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MICHAEL GNEKOW: Er kämpft für günstige Wohnungen

Die Stiftung GSW wird 30-jährig. So lange hat sich auch ihr Präsident für benachteiligte Menschen eingesetzt. Nun tritt er aus dieser Funktion zurück.
Interview Hugo Bischof
Michael Gnekow am Grimselweg 11 in Luzern. Die Liegenschaft mit 83 Wohnungen hat die Stiftung GSW im letzten Frühjahr erworben. (Bild Eveline Beerkircher)

Michael Gnekow am Grimselweg 11 in Luzern. Die Liegenschaft mit 83 Wohnungen hat die Stiftung GSW im letzten Frühjahr erworben. (Bild Eveline Beerkircher)

Michael Gnekow, als Präsident der Gemeinschaftsstiftung GSW haben Sie sich 30 Jahre lang dafür eingesetzt, dass auch vom Schicksal nicht begünstigte Menschen auf dem Wohnungsmarkt eine Chance haben. Was hat Sie dazu motiviert?

Michael Gnekow: Angefragt wurde ich vom seinerzeitigen städtischen Finanzdirektor Armand Wyrsch, dem «Vater» der GSW. Damals stand für die Stiftung mangels eigener Mittel noch die Vermittlung von preisgünstigem Wohnraum an andere soziale Wohnbauträger im Vordergrund. Das änderte sich erst im Jahre 1990, als die Stimmbürger der Äufnung eines Fonds zu Gunsten der GSW über 12 Millionen Franken zustimmten. Mit dem Kauf eigener Liegenschaften galt es in erster Linie, der Spekulation und der Preistreiberei entgegenzuwirken.

Nochmals: Was motiviert Sie, sich für Benachteiligte einzusetzen?

Gnekow: Das Schicksal hat es sehr gut gemeint mit mir. Ich betrachte es deshalb als selbstverständliche Verpflichtung, dazu beizutragen, dass es den Menschen auf der Schattenseite des Lebens etwas besser geht. Zurück zur Geschichte der GSW: Erst seit der Fusion der ehemaligen Bürgergemeinde mit der Einwohnergemeinde per Anfang 2000 liegt unser Augenmerk vor allem auf Menschen mit speziellen Zugangsproblemen zum freien Wohnungsmarkt.

Was sind das vor allem für Leute, die vom GSW-Angebot profitieren?

Gnekow: Zu erwähnen sind Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Menschen mit einer Suchterkrankung, Menschen mit einer physischen oder psychischen Behinderung, Langzeitarbeitslose sowie Menschen mit einem schwierigen Migrationshintergrund. Daneben vermieten wir auch an problemlose, aber eher einkommensschwache Mieter.

Es gibt sicher auch viele persönliche Schicksale darunter.

Gnekow: Unzählige natürlich, wobei vielfach häusliche Gewalt mitspielt. Mich berühren auch gar nicht so seltene Fälle, in denen der Tod vereinsamter, in ihrer Wohnung verstorbener Menschen von den Nachbarn oder der Geschäftsstelle erst relativ spät entdeckt wird.

Braucht es die GSW heute noch?

Gnekow: Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen. Dies gilt auch für die GSW. Aber solange es in städtischen Gebieten an erschwinglichem Wohnraum mangelt, sind soziale Bauträger wie Wohnbaugenossenschaften und GSW unverzichtbar.

Die Stimmberechtigten der Stadt Luzern stimmten im Februar dieses Jahres einer Erhöhung des GSW-Fonds um 4 Millionen Franken zu. Wie wichtig war dies für Ihre Stiftung?

Gnekow: Die zusätzlichen Mittel haben uns neuen Schub verliehen. Sie versetzen uns zusammen mit den im Fonds noch vorhandenen Mitteln in die Lage, unseren Wohnungsbestand bis in rund zehn Jahren auf 500 Wohnungen zu erhöhen.

Auf der anderen Seite hat sich das Kantonsparlament nun dagegen entschieden, dass der Kanton einige Grundstücke im Baurecht für den gemeinnützigen Wohnungsbau abgibt.

Gnekow: Das Kantonsparlament hat nicht einfach Nein gesagt zum gemeinnützigen Wohnungsbau. Es betrachtet diesen aber als Aufgabe der Kommunen beziehungsweise der zahlreichen bestens bewährten lokalen Baugenossenschaften.

Wie gehts weiter mit der GSW? Was sind die nächsten Schritte?

Gnekow: Auf Anfang 2015 werden wir sieben bisher nur verwaltete Mehrfamilienhäuser der Stadt im Baurecht übernehmen – ein von mir seit langem verfolgtes Anliegen. Dies ermöglicht uns, die anstehenden Wohnungssanierungen entsprechend unseren Bedürfnissen selber vorzunehmen und die nötigen Investitionen langfristig zu amortisieren. Wichtig ist dabei, dass die Wohnungen nach erfolgter Sanierung für unsere Klienten gesichert und finanziell tragbar bleiben. Und dann wollen wir natürlich eine flexible Akteurin bleiben, die intervenieren und Objekte dem Spekulationsmarkt entziehen kann. Unser Geschäftsstellenteam um Urs Brunner verfügt über eine hohe Sozialkompetenz und ist voll motiviert.

Bis jetzt bietet die GSW nur auf Stadtboden günstige Wohnungen an. Gibt es Pläne, auch in der Agglomeration tätig zu werden?

Gnekow: Pläne, unseren Tätigkeitsbereich geografisch auszuweiten, mit Priorität auf Emmen, Kriens und Ebikon, gab es tatsächlich. Wir haben das im Stiftungsrat eingehend thematisiert.

Und – was ist daraus geworden?

Gnekow: Emmen hat uns abgesagt mit der Begründung, die Ausweitung stehe im Gegensatz zur eigenen Strategie. Das ist zu respektieren. Wir haben auch realisiert, dass die Ausweitung auf beträchtliche rechtliche Probleme stossen könnte. Es wurde deshalb beschlossen, das Thema bis zur Wiederaufnahme allfälliger Fusionsgespräche ruhen zu lassen.

Anfang 2015 treten Sie als GSW-Präsident zurück. Wie gehts für Sie weiter?

Gnekow: Dreissig Jahre haben mich für wohnbaupolitische Fragen natürlich sensibilisiert. Das Interesse daran werde ich mir auch für die Zukunft bewahren. Zudem bleibe ich im Vorstand einer allerdings sehr kleinen Baugenossenschaft.

Hinweis

Michael Gnekow (69) ist Rechtsanwalt und Notar in Luzern. Er präsidierte während 15 Jahren den Theaterclub Luzern und war Stiftungsrat mehrerer kultureller Stiftungen, u. a. des Luzerner Theaters und der Stiftung Konzerthaus Luzern.

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