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Interview

Luzerner Ständeratskandidatin Michèle Graber: Spätberufene Generalistin will Sitz für die GLP

Ständeratskandidatin Michèle Graber (GLP) sieht Luzerner Projekte in Bern blockiert – und will das nun selber ändern.
Roseline Troxler

Mit 45 wagte Michèle Graber den Schritt in die Politik. Nachdem sie auf kommunaler und kantonaler Ebene Erfahrungen gesammelt hat, will sie es nun in Bern wissen. Die heute 53-jährige GLP-Frau kandidiert sowohl für den Ständerat- wie auch für den Nationalrat.

Sie haben für das Foto das Wagenmoos im Meggerwald gewählt. Welche Bedeutung hat der Ort?

Michèle Graber: Es ist eine Oase. Ich konnte hier schon einen Feldhasen aus nächster Nähe beobachten und im Frühling empfängt einem Froschkonzert. Da ich immer auf Achse bin, kann ich hier Ruhe und Kraft tanken.

Ständeratskandidatin Michèle Graber, fotografiert an einem von ihr bevorzugten Ort – hier am Wagenmoos-Weiher im Meggerwald. (Bild: Pius Amrein, 24. September 2019)

Ständeratskandidatin Michèle Graber, fotografiert an einem von ihr bevorzugten Ort – hier am Wagenmoos-Weiher im Meggerwald. (Bild: Pius Amrein, 24. September 2019)

Als Ständerätin wären Sie noch mehr unterwegs: Woher kommt ihre Motivation für das Amt?

Ich bin seit acht Jahren im Kantonsrat. Dabei stellte ich fest, dass es gute Ideen gibt, den Kanton weiterzubringen, diese aber in Bern blockiert werden. Auch Luzerner Vertreter machen zu wenig vorwärts. Im Ständerat sitzen konservative Kräfte. Es ist Zeit für eine pragmatische, liberale, ökologische Mittekraft.

Können Sie ein Beispiel eines blockierten Projekts machen?

Die Verkehrsprobleme in der Stadt sind akut und können nicht schnell durch ein Strassenprojekt gelöst werden. Ein probates Mittel wäre Mobility Pricing. Aber Grundlagen dafür werden seit Jahren in Bern blockiert.

Wie sehen Sie Ihre Wahlchancen?

Wenn ich die Schlammschlacht von Parteien gegenüber anderen Kandidaten anschaue, sind meine Wahlchancen sicher gestiegen. Ich setze bewusst auf eine Doppelkandidatur, um der Bevölkerung eine Auswahl zu bieten.

Sie engagieren sich in der Umweltkommission von Udligenswil und sind Fraktionsvorsitzende im Kantonsrat . Können Sie hier nicht mehr bewirken als in Bern?

Ich finde Politik extrem spannend, sie beeinflusst unser Leben in diversen Bereichen. Man kann auf allen Ebenen viel bewirken. Nun möchte ich aber einen Schritt weitergehen und mich für die wichtigen nationalen Herausforderungen konstruktiv einsetzen.

Steckbrief zur Person

Die Fraktionsvorsitzende der GLP wohnt in Udligenswil und ist seit 2011 Kantonsrätin. Das müssen Sie noch über Michèle Graber wissen:
- Alter: 53
- Beruf: Zahnärztin, Leiterin Geschäftsstelle Verein überbetriebliches Kurszentrum Zentralschweiz für Dentalassistentinnen, Leiterin überbetrieblicher Kurse, Inhaberin Managementberatungsfirma im Bereich Zahnmedizin
- Weiterbildung: Executive MBA
- Hobbys: Veloreisen mit dem Zelt, wandern, Biken, Langlaufen, Theater - - Politischer Werdegang: Sie trat 2010 der GLP bei und schaffte 2011 den Sprung in den Kantonsrat. Ebenfalls seit 2011 engagiert sie sich in der Umweltkommission Udligenswil. Seit 2012 ist sie Fraktionsvorsitzende sowie Mitglied der Geschäftsleitung, des Vorstands der kantonalen GLP und nationale Delegierte.

Weshalb soll man Sie wählen?

Ich habe einen gut gefüllten Rucksack an Erfahrungen. Als Zahnärztin und Beraterin kenne ich die Bedürfnisse Selbstständiger und habe ein vertieftes Wissen im Gesundheitsbereich. Als Leiterin der überbetrieblichen Kurse der Zentralschweiz für Dentalassistentinnen kenne ich einen wichtigen Teil im Bildungswesen. Als Kantonsrätin erhielt ich in den letzten Jahren zudem Einblick in diverse Dossiers. Ich setzte mich ein für eine liberale und offene Gesellschaft, einen nachhaltigen Umwelt- und Klimaschutz und eine wettbewerbsorientierte und innovative Wirtschaft.

Wie gut kennen Sie als ehemalige persönliche Mitarbeiterin des früheren Nationalrats Roland Fischer die Parlamentsarbeit in Bern.

Ich weiss, wie der Betrieb läuft und bin bereits etwas vernetzt in Bern. Nun will ich aber selber mitgestalten.

Wer Ihren Smartspider mit jenen von Parteikollegen vergleicht, dem fällt auf, dass Sie wirtschaftsliberaler sind und ein ausgebauter Sozialstaat weniger zentral finden. Passt die FDP nicht besser zu Ihnen?

Nein. Ich bin zwar in einem liberalen Haus aufgewachsen, aber erst nach der Gründung der GLP in die Politik gegangen. Der FDP fehlt das ökologische Gewissen. Zudem haben FDP-Vertreter oft ein Gärtchendenken. Die Handelszeitung hat uns jüngst als wirtschaftsfreundlichste Partei bezeichnet. Innovation und eine gesunde Wirtschaft sind für mich die Grundlage eines gesunden Landes. Es braucht aber beim Sozialstaat einen Ausgleich und eine Umverteilung, wobei dies nicht mit der Giesskanne, sondern durch Anreize geschehen soll. Bei der Klimapolitik geht es nicht ohne Lenkungsabgaben.

Sie betonten, dass die GLP eine Mittepartei ist. Doch die GLP stimmt häufig mit den Linken.

Bei ökologischen und gesellschaftsliberalen Themen schon. Doch im neuen Kantonsparlament stehen die Chancen gut, dass wir mit FDP und CVP in anderen Bereichen Mehrheiten schaffen.

Was haben Sie im Kantonsparlament bisher erreicht?

Als wir 2011 in den Kantonsrat gewählt wurden, dachten wir, dass wir sofort viel verändern können. Doch niemand hat auf uns gewartet. Mit Hartnäckigkeit können wir dennoch etwas bewirken. So sah zum Beispiel auch die FDP plötzlich ein, dass die kantonalen Immobilien vernachlässigt wurden und Handlungsbedarf besteht. Toll, dass unsere Arbeit mit drei zusätzlichen Sitzen honoriert wurde. Persönlich bin ich froh, dass der Kanton auf meine Initiative hin einen Bericht zu den Auswirkungen des demografischen Wandels verfasst hat und, dass die Spitalplanung für das Kinderspital nun endlich startet. Als kleine Partei muss man auf Missstände aufmerksam machen.

Sie sind mit Roland Fischer liiert. Wie ist es mit dem Partner im Kantonsrat zu sitzen und im Wahlkampf auch Konkurrenten zu sein?

Wir stehen für die Sache ein. Dass er mein Partner ist, hat keinen Einfluss. Aber wir stacheln uns ab und zu an. In den Ferien hingegen sprechen wir mal bewusst drei Wochen nicht über Politik.

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