millionen ohnehin nicht. Weitere offene Fragen sind: Wohin mit dem Aushub? Wie wird das Lüftungsproblem gelöst? Was ist mit dem Mehrverkehr?

Welches sind die grossen Vorteile der Metro?

Sigrist: Die Metro ist ein Projekt für die Öffentlichkeit. Es hilft, zentrale Verkehrsprobleme der Stadt zu lösen, etwa die Carproblematik – und zwar über den Schwanenplatz hinaus. Es schiebt auch dem allgemeinen Parkplatzsuchverkehr einen Riegel und löst die Verkehrs- und Parkplatzmisere des Kantonsspitals. Mit der Integration der Metro in den Verkehrsverbund Luzern kann zudem ein grosses Potenzial des ÖV-Verkehrs ab den Zufahrtsstrassen in die Stadt genommen werden. Das bringt dem Verkehrsverbund relevante Mehreinnahmen, was der Stadtrat bisher leider nicht zur Kenntnis nimmt. Kurz: Die Metro beruhigt und bewegt – ohne Stress an neuralgischen Punkten.

Wie gehts konkret weiter? Was sind die nächsten Schritte?

Sigrist: Wir gehen Schritt für Schritt weiter. Als Nächstes werden die aufgeworfenen Fragen in einem Vorprojekt weiterbehandelt werden. Den Zeitrahmen dazu bestimmen die Investoren.

Eine von der Stadt präsentierte Studie kam auf durchschnittlich 110 Cars pro Tag am Schwanenplatz. Ihre eigene Zählung ergab im Sommer 275, fast dreimal so viel. Haben Sie aufgerundet, um bessere Argumente für Ihr Parkhaus zu haben?

Müller: Die Studie, welche die Stadt bei einer externen Firma in Auftrag gab, bezieht sich auf Stichproben und auf Zahlen, welche die Uhrenindustrie am Schwanenplatz lieferte. Was unsere Zahlen betrifft: Wir haben sowohl im Winter- als auch im Sommerhalbjahr mit 22 Personen während je neun Tagen von 8 bis 20 Uhr jeden Car gezählt, registriert – am Schwanenplatz, am Löwenplatz und auf dem Inseli. Das sind nicht Stichproben, sondern effektive Zahlen, die belegbar sind.

Nun redet man davon, zumindest eine Kurzhaltestelle beim Schwanenplatz zu behalten. Die Cargäste würden dort aussteigen und später beim Bahnhofplatz wieder aufgeladen.

Müller: Das ist nicht von vornherein schlecht. Das Chaos ist aber vorprogrammiert: Wie sollen all die Touristen den Warteplatz beim Bahnhof finden? Zusatzrunden und verlängerte Wartezeiten beim Bahnhof wären unvermeidlich. Zudem haben wir am Bahnhof heute schon täglich Staus.

2500 Autoparkplätze soll es im Metro-Parkhaus geben. Ist die Nachfrage dafür überhaupt da?

Sigrist: Ja, die Nachfrage ist da, und sie wird in den nächsten Jahren nicht kleiner.

Was ist im Winter, wenn es keine Touristen hat? Steht das Metro-Parkhaus dann mehrheitlich leer?

Müller: Unsere Zählungen ergaben: Auf dem Schwanenplatz fahren selbst im Winter täglich durchschnittlich 65 Busse vor; einige von ihnen mehr als einmal, wodurch sich total 103 Anfahrten ergeben. Letzten Sommer waren es durchschnittlich täglich 157 Busse (275 Anfahrten). Sind die Busse nur schon zu zwei Dritteln besetzt, ergibt das rund 2000 bis 5000 Touristen. Das sind gewaltige Zahlen, und sie werden künftig wohl kaum abnehmen.

Sigrist: Daneben dient unsere Metro-Park-and-ride-Anlage ja auch für Autos. Der Privatverkehr ist das ganze Jahr über vorhanden. Dasselbe gilt für das ÖV-Potenzial, das über die Metro abgewickelt werden kann. Beim ÖV gibt es sogar noch Ausbaupotenzial für eine spätere Phase.

Sollte die Auslastung wider Erwarten doch tiefer sein als geplant – wer zahlt dann die Betriebskosten? Die Investoren? Oder dann halt doch die Steuerzahler, wie viele Kritiker des Projekts Metro befürchten?

Sigrist: Diese Befürchtungen sind völlig unbegründet. Wie gesagt, das Potenzial für die Park-and-ride-Anlage Reussegg und die Metro-Linie ist vorhanden und wird nicht kleiner. Das Potenzial der Metro garantiert einen rentablen Betrieb.

Hinweis

* Marcel Sigrist leitet ein Büro für Bauplanung in Luzern. Hans-Niklaus Müller ist Ökologe und Leiter der Stiftung für Umweltinformation in Luzern. Beide sind im Initiativkomitee Metro Luzern.