MILITÄR: Verband löst sich nach 95 Jahren auf

Der Luzerner Unteroffiziersverband wird wegen Nachwuchsmangel aufgelöst. Dennoch wagt man einen Neuanfang.

Cyril Aregger
Drucken
Teilen
Historische Bilde des Unteroffizierverbandes: Schweizerischer Unteroffizierstag mit Bundesrat Kaspar Villiger auf der Luzerner Allmend. (Bild: pd)

Historische Bilde des Unteroffizierverbandes: Schweizerischer Unteroffizierstag mit Bundesrat Kaspar Villiger auf der Luzerner Allmend. (Bild: pd)

«Antrag auf Auflösung des Luzerner Kantonalen Unteroffiziersverbandes».Nüchtern steht dieser Satz in der Traktandenliste der 96. ordentlichen Delegiertenversammlung am 22. November in Sempach. «Wir haben mit unseren Mitgliedern eine Zukunftsdiskussion geführt», sagt Bruno Intlekofer, Präsident des 1919 gegründeten Verbandes. «Und wir sind zum Schluss gekommen, den Verband in der heutigen Form aufzulösen und in eine schlankere Organisation zu transferieren.» Grund für die Auflösung des Luzerner Kantonalen Unteroffiziervereins (LKUOV) sind die seit Jahren massiv sinkenden Mitgliederzahlen: Zählte der Verband 2002 noch 976 Mitglieder, waren es 2013 gerade noch 280. «Hauptgrund ist die Überalterung», sagt Stabsadjutant Intlekofer (47), aber auch die Tatsache, dass man zunehmend weniger Mitglieder finde, die sich engagieren wollen. Der Altersdurchschnitt im Verband betrage 50 bis 60 Jahre.

Niedergang mit der Armee XXI

Noch ganze zwölf aktiv eingeteilte Armeeangehörige hat der LKUOV. «Die jungen Dienstpflichtigen haben heute ganz andere Möglichkeiten, sich – auch über militärische Themen – auszutauschen. Zum Beispiel über soziale Medien», hat Intlekofer erkannt. Den Niedergang beschleunigt habe wohl auch die Armee XXI. Mit der Armeereform verschwanden 2004 auch die kantonal organisierten Einheiten. «Zuvor hat man sich gegenseitig gekannt und auch angespornt. Weil die Luzerner Wehrmänner nun überall verteilt sind, und die meisten davon schon vor dem vierzigsten Altersjahr wieder aus der Dienstpflicht entlassen werden, fällt auch dies immer mehr weg.»

Schweizweites Phänomen

Der Aufwand für die Planung und die Durchführung militärischer Trainings, zum Beispiel Führungsausbildungen, Kartenlehre oder Schiesstrainings, für gerade noch zwölf Aktive ist sehr hoch und wird dadurch zunehmend gescheut. «Noch bis vor zehn, fünfzehn Jahren waren wir hier sehr aktiv», erinnert sich Intlekofer. «Es gab auch regelmässige Wettkämpfe innerhalb der kantonalen Verbände.» Auch das sei mittlerweile immer mehr der Einzelfall. Nicht nur wegen der Luzerner, sondern weil auch andere Verbände Nachwuchssorgen plagen. «Der Auflösungsprozess ist schweizweit zu beobachten», sagt Intlekofer. Viele Sektionen würden deshalb aufgelöst.

Zurück zu den Wurzeln

Das Ende, welches an der Delegiertenversammlung aller Voraussicht nach beschlossen wird, ist aber gleichzeitig auch ein Anfang. «Das Sempacherschiessen, der letzte grosse Anlass, den der LKUOV noch durchgeführt hat, wird weiter bestehen», sagt Intlekofer. «Für die Durchführung soll der Sempacherverband sorgen, den wir am 22. November wieder neu gründen wollen.» Der bisherige OK-Präsident des Schiessens, Adjutant Unteroffizier Oskar Scherer, wird als Präsident des neuen Verbandes vorgeschlagen. «Wir gehen damit eigentlich zurück zu unseren Wurzeln und richten uns neu auf die vor uns liegende Zeit, die der Weiterentwicklung der Armee ab 2017, aus», erklärt Intlekofer. «Denn der LKUOV existierte schon bis 1934 unter dem Namen Sempacherverband.» Diesem sollen dann auch die drei noch bestehenden UOV-Sektionen Hochdorf, Luzern und Willisau angeschlossen werden. Der neue Verband soll dann auch den Platz des LKUOV beim Schweizerischen Unteroffiziersverband einnehmen. Intlekofer, seit vier Jahren LKUOV-Präsident, wird dann in die zweite Reihe zurücktreten.

«Ein Ende ist das nicht»

Beschäftigt es ihn, dass er als letzter Präsident in die Geschichte eingehen wird? «Ja, schon ein wenig», sagt Intlekofer. «Aber die Vorzeichen waren schon bei meinem Amtsantritt zu sehen.» Man hätte zwar noch ein paar Jahre in dieser Art weitermachen können. «Aber wäre das sinnvoll gewesen?», fragt Intlekofer rhetorisch. «So machen wir einen sauberen Schnitt und beginnen mit dem Sempacherverband etwas Neues.» Und nach kurzem Überlegen: «Ein Ende ist das eigentlich nicht.»