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MILITÄR: Luzerner Soldaten dienen häufiger durch

Derzeit leisten fast doppelt so viele Luzerner die Rekrutenschule am Stück wie der Schweizer Schnitt. Ein Soldat erzählt, weshalb der Dienst gerade für Studenten attraktiv ist.
Niels Jost
In der Infanterie kann man den Dienst an einem Stück absolvieren. Das Bild zeigt Rekruten dieser Truppengattung, die bei einer Übung Funkgeräte einstellen. (Symbolbild Keystone/Christian Beutler)

In der Infanterie kann man den Dienst an einem Stück absolvieren. Das Bild zeigt Rekruten dieser Truppengattung, die bei einer Übung Funkgeräte einstellen. (Symbolbild Keystone/Christian Beutler)

Niels Jost

Für Tausende junge Männer und Frauen heisst es seit gut einer Woche: Uniform an, auf einem Glied sammeln und «Achtung!», still gestanden. Am 4. Juli startete schweizweit für 7000 Dienstpflichtige die Rekrutenschule (RS). Diese dauert je nach Truppenzugehörigkeit 18 oder 21 Wochen. Hinzu kommen sechs respektive sieben Wiederholungskurse (WK). Rund 880 Eingerückte, also knapp jeder Zehnte, werden jedoch ihren gesamten Dienst an einem Stück absolvieren – die sogenannten Durchdiener. Sie werden während 300 Tagen die Uniform tragen.

Beliebtes Modell

Bei den Luzernern ist das Durchdiener-Modell beliebt, wie die neuesten Zahlen des Bundes zeigen. Von den 580 Luzerner Rekruten, die am 4. Juli eingerückt sind, werden 110 durchdienen – das sind knapp 19 Prozent. Damit stellt der Kanton Luzern für die aktuelle Sommer-RS anteilsmässig fast doppelt so viele Durchdiener wie der Schweizer Durchschnitt.

Eine Erklärung, wieso der Kanton Luzern aktuell überdurchschnittlich viele Durchdiener stellt, gibt es laut Armeesprecher Christoph Brunner nicht. Grundsätzlich gilt: «Maximal 15 Prozent eines Rekrutenjahrgangs dürfen als Durchdiener ihren Dienst leisten», sagt Brunner auf Anfrage. Ein Blick in die Armee-Statistik bestätigt das: Letztes Jahr leisteten 15,3 Prozent aller Dienstpflichtigen aus dem Kanton Luzern ihren Dienst an einem Stück. 2014 waren es 1,1 Prozent weniger – und auch in den Jahren zuvor betrug der Anteil rund 15 Prozent. Jährlich sind es zwischen 270 und 340 Luzerner, die bei den gesamthaft drei RS-Starts den Durchdiener antreten.

«Das ist schon eine lange Zeit»

Was das Durchdiener-Modell so attraktiv macht, weiss Simon Müller (20). Der Zürcher leistet derzeit in Emmen bei der Fliegerabwehr als Rapier-Soldat seinen Dienst an einem Stück. «Ich beginne im Herbst mein Studium, dann ist es einfacher, den Militärdienst komplett abgeschlossen zu haben. Sonst müsste ich den jährlichen WK während der Vorlesungen oder der Lernphase wohl oft verschieben», sagt er. Einziger Nachteil des Durchdiener-Modells sei, dass der Dienst 300 Tage dauert – für Soldaten im WK-Modus nur 260 Tage. «Das ist schon eine lange Zeit», sagt Müller. Bewusst wurde ihm das etwa an jenem Tag, an dem seine RS-Kameraden nach 21 Wochen entlassen wurden. «Es war schon ein bisschen hart, zu wissen, dass ich nochmals so lange im Dienst sein werde.» Dennoch bereue er den Entscheid nicht. «Noch sechs Wochen, dann bin ich fertig», sagt er optimistisch.

Der Durchdiener sei für Müller auch deshalb die richtige Entscheidung gewesen, weil er einen Sinn in seiner alltäglichen Arbeit erkennt. Zusammen mit den anderen 10 Durchdienern in Emmen agiert er eher im Hintergrund, «quasi als Logistiker», erzählt er. Zu den alltäglichen Arbeiten gehören etwa die Kaserne zu putzen oder Fahraufträge zu erfüllen. Damit erleichtern sie den Alltag ihrer Kameraden auf dem Feld, so Müller.

Attraktiv für Studenten

Neben der Fliegerabwehr kann man den Durchdiener in neun weiteren Truppengattungen absolvieren. Darunter etwa in der Infanterie, bei den Sanitätern oder als Truppenkoch. Die Anmeldung zum Durchdiener erfolgt an der Rekrutierung. Stellungspflichtige Männer und Frauen müssen also schon früh wissen, ob sie ihre ganze Dienstzeit in einem Stück absolvieren möchten und können. Einzige Bedingung ist eine absolvierte Lehre oder Matura. Dass mehr (angehende) Studenten, wie Simon Müller, durchdienen, kann nicht mit Zahlen belegt werden. Dazu führt der Bund keine Statistiken.

Den Durchdiener können auch jene Dienstpflichtigen antreten, die «weitermachen» wollen. Denn auch als Kader kann man all seine Diensttage auf einmal erfüllen. Ebenso möglich ist es, sich noch während der laufenden Rekrutenschule ins Durchdienermodell umschreiben zu lassen – sofern noch genügend Platz vorhanden ist.

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