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Millionenschwere Investitionen: Luzerner Kinderspital hofft auf Spenden

Das neue Kinderspital soll 2025 stehen. Dieses wird vom Unternehmen quersubventioniert. Auch wenn die Finanzierung aufgegleist ist, rechnet das Luzerner Kantonsspital mit Geld von Stiftungen.
Yasmin Kunz
Blick auf das Kinderspital durch den Durchgang zum Hauptgebäude des Luzerner Kantonsspitals. (Bild: Philipp Schmidli, 19. Februar 2019)

Blick auf das Kinderspital durch den Durchgang zum Hauptgebäude des Luzerner Kantonsspitals. (Bild: Philipp Schmidli, 19. Februar 2019)

Die Kinder und Jugendlichen in der Zentralschweiz erhalten 2025 ein neues Kinderspital auf dem Areal des Luzerner Kantonsspitals (Luks). Zugleich soll just nebenan eine neue Frauenklinik entstehen. Das jetzige Kinderspital hat den Lebenszyklus von 30 Jahren überschritten; die Immobilie ist inzwischen rund 48 Jahre alt. Das Kostendach für den Neubau beläuft sich auf 170 bis 200 Millionen Franken – 100 bis 125 Millionen für das neue Kinderspital, 35 für Geburtshilfe und rund 30 Millionen für die Gynäkologie (Artikel vom 13. Februar).

Die rund 200 Millionen Franken sind im Finanzplan 2019 bis 2028 in der Summe von 900 Millionen Franken enthalten. Wer aber bezahlt diese hohen Beträge? Bis 2011 gehörten die Spitalimmobilien noch dem Kanton Luzern und standen unter dessen Bauherrschaft. Damals finanzierte darum auch der Steuerzahler Bauprojekte mit. Seither ist das Spital jedoch im Eigentum der Immobilien und demnach – wie auch private Spitäler – für bauliche Investitionen und den Unterhalt der Gebäude zuständig (siehe Kasten am Ende des Textes). Das stellt das Spital vor Herausforderungen.

Eigenkapital für Investition ist Pflicht

Bei der Finanzierung des Luks muss der Eigenkapitalanteil immer über 50 Prozent des Gesamtkapitals betragen. Das ist eine klare Vorgabe des Eigners, dem Kanton Luzern. Spitaldirektor Benno Fuchs sagt:

«Diese Bestimmung soll sicherstellen, dass die Fremdverschuldung des Luks auf gutem Niveau beschränkt bleibt.»

Die Einnahmen waren im vergangenen Jahr rückläufig, was vor allem auf die Tarmed-Revision per Anfang 2018 zurückzuführen ist. Weiter spielt auch die kantonale Strategie «ambulant vor stationär» und damit einhergehende stagnierende Patientenzahlen im stationären Bereich eine Rolle. Besonders betroffen vom Tarif-Eingriff – seither werden Leistungen schlechter abgegolten – sind Kinderspitäler, weil sowohl die Tarifstruktur Tarmed als auch Swiss DRG (Fallpauschalensystem) die im Gesundheitswesen zur Anwendung kommen, auf Erwachsene ausgerichtet sind.

Es gelten also unabhängig davon, ob Kinder oder Erwachsene behandelt werden die gleichen Tarife. Damit trage man den Besonderheiten eines Kinderspitals nicht genügend Rechnung, sagt Thomas Neuhaus. Er ist Departementsleiter des Kinderspitals in Luzern und Chefarzt Pädiatrie. Neuhaus erklärt anhand eines Beispiels:

«Es braucht deutlich mehr Zeit, einem Kind Blut zu nehmen, eine Infusion zu stecken oder einen Blasenkatheter zu legen, als einem erwachsenen Patienten. Dennoch habe ich seit der Tarmed-Revision für beide Patienten die gleiche Zeitlimite respektive die gleichen Tarife.»

Betrieb der Kinderspitäler muss querfinanziert werden

Ein kostendeckender Betrieb eines Kinderspitals unter den geltenden Tarifen sei nicht möglich, hält Neuhaus pragmatisch fest. Er weist allerdings darauf hin, dass Kinderspitäler generell und schon früher nicht kostendeckend waren. So muss der Betrieb des Kinderspitals seit jeher durch das Luks intern durch andere Bereiche querfinanziert werden. Zudem werden fast alle Kinderspitäler in der Schweiz und auch ennet der Grenze mit Beiträgen von Stiftungen mitfinanziert. Einige Sanierungen am bestehenden Kinderspital in Luzern wurden etwa von der Stiftung Paul und Gertrud Fischbacher-Labhardt übernommen. Kürzlich finanzierte sie etwa einen Aufwachraum.

Auch wenn die finanziellen Mittel für das Kinderspital gemäss Benno Fuchs eingeplant sind, bemüht man sich zunehmend um Spendengelder von Stiftungen, Mäzenen oder Privatpersonen, um die Belastung durch zu verzinsende Fremdmittel möglichst gering zu halten.

Chefarzt Thomas Neuhaus moniert die Finanzierung der Kinderspitäler im Allgemeinen. Künftig müssen die Leistungen «tariflich fair abgegolten und damit zumindest kostendeckend sein», so Neuhaus.

«Derzeit sitzen alle Schweizer Kinderspitäler in der Tinte.»

Mit dem Ruf nach kostendeckender Finanzierung des Kinderspitals sind die Luzerner nicht alleine. Vier Kantone, welche jeweils Träger ihrer Kinderspitäler sind, haben diesbezüglich Standesinitiativen im Parlament eingereicht (siehe Kasten am Ende des Textes).

Das wäre auch für den Kanton Luzern ein möglicher Schritt, selbst wenn der Kanton das Kinderspital respektive das Luks finanziell nicht unterstützt. Im Gegenteil: In den letzten Jahren führte das Luks dem Kanton Gewinnanteile von insgesamt über 100 Millionen Franken zur Verzinsung des Dotationskapitals beziehungsweise als Dividende ab. Also rund die Hälfte des Kostendachs, welches für das neue Kinderspital mit einer integrierten Frauenklinik berechnet ist.

Das könnte sich allerdings ändern: Die Unternehmensergebnisse des Luks fallen mittelfristig nicht mehr wie in den Vorjahren aus. Greifen die Sparmassnahmen, kommt das Luks 2019 auf ein knappes Plus. Die Luzerner Regierung plant zudem, das Spital in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft zu überführen. Diese Überlegungen dienen der Umstrukturierung des Luks und der sehr wichtigen Vernetzung mit anderen Spitälern. Der Kanton als Alleinaktionär könnte dann als Gewinn maximal 1,5 Prozent des Aktienkapitals anstelle der bisherigen 5 Prozent des Dotationskapitals von 354 Millionen Franken für sich beanspruchen.

Neubau in Zürich ist auf Spenden angewiesen

Die schwierige Kostensituation ist auch dem Universitäts-Kinderspital Zürich bekannt. Dort sind die Bagger für den Neubau der Kinderklinik bereits aufgefahren. Bojan Josifovic, Kommunikationsverantwortlicher im Spital, sagt:

«Gerade für Kinderspitäler ist es sehr herausfordernd, solch grosse Investitionen aus dem Betrieb heraus zu erarbeiten.»

Anders als das Luzerner Kinderspital ist die Zürcher Kinderklinik eine eigenständige Institution, die von einer privatrechtlichen Stiftung getragen wird und deshalb besonders auf Spenden angewiesen ist.

In Zürich rechnet man mit Investitionskosten von 625 Millionen Franken. Die Finanzierung ist über einen Baukredit, ein Darlehen des Kantons Zürich sowie zwei an der Schweizer Börse gehandelte Anleihen von 300 Millionen Franken weitgehend gesichert. Das restliche Geld – rund 125 Millionen Franken – soll mit Hilfe von Sponsorenbeiträgen, Mäzenen und privaten Spendern sowie Eigenkapital abgedeckt werden. Man sei zuversichtlich, die fehlenden Mittel mittels Spenden decken zu können, «weil wir den Rückhalt und Zuspruch aus der Bevölkerung spüren».

Vier Standesinitiativen hängig

Die Kostensituation beschäftigt nicht nur Kinderspitäler, sondern auch die Politik: St. Gallen, Thurgau, Basel-Stadt und Basel-Land haben je eine Standesinitiative zur kostendeckenden Finanzierung der Kinderspitäler eingereicht. Alle Standesinitiativen sind in der zweiten Jahreshälfte 2018 eingetroffen und wurden in den eidgenössischen Räten noch nicht behandelt. Dass sich genau diese Kantone politisch für eine bessere Finanzierung der Kinderkliniken einsetzen, liegt auf der Hand: Sie alle subventionieren die eigenen Kinderkliniken.

Kostendeckungsgrad um 10 Prozent gesunken
Basel-Stadt und Basel-Land, als Trägerkantone des Kinderspitals beider Basel, schreiben in der Standesinitiative, dass sie bereits heute durch die Unterdeckung im ambulanten Bereich jährlich zehn Millionen Franken zahlen. Die Halbkantone rechnen damit, dass durch die Tarifanpassung auf den Januar 2018 weitere 4,5 Millionen Franken fehlen. Der

Kostendeckungsgrad sei mit dem letzten Eingriff des Bundes im ambulanten Bereich um zehn Prozent von 78 auf 68 gesunken. Basel-Land geht sogar so weit, zu verlangen, dass die Tarmed-Zeitlimitierung für die Konsultation aufgehoben und für Kinderspitäler eine eigene Taxpunktbewertung erstellt werden soll. Zudem soll der Bund die Kinderspitäler von der Liste «ambulant vor stationär» ausnehmen. (kuy)

Mehrere Grossbauten bis 2035 geplant

Das Luzerner Kantonsspital (Luks) packt in den nächsten Jahren zahlreiche Grossprojekte an. Insgesamt will das Luks bis im Jahr 2035 1,7 Milliarden Franken investieren. Darin enthalten sind das Kinderspital und die Frauenklinik in Luzern, die Neubauten in Wolhusen und Sursee sowie weitere Investitionen in die Infrastruktur. Für den Neubau Wolhusen gilt ein Kostendach von 110 Millionen Franken. Für den Neubau des Spitals Sursee wurden pauschal 200 Millionen Franken veranschlagt. (kuy)

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