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MILITÄR: «Obligatorisches» verpasst: Offiziere schiessen gegen «pflichtvergessene Soldaten»

In Luzern haben 8 Prozent der Schiesspflichtigen das «Obligatorische» verpasst. Das sind so viele, wie in keinem anderen Zentralschweizer Kanton. Ein Sicherheitsrisiko, findet die Luzerner Offiziersgesellschaft.
Kilian Küttel
«Obligatorischen»: Nicht alle Soldaten nehmen diese Pflicht gleich ernst. (Bild: Philipp Schmidli)

«Obligatorischen»: Nicht alle Soldaten nehmen diese Pflicht gleich ernst. (Bild: Philipp Schmidli)

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Hinlegen, anlegen, zielen, abdrücken. 42 Punkte sind das Ziel, nicht mehr als drei Nuller sind erlaubt, danach antreten zu Bratwurst und Bier. Der Aufwand scheint überschaubar, dennoch gibt es Jahr für Jahr Soldaten, welche der obligatorischen Schiesspflicht nicht nachkommen. Im letzten Jahr waren das im Kanton Luzern 744 Personen – oder 8,1 Prozent aller Schiesspflichtigen. Darüber ärgert sich der Präsident der Offiziersgesellschaft des Kantons Luzern. Alexander Krethlow sagt: «Wir nehmen dies mit beträchtlicher Irritation zur Kenntnis.»

Jeder Armeeangehörige, der das «Obligatorische» nicht absolviert, ist gemäss Krethlow ein Sicherheitsrisiko im Wiederholungskurs: «Der so pflichtvergessene Armeeangehörige riskiert eine Gefährdung seiner Kameradin oder seines Kameraden.» Darüber hinaus gehe es darum, dass die Waffe am «Obligatorischen» auf ihre Funktionsfähigkeit kontrolliert werde. Und: «Hinzu kommt der Verwaltungsaufwand», so Krethlow. Denn jedem Säumigen brummt die Armee eine Busse auf, die Kantone ziehen sie ein. Im vergangenen Jahr 2017 waren das im Kanton Luzern etwas mehr als 119'000 Franken. Seit 2012 kamen gut 800'000 Franken zusammen, die in die Bundeskasse flossen.

Schwänzen ist in Schwyz doppelt so teuer

Die Höhe der Bussen variiert, in den meisten Zentralschweizer Kantonen kostet das erste Versäumnis 100 Franken. Wer öfter schwänzt, zahlt mehr: 200 Franken werden beim zweiten Versäumnis fällig, 400 beim dritten und 800 beim vierten verpassten Schiessen.

Restriktiver sind die Schwyzer und Obwaldner Militärbehörden. Diese verlangen für das erste, zweite und dritte Versäumnis das Doppelte der anderen Kantone. Vielleicht ist dies der Grund, weshalb der Kanton Schwyz die tiefsten Werte in der Statistik aufweist. Und dann gibt es auch noch die Unbelehrbaren: Spätestens ab dem sechsten Versäumnis fährt die Militärjustiz in allen Zentralschweizer Kantonen schwere Geschütze auf: Dann wird ein militärisches Strafverfahren eröffnet, wodurch dem Schiess-Schwänzer gar ein Eintrag im zivilen Strafregister drohen kann.

Auch bei der Zahl der Gerichtsverfahren gibt es Unterschiede zwischen den sechs Kantonen der Zentralschweiz. In Uri beispielsweise mussten seit dem Jahr 2012 zwei Soldaten vor Gericht antraben. Anders in Luzern: Von 2012 bis 2017 wurden jeweils zwischen fünf und neun Verfahren jährlich eröffnet.

Natürlich – in Luzern leben gut zehn Mal so viele Leute wie in Uri. Nur: Mit 8 Prozent hat Luzern auch bei der verhältnismässigen Anzahl Schwänzern die Nase vorn. In Uri zum Beispiel waren es letztes Jahr nur 6 Prozent. Eine Vermutung dafür hat der Luzerner Kreiskommandant Philippe Achermann: «Das dürfte daran liegen, dass Luzern ein urbaner Kanton ist.» Je städtischer ein Gebiet, desto weniger verankert sei die Armee. Das zeige sich anhand der Anzahl Zivildienstleistender, der allgemeinen Zahl militärischer Disziplinarverfahren und eben auch an den Verweigerern in puncto «Obligatorisches».

Diese Meinung teilt Christian Zimmermann, Präsident des Luzerner Kantonalschützenvereins. Dies habe auch Auswirkungen auf das Schiesswesen im ganzen Kanton: «Wie auch andere Sportvereine spüren wir den Mitgliederschwund. Dies ist ebenfalls ein urbanes Phänomen – deshalb in städtischer Umgebung ausgeprägter.»

Gleichzeitig gibt Zimmermann der Luzerner Offiziersgesellschaft Recht, wenn er sagt: «Ich denke einem grossen Prozentsatz jener Personen, die das Obligatorische versäumen, ist unsere Sicherheitspolitik egal.» Jedoch freue er sich, dass noch über 90 Prozent der Schiesspflichtigen ihren staatspolitischen Auftrag wahrnehmen würden.

Früher lag auch mal ein anderer im Schiessstand

Die Luzerner Offiziere derweil dürfte eine andere Tatsache freuen: Die Zahl der «pflichtvergessenen Armeeangehörigen» geht in den letzten Jahren konstant zurück. 2012 lag sie in Luzern noch bei 9,3 Prozent. Ebenso sanken die Bussgelder kontinuierlich.

Auch bei den anderen Kantonen sucht man einen grossen Ausreisser vergebens: Die Zahlen bleiben so stabil wie die Verankerung der Zielscheiben im Schiessstand. Deshalb sieht Danilo Schwerzmann, der Präsident der Offiziersgesellschaft des Kantons Zug, keinen Grund für Panik: «Natürlich wären tiefere Zahlen schön, aber solange sie auf dem gleichen Niveau bleiben, gibt es wenig daran auszusetzen.»

Wenigstens könne man heute davon ausgehen, dass auch tatsächlich derjenige schiesst, der muss. Was meint Schwerzmann damit? Bis vor wenigen Jahren gab es keine Ausweiskontrolle bei dem Schiessen. Es konnte also jeder einen Kollegen schicken, der sich für ihn in den Schiessstand legte. Wie häufig das passierte, ist nicht klar, dass der Trick aber angewendet wurde, ist sicher.

Laut Kreiskommandant Achermann gibt es in Luzern seit etwa fünf Jahren Identitätskontrollen, um diesen Winkelzug zu verhindern – obwohl er darauf hinweist, dass es auch früher nicht erlaubt war, einen Ersatz-Schützen aufzutreiben.

Bild: Tabelle: LZ

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