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MILITÄR: Luzerns Relikte aus gefährlichen Zeiten

Im Kriegsfall hätte Luzerns Stadtrat unter der Museggmauer regiert. Es gibt aber noch weitere versteckte Bunker. Inzwischen sind viele stillgelegt, einige haben jedoch einen neuen Zweck erhalten.
Hugo Bischof
Oben: Der Eingang zum Stadtratsbunker, fotografiert anlässlich einer kürzlichen Probesprengung im Musegghügel. Unten rechts: Skizze des Regierungsratsbunkers aus dem Jahr 1982. (Bilder Nadia Schärli/PD)

Oben: Der Eingang zum Stadtratsbunker, fotografiert anlässlich einer kürzlichen Probesprengung im Musegghügel. Unten rechts: Skizze des Regierungsratsbunkers aus dem Jahr 1982. (Bilder Nadia Schärli/PD)

Kürzlich kam es im Musegghügel Luzern zu einer Reihe von Probesprengungen. Damit wollte man sicherstellen, dass die Museggmauer beim allfälligen Bau des geplanten unterirdischen Parkhauses Musegg keine Schäden erleidet (Ausgabe vom 24. Juni). Angesetzt wurden die Sprengkörper in einem alten Militärbunker, dem Stadtratsbunker, dessen Eingang am Schirmertorweg, nahe des Schirmerturms, liegt.

Ein Schutzkeller für die Stadtregierung unter der Museggmauer? Dass es so etwas einst gab, haben wohl viele Luzerner nicht gewusst. Über diese im Musegghügel gelegene unterirdische Anlage ist tatsächlich wenig bekannt. Um seine Funktion nicht zu gefährden, blieb der Bunker auch lange geheim.

Kurz vor Weltkrieg errichtet

Klar ist: Am 29. April 1938 besiegelte der damalige Stadtluzerner Baudirektor Louis Schwegler mit seiner Unterschrift das Projekt Stadtratsbunker, auch Museggbunker genannt. So ist es dem 2012 erschienenen Buch «Die Museggmauer – neun Türme über der Stadt Luzern» zu entnehmen, das der Verein und die Stiftung für die Erhaltung der Museggmauer vor wenigen Jahren herausgaben.

Im Kapitel «Mauer und Menschen» liefert Ueli Habegger, ehemaliger städti­scher Denkmalpfleger, spannende Infos zu diesem Stadtratsbunker. Demnach führte ein Zugangsstollen, wenige Meter von der Museggturnhalle entfernt, tief in den Berg zu einem Hauptstollen – mit einem Notausstieg neben dem dortigen Mehrfamilienhaus.

Bei Kriegsbeginn im September 1939 war der Museggstollen bergmännisch fertiggestellt. 1940 erfolgte die Erweiterung des Haupstollens mit dem Bau einer weiteren Kammer. Diese war 12 Meter lang, 6 Meter breit, 3,5 Meter hoch und verlief parallel zur Museggmauer. «Alle Bauarbeiten liefen, diskret bis geheim, unter dem Stichwort passiver Luftschutz», schreibt Habegger.

Ausbau zu Kommandoposten

1942 schliesslich wurde der Bunker zu einem Kommandoposten umgebaut. «Das Profil der Aufenthaltskammer wurde auf 4,2 Meter Höhe ausgebrochen, stark armiert und damit bombensicher», so Habegger. 40 Mann, darunter der Luzerner Stadtrat, sollten hier im Kriegsfall Unterschlupf finden. Auch Ventilatoren und Heizung wurden eingebaut. Hierher wäre Luzerns Stadtregierung bei einem Einmarsch feindlicher Truppen im Zweiten Weltkrieg evakuiert worden; von hier aus hätte sie ihre Direktiven und Edikte erlassen – so die Theorie.

Aber: «Der Ernstfall fand nie statt», so Habegger. Für das, wofür er konzipiert war, wurde der Stadtratsbunker also nie genutzt. Eine Art Schutzfunktion übte er später dennoch aus – beispielsweise als Zuhause von Guuggenmusigen. Habegger nennt in diesem Zusammenhang die Musegg-Geischter Lozärn.

Die Musegg-Geischter haben den Bunker phasenweise tatsächlich genutzt. Deren Gründer und Ehrenmitglied Marco «Lego» Wicki betont aber: «Geprobt haben wir nie im Musegg­stollen; wir haben ihn aber während der Fasnachtstage als Instrumenten- und Kostümdepot genutzt.» Sich hier länger aufzuhalten, wäre gemäss Wicki unmöglich gewesen: «Dafür ist die Feuchtigkeit im Bunker viel zu hoch.» Geprobt haben die Musegg-Geischter vorwiegend im Keller des Museggschulhauses.

Semi-Feste im Museggbunker

Wicki, dessen Vater lange Jahre Abwart des Museggschulhauses war, weiss dafür von einer anderen Nutzung des Stadtratsbunkers zu berichten. «Hermann Suter, der ehemalige, inzwischen verstorbene Rektor des Lehrerseminars Luzern, hat hier bis in die 1980er-Jahre seine Semi-Feste veranstaltet.» Wicki erinnert sich noch an die legendären Kaffeerahm-Deckeli-Girlanden, welche die Bunkerwände schmückten.

Zurück zur ursprünglichen Funktion des Stadtratbunkers: Dieser war tatsächlich eine bauliche Reaktion auf die damaligen Kriegsängste. Interessant ist: Es gibt, verteilt über die ganze Stadt Luzern, eine Anzahl weiterer solcher unterirdischer Bauten: Stollen, Bunker, Zivilschutzanlagen – wie immer man sie nennt.

Bunker auch für Regierungsrat

Besonders erwähnenswert: Es gab einen Schutzbunker nicht nur für den Stadtrat, sondern – an anderer Stelle – auch einen für die kantonale Regierung. Der Regierungsrat des Kantons Luzern wäre demnach im Kriegsfall in einen Bunker angrenzend an den alten Gütsch-Stollen evakuiert worden (siehe Plan oben rechts) und hätte seine Regierungsgeschäfte von hier aus weitergeführt. Aber auch dieser Regierungsratsbunker wurde nie genutzt – weil die Schweiz letztlich vom Krieg verschont blieb.

Es gibt nur wenige Pläne und Fotos dieser alten Bunker. Der Grund dafür ist klar: Ihre Existenz wurde weitgehend geheim gehalten. Beschlüsse dazu wurden oft nur mündlich gefasst. Es gibt nicht einmal ein Verzeichnis aller solcher unterirdischer alter Militäranlagen auf Stadtboden. Bei der Stadt Luzern heute zuständig für diese Anlagen ist Urs Käppeli, Projektleiter Portfoliomanagement in der Dienstabteilung Immobilien der städtischen Baudirektion. Gemäss seiner Auskunft wird eine Vielzahl dieser alten Bunker heute nicht mehr genutzt. «Das Problem ist, dass ihr Inneres viel zu feucht ist, um sich hier lange aufzuhalten», sagt Käppeli. Dies trifft etwa auf den Stadtratsbunker zu. Strom und Wasser wurden aus Sicherheitsgründen abgestellt.

Dennoch gibt es Anlagen, die heute noch genutzt werden. Dies sind einige der alten unterirdischen Militärbunker/Luftschutzkeller, verteilt über das Gebiet der Stadt Luzern (siehe auch Grafik):

  • Regierungsratsbunker:Oberhochbühl/Gibraltarrain.2013 wurdedieser zurückgebaut und stillgelegt. Seither wird er nicht genutzt. Konkrete Pläne für eine künftige neue Nutzung dieses Bunkersgibt es gemäss Kantonsbaumeister Hans-Urs Baumann nicht. «Wir erhalten wohl periodisch Anfragen von Interessierten, aber es gilt zu erwähnen, dass die Reaktivierung der Räume je nach Nutzung hohe Kosten verursacht», so Baumann. Weitere kantonaleunterirdischeehemalige Militärbunker auf Stadtboden gibt es gemäss Baumann nicht.
  • Fluhgrundbunker:Fluhgrund/Friedentalstrasse/Bergstrasse. Der Eingang befindet sich bei einer kleinen Grünfläche beim Schlossberg, Kreisel Friedentalstrasse (parallel Bergstrasse). In der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre entstand hier unter strengster Geheimhaltung der Kommandoposten der Luzerner Territorialverteidigung.Heute befindet sich hier im vorderen Teil eine EWL-Trafostation.

Der hintere Teil ist vierstöckig und gemäss Urs Käppeli noch in «relativ gutem Zustand». Es gibt Strom und fliessendes Wasser. Hier waren früher die Hofbrückenbilder archiviert, die vor kurzem in das neue Stadtarchiv an der Ruopigenstrasse in Littau gezügelt wurden. «Eine neue Nutzung des Fluhgrundbunkers ist möglich», sagt Käppeli. Denkbar wäre zum Beispiel eine Vermietung einzelner Räume an Vereine. «Dafür bräuchte es verschiedene kleinere Renovationsarbeiten.»

  • Gütschbunker:Eingang Ecke Heimbachweg/Kasimir-Pfyffer-Strasse (hinter Kantonspolizei-Hochhaus). Der Tunnel wurde ursprünglichfür die dortige Eisenbahn erstellt, dafür jedoch nur kurz genutzt. Den hinterenTeil baute man danach für Militär und Zivilschutz aus. Heute wird er wegen starker Feuchte nicht mehr genutzt,Wasser und Strom sind abgestellt.

Interessantes Detail: Mitte der 80er-Jahre erwägte man, in diesem Bunker einen Konzertraum für die Alternativkultur zu errichten. Mit der Gründung des Kulturzentrums Boa wurde diese Option jedoch hinfällig.

  • Warteggbunker:unter Warteggrippe, Eingang Tribschenmoosweg. DiesergrosseBunker ist zur Zeit ungenutzt. Gemäss Urs Käppeli ist Energie Wasser Luzern (EWL) interessiert, hier ein Rechenzentrum einzurichten.
  • Kreuzbuchbunker:Eingang bei Unterführung Kreuzbuchstrasse. Das ist ein sehr kleiner Bunker. Eine Guuggenmusig nutzt ihn als Proben- und Bastelraum.
  • Löwenbunker:Eingang neben dem Restaurant Caravelle an der Denkmal­strasse 2, Ausgang beim Löwendenkmal. Dieser wurde früher als Zivilschutzanlage genutzt, als solche ist der Bunker heute nicht mehr nutzbar. Diverse Guug­genmusigen haben hier heute ihre Übungsräume.

Hugo Bischof

Bild: Grafik Martin Ludwig / Quelle Stadt Luzern

Bild: Grafik Martin Ludwig / Quelle Stadt Luzern

Skizze des Regierungsratsbunkers aus dem Jahr 1982.

Skizze des Regierungsratsbunkers aus dem Jahr 1982.

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