Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

MINDESTLOHN: Chef-Gewerbler unter Beschuss

Der Präsident des Gewerbeverbands zahle seinen Angestellten Hungerlöhne, behaupten Gewerkschafter. Stimmt nicht, kontert Roland Vonarburg.
Lukas Nussbaumer und Susanne Balli
v.l.n.r.: Giuseppe Reo, Unia Zentralschweiz und Roland Vonarburg, Inhaber Champignons Wauwil (Bild: Neue LZ)

v.l.n.r.: Giuseppe Reo, Unia Zentralschweiz und Roland Vonarburg, Inhaber Champignons Wauwil (Bild: Neue LZ)

Es sind happige Vorwürfe, die das Komitee «Luzern für gerechte Löhne» an Roland Vonarburg richtet. Der frühere CVP-Kantonsrat zahle seinen Angestellten Stundenlöhne von klar unter 12 Franken, teilte das für die Mindestlohninitiative kämpfende Komitee gestern mit. Für Giuseppe Reo, Regionalsekretär der Gewerkschaft Unia Zentralschweiz, sind die Löhne in Vonarburgs Firma zu tief. «Die Situation der Mitarbeiterinnen wird ausgenützt», glaubt Reo. Mit der Initiative wird ein Mindestlohn von monatlich 4000 Franken gefordert.

Vonarburg ist Inhaber und Geschäftsführer der Wauwiler Champignons AG. Das Unternehmen beschäftigt rund 140 Personen. Es produziert jährlich etwa 2500 Tonnen Champignons und handelt mit verschiedenen Kultur- und Wildpilzen. Die Firma beliefert Grossverteiler, Gemüsehändler und Gastrobetriebe.

Roland Vonarburg ist aber nicht nur Unternehmer, sondern auch Präsident des kantonalen Gewerbeverbands – und er kämpft im Komitee, das gegen die Mindestlohninitiative kämpft, an vorderster Front. Vonarburg stellte sein Firmengelände Ende März auch für einen Anlass mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann zur Verfügung.

Mehr Lohn dank Betriebsreglement

Die von unserer Zeitung eingesehenen Verträge mit zwei Mitarbeiterinnen der Wauwiler Champignons AG stützen die Aussage der Initiative-Befürworter nur teilweise. Ohne leistungsabhängige Zuschläge liegt der Stundenlohn zwar bei deutlich unter 12 Franken, nämlich bei 10.60 Franken. Es gibt jedoch Zuschläge. Zum Beispiel dann, wenn die Pflückleistung pro Stunde mehr als 9 Kilogramm Champignons beträgt.

Laut Vonarburg erreiche jede der 82 Pflückerinnen mindestens eine Leistung von 15 Kilo pro Stunde. Pro Kilo beträgt der Zuschlag 57 Rappen. Damit kommt jede Pflückerin auf einen Mindestlohn von 14.02 Franken pro Stunde. Das gäbe bei einem Hundert-Prozent-Pensum einen Monatslohn von rund 2700 Franken. Vonarburg bestätigt diese Zahlen, sagt aber: «Das ist der theoretisch mögliche Mindestlohn, der aber nie ausbezahlt wird. Die durchschnittliche Pflückleistung lag 2013 bei rund 21 Kilogramm pro Stunde.»

Weil noch Zuschläge für Sonntags- und Feiertagsarbeit ausbezahlt werden sowie jede Pflückerin im vergangenen Jahr eine Gratifikation von 1500 Franken und eine Gewinnbeteiligung von 700 Franken erhalten habe, beträgt der Monatslohn laut Vonarburg für eine Einsteigerin etwa 3550 Franken. Dazu übernehme die Firma die Kosten für Deutschkurse. Vonarburg: «Die Pflückerinnen erhalten bei uns die Chance, in die Arbeitswelt einzusteigen. Wir sind ein gefragter Arbeitgeber. Auf unserer Warteliste stehen 50 Frauen.»

Vonarburg: «Unia zielt auf mich»

Roland Vonarburg lässt die Vorwürfe der Unia denn auch nicht auf sich sitzen: «Wir bedauern, dass nun in dieser Phase des Abstimmungskampfes mit unvollständigen Fakten argumentiert wird. Die Unia hat uns nie kontaktiert, und wir hatten keine Gelegenheit, unsere Löhne offenzulegen», sagt er. Die Unia ziele auf ihn als Person. Das könne er verkraften. «Ich bedaure aber sehr, dass unter den Angriffen auch die Firma und ihre Mitarbeiter leiden.»

Konkurrenz aus Polen

Mit einem Mindestlohn würde gemäss Vonarburg die Firma weniger konkurrenzfähig. «Wenn die Löhne für Einsteigerinnen in die Arbeitswelt 4000 Franken betragen sollten, müssten auch alle anderen Löhne angepasst werden. Das würde unsere Lohnkosten um mindestens 10 Prozent erhöhen.» Dabei würde das Produkt entscheidend verteuert. Roland Vonarburg: «Gegenüber Importen aus Polen hätten wir das Nachsehen, und Arbeitsplätze wären gefährdet.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.