Stadt Luzern
Metro und Parkhaus Musegg sind wieder im Rennen: Car-Gutachten zeigt hohen Nutzen von Grossprojekten

Die Stadt Luzern lässt zurzeit 59 Lösungsvorschläge für den Umgang mit Touristencars evaluieren. Ein erster Bericht zeigt: Die besten Bewertungen erhalten altbekannte Grossprojekte.

Robert Knobel 1 Kommentar
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Die Frage, wie der Carverkehr in der Stadt Luzern künftig organisiert werden soll, ist offener denn je. Zwar soll schon bald neben dem Südpol ein provisorischer Carparkplatz errichtet werden. Dort sollen die Cars jeweils abgestellt bleiben, während die Touristen die Stadt besuchen. Doch längerfristig braucht es eine neue Lösung. Der Stadtrat lässt deshalb nicht weniger als 59 Ideen im Rahmen des «Strategieprozesses Carregime» evaluieren. Diese reichen von Carparkplätzen im Littauerboden bis zu einem unterirdischen Parking am Inseli.

Ob es solche Bilder – hier am Schwanenplatz Anfang 2020 – wieder geben wird, bleibt abzuwarten. Die Stadt Luzern rüstet sich jedenfalls schon auf die Rückkehr der Cartouristen.

Ob es solche Bilder – hier am Schwanenplatz Anfang 2020 – wieder geben wird, bleibt abzuwarten. Die Stadt Luzern rüstet sich jedenfalls schon auf die Rückkehr der Cartouristen.

Bild: Boris Bürgisser

Die Basler Firma Gruner AG hat diese Ideen nun detailliert unter die Lupe genommen und Vor- und Nachteile abgewogen. Die wichtigsten Kriterien waren:

  • Die Touristen sollen möglichst schnell und einfach zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten gelangen.
  • Gleichzeitig soll in der Innenstadt möglichst wenig zusätzlicher Verkehr entstehen.
  • Die von den Cars benötigte Infrastruktur soll das Stadtbild möglichst nicht stören.
  • Die Verkehrssicherheit muss gewährleistet sein.

Nun liegt der Bericht der Gruner AG vor. Er zeigt, dass teure Infrastrukturprojekte insgesamt den grössten Nutzen bieten. Insbesondere folgende Projekte haben in den meisten der 18 Kriterien die maximale Punktzahl erhalten:

  • Parkhaus Musegg: Neues Parkhaus im Musegghügel. Einfahrt in der Nähe des Autobahnanschlusses Luzern-Zentrum. Ausgang beim Falkenplatz (Altstadt).
  • Metro: Carparking in der Reussegg (Sedel) mit unterirdischer Schnellbahn zum Kantonsspital und zum Schwanenplatz.
  • Stadtpassage: Carparking beim Kantonsspital mit unterirdischem Fussgängertunnel zur Altstadt.
  • Parkhaus Altstadt: Erweiterung des bestehenden Parkhauses am Kasernenplatz für Cars.

Die Evaluation der Gruner AG ist zunächst einmal eine rein fachliche Bewertung gemäss den obigen Kriterien. Kosten und Machbarkeitsfragen wurden ebenso ausgeblendet wie die politischen Realisierungschancen. Denn dies zu beurteilen ist nun Aufgabe des Stadtrats. Er wird auf Basis dieses Berichts bis 2022 einen Vorschlag für ein künftiges Carregime präsentieren. Der Gruner-Bericht soll aber nicht die einzige Grundlage dafür sein: Auch Finanzierungsfragen sowie die städtische Mobilitäts- und Klimastrategie sollen in die Überlegungen mit einfliessen. Zudem ist in der Stadt Luzern noch immer die «Vision Tourismus 2030» in Erarbeitung. Auch diese Strategie für die künftige Ausrichtung des Tourismus wird den Entscheid für das Carregime massgeblich beeinflussen.

Das sagt das Komitee Musegg Parking:

So könnte die Einfahrt ins Parkhaus Musegg im Gebiet Geissmatt aussehen.

So könnte die Einfahrt ins Parkhaus Musegg im Gebiet Geissmatt aussehen.

Visualisierung: PD

Der politische Prozess verspricht, spannend zu werden. Denn bei der Bewertung der Gruner AG schwingen ausgerechnet Projekte oben aus, die in den letzten Jahren höchst umstritten waren. Die Planung einer Metro wurde 2020 vom Volk abgelehnt, und auch um das Parkhaus Musegg ist es nach massivem Widerstand im Stadtparlament ruhig geworden. Das Projekt sei aber nach wie vor aktuell, betont André Marti, Projektleiter Musegg Parking:

«Wir stehen Gewehr bei Fuss und warten nun die weiteren Schritte der Stadt ab.»

Klar ist dabei: Die 600 Autoparkplätze, die zur Querfinanzierung des Carparkings ursprünglich vorgesehen waren, sind politisch nicht mehrheitsfähig. Sollte tatsächlich ein Parkhaus im Musegghügel gebaut werden, steht die Nutzung für Cars im Zentrum. Wie das Parking finanziert werden könnte – ob über andere Mantelnutzungen, höhere Parkgebühren oder über städtische Subventionen – ist offen. Gemäss André Marti wäre auch denkbar, dass die Stadt das gesamte Parkhausprojekt inklusive der bereits geleisteten technischen Vorabklärungen vom Komitee Musegg Parking übernimmt.

Das sagt die IG Metro Luzern:

Unterirdisch direkt ins Stadtzentrum: So könnte der Aufgang von der Metro am Schwanenplatz aussehen.

Unterirdisch direkt ins Stadtzentrum: So könnte der Aufgang von der Metro am Schwanenplatz aussehen.

Visualisierung: PD

Nach wie vor aktuell sei auch das Projekt einer Metro Sedel-Schwanenplatz – trotz ablehnendem Volksentscheid, wie Hans-Niklaus Müller, Präsident der IG Metro Luzern, betont:

«Wir sind immer noch fest überzeugt, dass dies die beste Lösung wäre – nicht nur für das Carproblem, sondern als erster Schritt für ein neues Nahverkehrssystem.»

Bekanntlich schwebt den Initianten ein Metrosystem vor, das nicht nur Touristen dienen soll, sondern als neues, leistungsfähiges ÖV-System für die ganze Region.

Erst seit kurzem existiert das Projekt Stadtpassage. Auch dieses setzt auf den Korridor Sedel-Innenstadt, plant aber keine Bahn, sondern einen Fussgängertunnel. Und im Gegensatz zur Metro, die ein neues Parking in Autobahnnähe auf der Reussegg vorsieht, würde die Stadtpassage das ohnehin geplante neue Parkhaus des Kantonsspitals nutzen.

An die Öffentlichkeit getreten ist die IG Stadtpassage um den Stadtluzerner Mitte-Grossstadtrat Roger Sonderegger erstmals im vergangenen Frühling. Wie bei den anderen genannten Projekten nennt die Gruner AG auch bei der Stadtpassage die kurzen Wege für Touristen und die Vermeidung von Zusatzverkehr als Pluspunkte.

1 Kommentar
pablo callisaya

Auf den ersten Blick erscheint mir keine der im Artikel ausgewählten Lösungen mehrheitsfähig. Die grosse Mehrheit der StadtluzernerInnen steht dem Car-Tourismus nun mal sehr kritisch gegenüber. Abgesehen von den Kosten wäre es auch vor dem Hintergrund einer städtischen Klimastrategie sinnvoll, abzuwägen, ob man möglichst wenige oder gar keine Car-Parkplätze in der Stadt anbieten soll und stattdessen den Zugang zum Stadtzentrum hauptsächlich durch ÖV gewährleistet. Kurz gesagt: wer hier will schon Car’s? Wenn die Touristen nach Luzern wollen, werden sie schon kommen.

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