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MIGRATION: Im Kanton Luzern ist jeder Zehnte ein Doppelbürger

Der Anteil der Schweizer mit einem weiteren Pass ist im Kanton Luzern in fünf Jahren von 6,1 auf 10,4 Prozent gestiegen. Ein Experte sieht in der Entwicklung zahlreiche Vorteile – und einen Nachteil.
Bild: Grafik: LZ

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Alexander von Däniken
alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Würden sie eine Gemeinde bilden, hätten sie Kriens zahlenmässig überholt: 28 540 Schweizer mit weiterer Staatszugehörigkeit lebten per Ende 2016 im Kanton Luzern. 2012 waren es 19 586. Damit stieg ihr Anteil an der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren von 6,1 auf 10,4 Prozent (siehe Grafik). Das zeigen die neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS).

Welchen weiteren Pass die Doppelbürger besitzen, weisen weder das BFS, noch das Staatssekretariat für Migration, noch Lustat Statistik Luzern aus. Eine Annäherung bietet die Ausländerstatistik. Demnach bilden die Deutschen mit 18,9 Prozent die grösste Gruppe der ausländischen ständigen Wohnbevölkerung. Es folgen Kosovo (10,4 Prozent), Italien (10,2 Prozent) und Portugal (10 Prozent). Klar ist: Die Doppelbürger sind jünger als die Luzerner, die «nur» den Schweizer Pass besitzen. 35,7 Prozent der Doppelbürger sind zwischen 25 und 44 Jahre alt, bei den Schweizern fallen 29 Prozent in diese Alterskategorie. Und sie haben eine höhere Erwerbsquote als die «reinen» Schweizer: 71,9 gegenüber 65,9 Prozent. Leicht höher ist auch der Anteil jener Doppelbürger, die akademische Berufe haben oder im oberen Kader arbeiten: 8,5 Prozent. Bei den übrigen Luzernern sind es 7,4 Prozent.

Neue Studie auf Dezember angekündigt

Grund für die Zunahme von Doppelbürgern in Luzern sind die Migration und deren Folgen. Dies sagt Joachim Blatter. Der Professor für Politikwissenschaft an der Universität Luzern befasst sich seit Jahren mit der Doppelbürgerschaft und ist Mitautor der Studie «Bürgerschaft und Demokratie in Zeiten transnationaler Migration: Hintergründe, Chancen und Risiken der Doppelbürgerschaft». Die Ergebnisse der Studie sind noch unter Verschluss: Die Eidgenössische Migrationskommission wird sie im Dezember 2018 veröffentlichen.

Die Migration führt laut Blatter unter anderem zu binationalen Ehen. Jede dritte Ehe ist in der Schweiz bereits eine solche. Das wiederum führt zu mehr Kindern, die bereits bei Geburt eine doppelte Staatsbürgerschaft haben. Gleichzeitig sind fast alle Staaten gegenüber der Doppelbürgerschaft toleranter geworden. Früher haben sie sich um die Doppelbürger gestritten und es standen primär die Interessen der Staaten im Vordergrund. Heute werden auch die Rechte und Interessen der Individuen berücksichtigt. «Der spannendste Aspekt der Doppelbürgerschaft ist zweifellos, dass damit die klaren Grenzen zwischen den mächtigsten Gemeinschaften der modernen Zeit, den Nationen, etwas verwischen, und zwar ohne dass damit die Überwindung des Nationalen zu Gunsten des Europäischen oder Globalen verbunden wäre», so Blatter. Kommt hinzu: Durch die Möglichkeit zweier Staatsbürgerschaften sinkt die Hemmschwelle für eine Einbürgerung, weil es den meisten Menschen schwerfalle, diejenige Bürgerschaft aufzugeben, mit der sie gross geworden sind.

Zwar ist die Doppelbürgerschaft ein globales Phänomen, wie der Uni-Professor betont. Sie hat aber gerade in der Schweiz eine grosse Bedeutung. Durch den vergleichsweise hohen Ausländeranteil von 25 Prozent müsse sich ein Viertel der Bevölkerung den Gesetzen des Landes unterwerfen, ohne an der Gestaltung dieser Gesetze mitwirken zu können. «Aufgrund der weitgehenden Ablehnung des Ausländerstimmrechtes ist damit ein massives Demokratiedefizit verbunden», sagt Blatter und folgert: «Die Akzeptanz der Doppelbürgerschaft führt also dazu, dass sich mehr Bewohner der Schweiz einbürgern lassen, und dies wiederum reduziert das Demokratiedefizit.»

«Besser integriert als nicht Eingebürgerte»

Kritiker monieren, dass sich Doppelbürger weniger mit der Schweiz identifizieren als Einfachbürger. Oder dass sie sich weniger engagieren. Laut Blatter konnten diese Befürchtungen durch empirische Studien – die zum Teil an der Uni Luzern durchgeführt worden sind – widerlegt werden. Dies gelte vor allem im Vergleich mit Ausländern ohne Schweizer Pass: «Eingebürgerte Bewohnerinnen und Bewohner sind auf dem Arbeitsmarkt, in der Freizeit, zum Beispiel in Vereinen, und politisch besser integriert als nicht eingebürgerte Bewohnerinnen und Bewohner.»

Einen möglichen, gravierenden Nachteil haben Blatter und seine Kollegen aber festgestellt. Und zwar bei schweizerisch-ausländischen Doppelbürgern, die im Ausland leben. Wird dort die Schweizer Staatsbürgerschaft von Generation zu Generation weitervererbt, kann es sein, dass «die Schweiz im Notfall für diese Menschen Verantwortung übernehmen muss, obwohl diese kaum mehr eine Verbindung zur Schweiz haben». Als warnendes Beispiel verweist Joachim Blatter auf Kanada, welches vor einigen Jahren eine Vielzahl von Personen mit kanadischen Pässen aus dem Libanon evakuieren musste, obwohl sie nie in Kanada gelebt haben.

Zurück nach Luzern: Der Anteil der Doppelbürger von 10,4 Prozent ist hier im Vergleich mit anderen Kantonen noch klein. Spitzenreiter ist Genf, wo mit 45 Prozent fast die Hälfte der ständigen Wohnbevölkerung neben dem Schweizer noch einen anderen Pass hat. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 17,3 Prozent. Sicher ist laut Blatter: «Die Quote wird auch im Kanton Luzern weiter steigen.»

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