Millionenforderungen und jahrelange Haft: Luzerner Kriminalgericht verurteilt Deutschen Investor zu fast sieben Jahren

Mit Gewinnversprechen soll er über 9 Millionen Franken erwirtschaftet und sich so ein Luxusleben gegönnt haben. Für das Gericht ein «Berufsbetrüger», für den Verteidiger ein erfolgreicher Geschäftsmann.

Sandra Monika Ziegler
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«Über Geld spricht man nicht», sagte der beschuldigte deutsche Geschäftsmann anlässlich eines Berichtes über seinen Umzug von Deutschland in eine Villa mit Seeanstoss in der Luzerner Agglomeration. Das war vor elf Jahren. An dieses Credo hielt er sich auch bei der Verhandlung von Ende August vor dem Luzerner Kriminalgericht.

So gab der Beschuldigte an, er hätte sich immer an die ausgehandelten Verträge gehalten. Diese seien jeweils ohne Zweckbindung ausgestellt worden, und deshalb hätte er frei über das Geld verfügen können. Er hatte zwischen 2008 bis 2014 mehreren finanzkräftigen Personen Finanzanlagen mit hoher Rendite angeboten. Dazu gründete er ein weitverzweigtes Netz an Firmen. Die ihm zur Last gelegte Deliktsumme beträgt 9,3 Millionen Franken. Damit finanzierte er sich laut Anklage ein Luxusleben mit Villa, Edelkarossen und geleastem Privatjet.

Das Kriminalgericht sieht einen «Berufsbetrüger» ohne Reue vor sich und wirft ihm mehrfachen gewerbsmässigen Betrug, Veruntreuung, Urkundenfälschung und Geldwäscherei vor. Es will den Beschuldigten hinter Gitter.

Verteidiger will Freispruch

Über Stunden wurde am Luzerner Kriminalgericht verhandelt. Die Privatkläger wollen Schadenersatz in Millionenhöhe, der Verteidiger einen vollumfänglichen Freispruch und die Staatsanwaltschaft eine mehrjährige Haftstrafe. Jetzt liegt das Urteil vor: Demnach soll der Deutsche sechs Jahre und elf Monate ins Gefängnis und kassiert eine Geldstrafe von 36000 Franken. Er soll auch den einzelnen Privatklägern Schadenersatz von über 5,5 Millionen Franken plus Zins bezahlen. Zudem soll er die Verfahrenskosten von knapp 67000 Franken bezahlen, wie dem Urteil weiter zu entnehmen ist. Auf Anfrage bestätigt der Verteidiger des Beklagten, gegen das Urteil Berufung angemeldet zu haben.

Der heute 51- jährige Geschäftsmann lebt mit seiner Familie in London. Berufstätig sei er nicht, wie er an der Verhandlung aussagte. Er verwalte lediglich den Privatbesitz, lebe vom Geld seiner Frau. Bereits an der Verhandlung verlangte einer der Anwälte der Privatkläger für den Beschuldigten Sicherheitshaft. Dem Mann wurde jedoch vom Luzerner Kriminalgericht freies Geleit gewährt, dies auch, damit er persönlich vor Gericht erschien.

Zum freien Geleit sagt Christian Renggli, Informationsbeauftragter der Luzerner Gerichte: «Laut Strafprozessordnung muss sich das Gericht, wenn immer möglich, einen persönlichen Eindruck vom Beschuldigten machen und den Beschuldigten aus Gründen der Wahrheitsfindung selber befragen. Beschuldigten, welche für die Verhandlung aus dem Ausland anreisen, kann daher das freie Geleit zugesichert werden. Andernfalls würden sie oftmals gar nicht erscheinen.»

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