MILITÄR: Luzerner kommen flach raus

Der Fitnesstest für angehende Rekruten zeigt: Zuger sind topfit, die Luzerner könnten noch mehr für die Gesundheit tun. Die Statistik hat aber auch einen Haken.

Guy Studer
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Stellungspflichtige absolvieren im zürcherischen Rüti den so genannten Rumpfkrafttest. (Bild: Keystone)

Stellungspflichtige absolvieren im zürcherischen Rüti den so genannten Rumpfkrafttest. (Bild: Keystone)

GUy Studer

Eine böse Überraschung für den einen, von manch anderem sehnlichst erwartet: Gegen Ende der Teenagerzeit flattert bei den meisten jungen Männern mit Schweizer Pass irgendwann die «Einladung» ins Haus, dem Vaterland seinen Dienst zu erweisen. Die Aushebung steht vor der Türe. Und man mag vom System der Milizarmee in der Schweiz halten, was man will – unvergessliche Kollektiverlebnisse, ob positive oder negative, sind garantiert. Das beginnt bereits beim Fitnesstest, den die Stellungspflichtigen bei der Aushebung zu absolvieren haben. Wer erinnert sich nicht an das Kräftemessen unter den Teilnehmenden. «Was hesch gha bem Einbeinstand?» oder «Heschs Sportabzeiche gholt?» sind so gängige Fragen unter den jungen Männern und vereinzelten Frauen.

Fast 32 000 Teilnehmer

Der Test Fitness bei der Rekrutierung (TFR), wie er offiziell heisst, liefert ausserdem auch wertvolle Daten darüber, wie es um die physische Leistungsfähigkeit eines ganzen Jahrgangs steht. So waren 2015 insgesamt knapp 40 000 vorwiegend junge Männer stellungspflichtig. Den Test absolviert haben davon knapp 78 Prozent, insgesamt knapp 31 800 junge Schweizerinnen und Schweizer im Alter von meist 19 Jahren. Das Bundesamt für Sport (Baspo) veröffentlicht jeweils die Resultate, heruntergebrochen auf die 26 Kantone.

Diese bieten eine geeignete Vorlage, um dem helvetischen Kantönligeist zu frönen. Schmeichelhaft sind die Zahlen in dieser Hinsicht für die Zuger. Mit durchschnittlich 74,7 Punkten von möglichen 125 liegen diese bereits zum dritten Mal an der Spitze aller Kantone (siehe Tabelle). Das begehrte Sportabzeichen gibts ab 80 Punkten.

Warum bringen die Zuger derart sportliche junge Männer hervor? «Ich gehe mit jedem einzelnen trainieren», sagt Felix Jaray am Telefon und lacht. «Nein, im Ernst, die Resultate lassen viel Interpretationsspielraum», so der Leiter des kantonalen Sportamts. Er unternimmt einen Erklärungsversuch: Hauptfaktor sei wohl das Gesamtpaket. «Der Kanton Zug ist zugleich urban und ländlich, wir verfügen zudem über sehr gute Sportinfrastrukturen und kurze Wege.» Auch bestehe eine bestens funktionierende Vereinskultur. Ein weiterer möglicher Faktor sei die Bildungsnähe der Zuger: «Es ist erwiesen, dass gut Gebildete mehr Sport treiben und ein höheres Gesundheitsbewusstsein haben», sagt Jaray. Er relativiert zugleich: «Die Unterschiede zwischen den Kantonen sind nicht sehr gross.» Deshalb will er das gute Abschneiden der Zuger nicht überbewerten. Man nehme die Resultate zur Kenntnis, «aber das Resultat auf die Fahne des Sportamtes zu schreiben, wäre zu vermessen».

Viele Luzerner am Test

Den letzten Platz unter den Zentralschweizer Kantonen fällt dem Kanton Luzern zu: Mit einem Punkteschnitt von 68,8 liegen die Luzerner deutlich unter dem nationalen Mittel von 71,1 Punkten. Gemäss David Dürr, Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport des Kantons Luzern, sind die Gründe für die Resultate nicht wissenschaftlich untersucht worden, wie er schriftlich mitteilt. Doch auch er hat eine Erklärung: «Kantone mit einem hohen Anteil Stellungspflichtiger, die den TFR absolviert haben, haben praktisch alle eine tiefe totale Punktzahl.» Die Statistik zeigt tatsächlich: Im Kanton Luzern haben 90 Prozent der stellungspflichtigen Männer den Test absolviert. In Zug sind es nur deren 72 Prozent. Auch das Baspo schreibt im Bericht zum Test 2015: «Es muss beachtet werden, dass der Prozentanteil an Stellungspflichtigen, welche vom TFR dispensiert werden, in den einzelnen Rekrutierungszentren unterschiedlich hoch ausfällt und sich damit auch der Anteil dispensierter Stellungspflichtiger zwischen den Kantonen stark unterscheidet.» Der Anteil Stellungspflichtiger, welche den Test vollständig absolviert hätten, könne möglicherweise einen Einfluss auf die Resultate eines Kantons haben.

Eine genauere Erklärung für die Unterschiede ist wohl auch nicht möglich. In einer Studie hält das Baspo immerhin fest, dass sich «bei der Sportaktivität kein Stadt-Land-Unterschied mehr ausmachen lässt».

Zürcher sind am «untauglichsten»

Warum in den Kantonen nun unterschiedlich viele junge Männer als fit genug eingestuft werden, bleibt unklar. Fakt ist, dass 2015 die Zürcher und Jurassier mit jeweils 66 Prozent die Schlusslichter in dieser Statistik bilden. Auch im Vergleich mit dem Vorjahr fällt auf, dass die Zürcher am erfolgreichsten in der Disziplin sind, erst gar nicht am Test anzutreten. Generell auch eine «Stärke» des Tessins und der Westschweizer Kantone.

Dem gegenüber steht wiederum, dass die Gesamtzahlen in den einzelnen Kantonen stark variieren. «Dies muss bei der Interpretation der Daten beachtet werden», schreibt das Baspo. So haben 2015 in Appenzell Innerrhoden nur 112 junge Männer den Test absolviert, während es im Kanton Zürich 4202 sind. Mit 2061 hat der Kanton Luzern 2015 am fünftmeisten Teilnehmer gestellt.

Fitnesstest: Detaillierte Ergebnisse des Fitnesstests sowie Beschreibungen der Disziplinen finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus