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MILITÄR: Politprominenz besucht Truppe

Selten kommt fast alles zusammen, was im Luzerner Politbetrieb Rang und Namen hat. Für einen Besuch beim «Luzerner» Infanteriebataillon 20 aber hat es kürzlich geklappt.
Matthias Stadler
Oberleutnant Jeremias Burch im Gespräch mit Regierungsrat Marcel Schwerzmann (Bild: Roger Grütter (St. Luzisteig, 27. April 2017))

Oberleutnant Jeremias Burch im Gespräch mit Regierungsrat Marcel Schwerzmann (Bild: Roger Grütter (St. Luzisteig, 27. April 2017))

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch

Der Luzerner Sicherheitsvorsteher Paul Winiker hatte zum Truppenbesuch im Bündnerland geladen; diese Einladung zog Politiker aller Stufen an. Vom Ständerat Damian Müller über den Kantonsratspräsidenten Andreas Hofer und den Regierungspräsidenten Marcel Schwerzmann, die Kantonsräte Rolf Born, Charly Freitag und Ferdinand Zehnder bis hin zur Luzerner Stadträtin Franziska Bitzi und zum Gemeindepräsidenten von Meierskappel, Konrad Lan­genegger, wollte sich den Besuch beim Infanteriebataillon 20 am vergangenen Donnerstag niemand entgehen lassen.

Paul Winiker und der Delegationsleiter Oberst Philippe Achermann, seines Zeichens Kreiskommandant des Kantons Luzern, liessen sich denn auch nicht lumpen. Ein Super-Puma nahm die Gäste auf dem Flugplatz Emmen in Empfang. Trotz nicht gerade frühlingshafter Temperaturen, grauer Wolken und entsprechenden Niederschlags war die Delegation guter Dinge. Und es sollte sich beim Abflug herausstellen, dass schlechtes Wetter für einen Helikopterflug nicht von Nachteil sein muss, zumindest nicht für die Passagiere. Die Piloten waren gezwungen, unter der Wolkendecke zu fliegen. So blieb der Helikopter tief, was für manch interessante Beobachtung sorgte.

In der Maschine sassen aber nicht nur Politiker, sondern auch gestandene Soldaten. Rolf Born etwa ist Oberst im Generalstab, Paul Winiker war Oberstleutnant und Marcel Schwerzmann Major. Ständerat Müller hatte «am Schluss noch das Privileg, Obergefreiter zu werden». Andreas Hofer war Korporal. Die Liste ist nicht abschliessend.

Verschiebung Richtung St. Luzisteig

Nach weniger als einer halben Stunde und einem Flug über den Zuger-, Zürich- und Walensee landete der Super-Puma in Mels. Von dort wurde die Delegation auf die St. Luzisteig in unmittelbarer Nähe zur Grenze zu Liechtenstein gefahren – oder um es in der Militärsprache zu formulieren: verschoben. Ziel des Tages war es, dem «Luzerner» Infanteriebataillon bei zwei Einsätzen über die Schulter zu schauen. «Luzerner» deshalb, weil rund 60 Prozent der 952 AdA (Angehörigen der Armee) des Bataillons aus dem Kanton Luzern stammen.

Nach einer kurzen Begrüssung durch Oberstleutnant im Generalstab Thomas Ineichen – «es herrscht ideales Infanteriewetter» – ging es sogleich in den Häuserkampf. Die WK-Füsiliere zeigten in einem eigens dafür erbauten Dorfabschnitt, wie heutzutage Häuser von einer Guerillagruppe befreit werden. Etwa mit Hilfe von Blendgranaten, welche die Gegner kurzzeitig verwirren sollen. Die Übung beeindruckte die anwesende Politschar und veranlasste den Luzerner Kantonsrat Charly Freitag mit einem Lachen zur Bemerkung, dass «in der Schweiz sogar der Krieg gut organisiert» sei.

Für den Lacher des Tages sorgte beim Mittagessen allerdings der höchste Luzerner Andreas Hofer. Der frühere Korporal war beeindruckt von einem sehr schlicht gehaltenen Auditorium, das so konzipiert ist, dass die Soldaten mit ihrer schmutzigen Ausrüstung den Saal betreten können und dieser nachher mit einem Schlauch rasch sauber gespritzt werden kann. «Wenn Luzern weiterhin so viel sparen muss, sieht unser Kantonsratssaal bald auch so aus. Dann werden die Kantonsräte ebenfalls mit dem Schlauch rausgespritzt.»

Ein Knall, der durch Mark und Bein ging

Nachdem die Delegation ein weiteres Mal verschoben worden war – notabene in zwei Radschützenpanzern und «Helm auf» – ging es wieder ernster zu und her. ­Füsiliere und Sprengstoffspezialisten zeigten bei einem Gefechtsschiessen, wie laut eine ­Explosion von 1,5 Kilogramm Sprengstoff sein kann. Aus sicherer Distanz mit angesehen, ging der Knall trotzdem noch durch Mark und Bein.

Ständerat Damian Müller zog ein sehr positives Fazit des Tages: «Die heutige gezielte Schulung in der Armee ist ein richtiger Mehrwert.» Dies habe der Besuch eindrücklich aufgezeigt. Der ehemalige Obergefreite («dank guter Führung») erklärte, dass es beim Zuschauen schon auch ein wenig kitzele. Doch habe er als Radschützenpanzerfahrer auch geschaut, dass man gerade bei solchem Wetter im Panzer bleiben kann, «um für den Einsatz auch wirklich bereit zu sein», wie er mit einem Augenzwinkern anfügte.

Die Luzerner Stadträtin Franziska Bitzi nannte den Besuch «einen interessanten Blick hinter die Kulissen». Auch der Flug mit dem Super-Puma gefiel: «Eine einmalige Erfahrung.»

Regierungsrat Paul Winiker, der immer wieder mal auf Truppenbesuch geht, war vor allem fasziniert davon, wie sich die Einsätze verändert haben. Früher sei es darum gegangen, ­einen Ort zu «säubern», also hart vorzugehen. Heute werde bei einem Häusergefecht viel differenzierter vorgegangen und mehr abgewogen. Die Militärtaktik habe sich geändert, hin zu fast einer Polizeitaktik.

Militär sei effizient und hochprofessionell

Der ehemalige Telefonsoldat Marcel Schwerzmann schliesslich bemerkte, dass es zu seiner aktiven Dienstzeit «noch etwas anders ausgesehen» habe. Heute sei das Militär hochprofessionell und effizient. Dies wurde von mehreren Delegationsmitgliedern bestätigt, was einen heute aktiven Soldaten vielleicht erstaunen mag. Wer Dienst leistet, weiss, dass die Wiederholungskurse auch heute noch sehr oft von Warten, Jassen und Schlafen geprägt sind. Aber der Truppenbesuch war in der Tat straff und sehr gut organisiert. Der militärische Drill bei den Infanteristen verfehlte bei Luzerns Politprominenz denn auch seine Wirkung nicht.

Luzerner Politiker verfolgen eine Übung des Infanteriebataillons 20. (Bild: Roger Grütter (St. Luzisteig, 27. April 2017))

Luzerner Politiker verfolgen eine Übung des Infanteriebataillons 20. (Bild: Roger Grütter (St. Luzisteig, 27. April 2017))

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