MIGRATION: Die Flüchtlings-WG gibt es bald auch in Luzern

Eine Gruppe will Flüchtlinge und Wohngemeinschaften zusammenführen. Der Kanton begrüsst das soziale Engagement. Doch er warnt auch: Ganz so einfach geht es nicht.

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Flüchtlinge sollen in Schweizer WGs wohnen. Das ist die Absicht der Plattform wegeleben.ch. Diese hat das Ziel, interessierte Flüchtlinge – die Organisatoren nennen sie wegen der negativen Konnotation dieses Begriffs konsequent Newcomer – mit Wohngemeinschaften zu verkuppeln.

Das Erfolgsprojekt aus Bern kommt nun auch nach Luzern (wir berichteten). In Bern kamen seit der Gründung 2015 bereits über 40 Wohngemeinschaften zusammen, wie Gian Färber, Mitbegründer von wegeleben.ch, sagt. Das Projekt gibts inzwischen auch in den Kantonen Freiburg (5 WGs) in Basel-Stadt und -Landschaft (6) und in Zürich (12).

So weit ist man in Luzern noch nicht. Drilon Bekiri , Fabian Benz und Fabienne Anliker haben erst kürzlich die Luzerner Sektion gegründet. Im Moment sind sie mit diversen gemeinnützigen Organisationen in Kontakt. Die Gruppe strebt eine Vernetzung an, um das Projekt bekannt zu machen und mehr Flüchtlinge zu erreichen. Anliker erklärt: «Die europäische WG-Kultur ist nicht allen Newcomern bekannt. Wir wollen so das WG-Leben, wie wir es kennen, den Newcomern näherbringen und allfällige Fragen klären.»

Mitbewohner müssen keine Sozialarbeiter sein

Die steigende Zahl von Flüchtlings-WGs zeigt, dass das Interesse da ist, auf beiden Seiten. Besonders bei Flüchtlingen sei das Angebot beliebt, so Färber. «Es sind stets mehr Newcomer, die sich bei uns melden, als WGs, die ein Zimmer zu vergeben haben», sagt Färber. «Wir suchen also weitere WGs.»

Das Projekt hat einen integrativen Charakter. Flüchtlinge lernen so Menschen und Kultur der Schweiz kennen. Wobei auf der Homepage ausdrücklich steht: «Es gibt keine weiteren vertraglichen und auch sonstigen Verpflichtungen für die WG. Wir suchen keine Sozialarbeitende, welche Betreuungsaufgaben übernehmen, sondern schlichtweg Mitbewohner.»

Beim Kanton Luzern selber unternimmt man derweil keine besonderen Anstrengungen, Flüchtlinge für das WG-Leben zu motivieren. «Das kann eine gute Wohnform sein für psychisch stabile Personen, die schnell Selbstständigkeit im Alltag erlangen wollen. Flüchtlinge, die in privaten WGs wohnen, sind bisher jedoch Einzelfälle», sagt Silvia Bolliger, Leiterin der Dienststelle Asyl und Flüchtlingswesen des Kantons Luzern. Der Kanton Luzern begrüsse jegliche Art des zivilgesellschaftlichen Engagements, sagt Bolliger. Das fördere die Integration. «Die WG-Situation muss jedoch vorgängig sorgfältig abgeklärt und verbindlich geregelt werden.»

Status entscheidet über die Wohnform

Wer jetzt denkt, dass es jedem Flüchtling erlaubt ist, ein WG-Zimmer zu nehmen, der liegt falsch. Bolliger erklärt: «Es steht Flüchtlingen prinzipiell frei, die Art des Wohnens selbst zu wählen. Beziehen sie hingegen Sozialhilfe, muss die Miete für das Wohnobjekt unseren Mietzinsrichtlinien entsprechen.» Der Ausweis des Flüchtlings ist dabei entscheidend. Asylsuchende mit Ausweis N bleiben normalerweise in den Zentren, bis ihr Verfahren abgeschlossen ist. Sie dürfen sich nicht selbstständig eine Wohnung suchen. Auch vorläufig aufgenommene Personen, die Sozialhilfe beziehen, können den Wohnort nicht selber wählen. Der Kanton teilt ihnen diesen zu.

Vorläufig Aufgenommene, die keine Sozialhilfe beziehen, sowie anerkannte Flüchtlinge dürfen selber entscheiden, wo und wie sie wohnen möchten. Beziehen anerkannte Flüchtlinge Sozialhilfe, so gelten für sie für die Finanzierung eines WG-Zimmers dieselben Mietzinsrichtlinien, die auch für Schweizer Sozialhilfebezüger gelten.

 

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Infos gibts unter: luzern@wegeleben.ch.