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Mineralwasser aus Norwegen erregt auf Facebook die Gemüter

Die Klimastreiks sensibilisieren die Bevölkerung derzeit für den Umweltschutz. Kunden prangern immer wieder Produkte an, die ökologisch bedenklich sind oder deren Energiebilanz Fragen aufwerfen. Aktuell trifft es den Detailhändler Coop, der importiertes Edel-Mineralwasser verkauft.
David von Moos

In den sozialen Medien macht derzeit ein Post die Runde, in dem ein Coop-Kunde seinem Ärger Luft macht: Es geht um importiertes, exklusives Mineralwasser, das unter anderem im Coop Pronto Shop in Willisau im Kanton Luzern verkauft wird:

«Lieber Coop…» beginnt der Beitrag von Alexander Würsch. Im Coop Pronto Shop in Willisau hat er im Regal zwischen französischem und italienischem Mineralwasser auch solches aus Norwegen entdeckt. Und was für eines: Der exklusive Durstlöscher der Marke Voss hat einen stolzen Preis: Die kleine Flasche (3,75 Deziliter) kostet im Coop Pronto Shop in Willisau 2.90 Franken, für die grosse Flasche (8 Deziliter) muss man mit 4.95 Franken noch tiefer in die Tasche greifen. Auch auf der Online-Shopping-Plattform von Coop wird das norwegische Mineralwasser angeboten. Dort gibt’s die grosse Flasche im Doppelpack für insgesamt 9.90 Franken.

Alexander Würsch zeigt sich in seinem Facebook-Beitrag kritisch: «Wir haben qualitativ hochwertiges Wasser direkt ab dem Hahn in jedem Haushalt und vor der Haustüre.» Es gebe mehrere Brunnen mit bestem Trinkwasser. «Gleichzeitig wird aber Wasser aus Norwegen verkauft? Brauchen wir dieses Wasser bei uns wirklich? Wasser, welches aus über 2000 Kilometern importiert wurde? Dies angesichts grosser globaler ökologischer Herausforderungen?» Er selber bezeichnet sich als «Coop-Kind» und treuen Kunden. Sein Urteil: «Das brauchen wir definitiv nicht!»

Würsch appelliert an die Vernunft der Händler und Konsumenten: Man solle Sorge tragen «und mit unserer Umwelt rücksichtsvoll(er) umgehen».

Schon über 200 Mal wurde der öffentliche Post auf Facebook geteilt – und erntet bislang viel Zuspruch.

Eine Antwort von Coop sucht man in den Kommentaren vergeblich, obwohl sich der Urheber des Beitrags explizit an den Detailhändler wendet und sich «über eine ehrliche Antwort freuen würde».

Auf Anfrage unserer Zeitung teilt das Unternehmen schriftlich mit: «Der Grossteil unserer Mineralwasser stammt aus der Schweiz; primär aus unseren eigenen Quellen im Wallis.» Als Anbieter eines Vollsortiments wolle man den Kunden die Wahlfreiheit lassen. «Deshalb führen wir neben unseren regionalen Produkten auch beliebte ausländische Markenprodukte.»

Bei ihm persönlich habe sich der Detailhändler noch nicht gemeldet, sagt Alexander Würsch auf Anfrage: «Coop hat keine Reaktion gezeigt.» Das Echo seines Posts habe ihn aber enorm überrascht und überwältigt. «Vor allem geht das Liken, Teilen und Kommentieren noch ständig weiter.» Privatnachrichten habe er auf seinen Post nur wenige erhalten. «Das Meiste wird direkt im Beitrag kommentiert. Ich bekam jedoch eine Menge Freundschaftsanfragen, von Leuten, die ich nicht kenne.» Von wildfremden Leuten auf der Strasse angesprochen werde er aber nicht. «Jedoch von Arbeitskollegen und -kolleginnen, welche mit mir auf Facebook befreundet sind und so den Post mitbekommen haben.» Und auch seinem Fussballclub, dem FC Schötz, werde darüber gesprochen. «Gestern Dienstagabend im Training wussten alle vom Post und es war wirklich Gesprächsthema Nummer 1!»

Als Öko-Prediger rüberkommen will Alex Würsch, der selber meistens Hahnenwasser trinkt und einen Sodastream-Sprudler zuhause hat, nicht: «Ich muss ehrlich sein, selbst mache ich (zu) wenig für den Umweltschutz. Mein Verhalten ist nicht vorbildlich, ich fahre Auto, fliege, esse Fleisch. Ich möchte mich deshalb auch nicht als Vorzeigemenschen präsentieren.» Er versuche «im Rahmen der Möglichkeiten» nicht allzu verschwenderisch zu sein. So benutzt Würsch laut eigenen Angaben regelmässig öffentliche Verkehrsmittel, trennt zuhause den Abfall, kauft und konsumiert saisonale Produkte.

Er sei aber, was den Umweltschutz betrifft, «kein Lämmli». «Importiertes Wasser aus Norwegen hat aber trotz allem eine sehr absurde Dimension erreicht.»

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