Michelsämter Bauern setzen auf Alternativen zum Emmentaler

Die Käsereigenossenschaft Neudorf will gut sechs Millionen Franken in den Ausbau der Käselager und der Spezialitätenproduktion investieren. Dies soll den Landwirten auch einen besseren Milchpreis bescheren.

Evelyne Fischer
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Werner Roth (Bild) war bis 1. Juli 2018 Geschäftsführer der Käserei Neudorf – nun wurde er von Andreas von Wyl abgelöst. (Bild: Nadia Schärli, 13. Oktober 2015)

Werner Roth (Bild) war bis 1. Juli 2018 Geschäftsführer der Käserei Neudorf – nun wurde er von Andreas von Wyl abgelöst. (Bild: Nadia Schärli, 13. Oktober 2015)

Sie steht seit 117 Jahren ausgangs Neudorf: die Käserei. Damit dies auch künftig so bleibt, will die Käsereigenossenschaft erweitern. 12 Millionen Kilo Milch sollen künftig verarbeitet werden, heute sind es 9. Geplant ist auch ein 50 Quadratmeter grosser Verkaufsladen, rund doppelt so viel Fläche wie bisher. Der Neudorfer Betrieb ist damit die grösste Käserei der Zentralschweiz, die nach wie vor einer Käsereigenossenschaft von Milchbauern gehört.

«Mit dem Ausbau will die Käserei Neudorf Spezialitäten effizienter herstellen und selbst ausreifen können», sagt Christina Bachmann-Roth, Geschäftsleiterin der Gaudis AG Michelsamt, die Neudorfer Eigenprodukte wie «Naturgold»-Hartkäse oder «Graf Bero»-Bio-Halbhartkäse vermarktet. «Der Emmentaler bleibt ein wichtiges Standbein der Käserei Neudorf, bei der produzierten Menge wird sie von der Sortenorganisation aber in die Schranken gewiesen und kann ihre Anlagen nicht voll auslasten. Aktuell werden im Schnitt 18 Laibe täglich hergestellt, möglich wären 24.»

«Aktuell sind unsere Käse in Aussenlagern untergebracht, etwa im Feuerwehrlokal von Neudorf.»

Nötig sei die Erweiterung auch, weil man beim Spezialitäten-Salzbad räumlich an die Grenzen komme und die Lagerkapazität ausgeschöpft sei. «Aktuell sind unsere Käse in Aussenlagern untergebracht, etwa im Feuerwehrlokal von Neudorf.»

Einzonung muss vors Volk

Die Käsereigenossenschaft Neudorf rechnet mit Investitionen von gut sechs Millionen Franken. 600 Quadratmeter Landwirtschaftsland muss eingezont werden. Das Projekt liegt bis zum 11. September öffentlich auf. Die Stimmbürger der Gemeinde Beromünster werden an der Budgetversammlung vom 27. November über die Teilrevision der Ortsplanung befinden.

«Das Erweiterungsprojekt zeigt, dass sich die Käserei für die zukünftigen Herausforderungen fit macht», sagt Gemeindepräsident Charly Freitag. «Die Käserei spielt eine zentrale Rolle in der Wertschöpfungskette für vor- und nachgelagerte Betriebe. Die Arbeitsplätze sind von grosser Bedeutung, vom Käsereiladen profitiert die ganze Gemeinde.» Durch die Einzonung hat die Käsereigenossenschaft eine Mehrwertabgabe zu entrichten, diese fliesst in einen vom Kanton verwalteten Entschädigungsfonds. «Es liegt eine Vereinbarung vor. Aus rechtlichen Gründen kann ich über die Höhe der Abgabe aber keine Auskunft geben», sagt Freitag.

Bund und Kanton steuern 3,4 Millionen bei

Die Käsereigenossenschaft Neudorf ist Teil des Vereins «Wertschöpfungsgemeinschaft Michelsamt». Dieser wiederum ist der Träger des Projekts zur regionalen Entwicklung (PRE) «Michelsamt», das Bund und Kanton über sechs Jahre mit 3,4 Millionen Franken unterstützen. Die Käserei-Erweiterung läutet die nächste Phase des 2015 gestarteten PRE-Projekts ein. Um Produkte aus und rund um Neudorf zu fördern, wurde damals zunächst mit der Gaudis AG eine Vermarktungsplattform samt Geschäftsstelle gegründet und die Marke «Michelsamt» lanciert.

«Alles Futter muss in der Region produziert werden. Das ist eine Knacknuss.»

Fürs Label in Herzform müssen die Rohstoffe der Bauern maximal 10 Kilometer vom Flecken Beromünster entfernt hergestellt werden. «Anfangs machten von 14 interessierten Bauern deren 3 mit, heute sind es 7», sagt Christina Bachmann-Roth. «Sie profitieren von einem 5 Rappen höheren Milchpreis, weil sie die Michelsamt-Richtlinien zur Milchproduktion einhalten.» Der Milchpreis liegt aktuell im Schnitt bei rund 63 Rappen. «Michelsamt» steht für kurze Transportwege, gentech- und silofreie Landwirtschaft sowie tierfreundliche Produktion. Wer fürs Label produziert, für den ist importiertes (Kraft-)Futter tabu. «Alles Futter muss in der Region produziert werden. Das ist eine Knacknuss.»

Marke «Michelsamt» und die Krux des Label-Salats

Die Gaudis-Geschäftsleiterin und ihr Team mussten zudem eine etwas frustrierende Erfahrung machen: Auf dem Markt erzeugen derart hohe Richtlinien nicht mehr Nachfrage als andere Labels. Als «vergebene Liebesmüh» sieht Bachmann-Roth die Bestrebungen trotzdem nicht. «Die Marke hat bei vielen Bauern zu einem Umdenken geführt. Dies erlaubt uns heute, neben den 1,7 Millionen Kilo Michelsamt-Milch rund 2 Millionen Kilo unter den Labels Bio Suisse, Heumilch und IP Suisse Wiesenmilch zu verarbeiten.»

Insgesamt bestreiten rund 50 Höfe ihre Existenz mittels Milchproduktion für die Käserei Neudorf. Im Betrieb und im Laden sind rund 20 Angestellte beschäftigt, künftig womöglich gar mehr. «Die Chäsi ist in der Bevölkerung verankert, wir hoffen, dass die Umzonung reibungslos über die Bühne geht», sagt Bachmann. Läuft alles nach Plan, soll im Frühling 2019 mit dem Bau gestartet werden. Ziel ist es, die Produktion nur maximal drei Wochen stillzulegen und Ende 2019 die Erweiterung zu nutzen.

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