MIGRATION: Geflüchtete Journalistin wird Schnupperstudentin in Luzern

Ab dem heutigen Montag besuchen vier Flüchtlinge Schnupperkurse an der Uni Luzern. Serap Duran ist eine von ihnen. Obwohl sie keine Prüfungen ablegen darf, erhofft sich die 32-Jährige bessere Chancen für die Zukunft.

Martina Odermatt
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Freut sich auf ihr neues Leben: Serap Duran vor dem Uni/PH-Gebäude in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli (3. Februar 2017))

Freut sich auf ihr neues Leben: Serap Duran vor dem Uni/PH-Gebäude in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli (3. Februar 2017))

Serap Duran spricht schnell. Die Aufregung, dass sie ab dem heutigen Montag an die Universität darf – wenn auch nur als Schnupperstudentin – ist kaum zu übersehen. Die 32-jährige Türkin mit kurdischen Wurzeln ist seit gut dreieinhalb Jahren in der Schweiz, seit einem Jahr wohnt sie in Luzern. Früher arbeitete sie als Journalistin in einer kurdischen Stadt. Als die Situation für sie als Medienschaffende zu heikel wurde, flüchtete sie in die Schweiz.

Das Schnupperstudium für Flüchtlinge ist ein Angebot, das die Universität Luzern zum ersten Mal durchführt (Ausgabe vom 17. Januar). Flüchtlinge erhalten die Chance, ausgewählte Lehrveranstaltungen zu besuchen, können aber keine Prüfungen ablegen.

Ziel: Professionell mit Migranten arbeiten

Für Serap Duran sind die Tests nicht entscheidend. Sie möchte in erster Linie einen Einblick gewinnen in die Schweizer Bildungslandschaft. Doch sie hofft auch, dass sie mit einem Schnupperstudium einmal bessere Chancen hat, ein richtiges Studium zu absolvieren. Ihr Ziel: Soziale Arbeit, das möchte sie studieren. Und danach am liebsten mit Migranten oder Kindern arbeiten. Schon heute hilft sie jeweils dienstags «und wann immer ich Zeit habe» im «Hello Welcome» aus, einem Treffpunkt für Menschen aus aller Welt (Ausgabe vom 14. Januar). «Ich möchte für Menschen Lösungen suchen. Meine Geschichte ähnelt der anderer Migranten. Ich weiss beispielsweise, wie es ist, mit wenig Geld auskommen zu müssen oder arbeitslos zu sein.» So überraschen denn auch Durans gebuchte Kurse nur wenig: Migration, Schutz der Menschenrechte, Grundbegriffe der Soziologie und Recht der Sozialhilfe stehen ab sofort auf ihrem Stundenplan.

«Ich musste alles hinter mir lassen. Ich möchte einen Neubeginn, und das am liebsten nicht mit irgendeiner Arbeit, sondern einem Job, der mir gefällt und für mich einen Sinn hat», so Duran. Ausserdem wolle sie auch ein Vorbild sein für andere Migranten. Zeigen, dass es möglich ist, fern der Heimat ein neues Leben aufzubauen. Dass sie überhaupt an diesen Veranstaltungen teilnehmen kann, verdankt sie in erster Linie einer Mitarbeiterin von «Hello Welcome», die sie auf das Schnupperstudium aufmerksam gemacht hat. Durans Interesse war sofort geweckt. «Ich habe das dann mit meiner Betreuerin beim Zentralschweizer Arbeiterhilfswerk angeschaut, und sie ­ hat mich dann angemeldet.» Die Schnupperstudenten wurden vom Hilfswerk gestellt. Die Kriterien wurden jedoch von der Uni vorgegeben: Mindestens 21 Jahre alt, Sprachkenntnisse auf dem Level B2, eine Aufenthaltsge­nehmigung B oder F und wohnhaft im Kanton Luzern.

Neben Serap Duran nutzen drei weitere Flüchtlinge das Angebot. Sie kommen aus Eritrea, Sri Lanka und Syrien und haben je schon ein Studium in ihrem Heimatland absolviert. Das Angebot hätte zehn Flüchtlingen offen gestanden. Dass es nun nur vier sind, dafür gebe es verschiedene Gründe, erklärt der Kommunikationsbeauftragte der Uni, Lukas Portmann: «Unsere Vorlesungen sind mehrheitlich auf Deutsch, und das Fächerangebot ist begrenzt. Insbesondere bieten wir keine naturwissenschaftlichen Veranstaltungen an.»

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch.