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Interview

Journalist Matthias Stadler: «Mir liegt viel am Erhalt unserer Sprache»

Matthias Stadler (31) ist Leiter Printproduktion Regionalausgaben der Luzerner Zeitung. Der Schwyzer hat 2017 den Urner Medienpreis gewonnen – obwohl er für seinen Artikel beschimpft wurde. Journalist wurde er auf Anraten seiner Schwester.
Interview: Roger Rüegger
Matthias Stadler vor dem Gebäude der Luzerner Zeitung an der Maihofstrasse 76 in Luzern. (Bild: Pius Amrein (6. Dezember 2018))

Matthias Stadler vor dem Gebäude der Luzerner Zeitung an der Maihofstrasse 76 in Luzern. (Bild: Pius Amrein (6. Dezember 2018))

Matthias Stadler, in Deinen Artikeln verwendest Du partout keine Anglizismen oder Teutonismen. Es gibt weder Zebrastreifen, noch Urlaub und auch keine Hubschrauber. Warum hältst Du Dich so strikte daran?

Weil mir die Sprache sehr wichtig ist und ich finde, dass diese gepflegt werden muss. Im Gegensatz zu vielen anderen, denen es offenbar egal ist.

Darüber lässt Du nicht mit Dir diskutieren?

Nein, es liegt mir wirklich zu viel daran. In der Schweiz haben wir Eigenheiten, die wir gebrauchen dürfen und auch sollen. Wir Journalisten tragen diesbezüglich eine Verantwortung. Wer, wenn nicht wir, soll die korrekte Ausdrucksweise aufrecht erhalten?

Du bist hartnäckig. Nicht nur im Beruf. Auch im Sport, wie einige Redaktionskollegen behaupten, die mit Dir Fussball und am Redaktions-Töggelikasten spielen. Stimmt’s?

Ja, richtig. Auf den Sport bezogen kann ich nicht verlieren. Konnte ich noch nie. Als Kind habe ich einmal ein Unihockey-Tor demoliert und einmal verletzte ich meinen Fuss, weil ich aus Frust in ein Fussballtor trat.

Packt Dich der Ehrgeiz dermassen?

Wenn ich etwas mache, dann richtig. Halbbatziges liegt mir nicht. Aber mein Ehrgeiz ist nicht krankhaft.

Zumindest zahlt er sich aus. Du hast 2017 mit einer Reportage den dritten Platz beim Urner Medienpreis gewonnen. Womit hast Du die Jury beeindruckt?

Mit einer Geschichte über das Dorf Bristen, das von der Aussenwelt abgeschnitten war. Ich arbeitete für ein Jahr in der Redaktion der Urner Zeitung. Ich begab mich mit einem Helikopter nach Bristen und schrieb über die Stimmung im Dorf. Einige nahmen es locker, dass sie abgeschnitten waren, andere hatten ein Problem damit.

Du hattest im Nachhinein auch ein Problem damit!

Nicht ich, aber ein Kommunikationsverantwortlicher des Kantons Uri. Er unterstellte mir in einem Telefongespräch, ich hätte mich mit bösen Absichten nach Bristen begeben und negativ über das Dorf und seine Bewohner berichtet. Wobei das Schwachsinn ist. Ich stehe auch heute noch zu 100 Prozent hinter jedem Wort, und das tut auch der Redaktionsleiter der Urner Redaktion.

So einseitig war die Reportage offenbar nicht, wenn Du damit einen Preis holtest?

Genau. Das war für mich eine grosse Genugtuung.

Denkst Du, dass diese Auszeichnung mit Deinem Schreibstil und der Berufseinstellung zu tun hat? Stichwort Erhalt der Sprache.

Es zeigt zumindest, dass ich nicht einseitig berichtet habe und es gibt mir recht, dass ich auch unangenehme Situationen mit einbezogen habe. Der Schreibstil ist offenbar auch nicht schlecht, sonst wäre die Repo kaum ausgezeichnet worden.

Journalist war nicht Deine erste Berufswahl. Du bist gelernter Kaufmann. Wie kamst Du zum Schreiben?

Ich habe in der Schule schon immer gerne geschrieben. Nach der Ausbildung machte ich ein Jahr eine Weltreise. Ich unterhielt einen Blog für Familie und Freunde. Meiner Schwester, die als Journalistin arbeitete, gefiel meine Schreibweise. Sie fragte: Wieso wirst Du nicht Journalist?

Weil Du in Brunnen aufgewachsen, bist rate ich: Die Sporen hast Du beim «Bote der Urschweiz» abverdient?

Genau. Wofür ich heute noch dankbar bin. Nach dem KV und der Weltreise studierte ich Journalismus. In dieser Zeit absolvierte ich auch ein Praktikum beim SRF in der Tagesschau. Im Sommer 2014 kam ich zur LZ.

Du hast auch in den Aussenredaktionen Erfahrungen gesammelt. Wie unterscheidet sich der Alltag in Uri oder in Nidwalden von jenem in Luzern?

Indem die Redaktionen mit viel weniger Journalisten auskommen müssen. Das bedeutet, dass man sich die Geschichten weniger aussuchen kann. Wer anwesend ist, muss zum Telefonhörer und in die Tasten greifen. In Uri war ich zudem häufiger auf Reportage.

Reisen ist neben dem Sport eine weitere grosse Leidenschaft. Reisen bildet, heisst es. Was hast Du aus der weiten Welt mitgenommen?

Die Erkenntnis, dass ich einen riesigen CO2-Fussabdruck habe, den ich aber versuche abzubauen. Heisst, dass ich in der Stadt mit dem Velo und in Europa mit dem Zug unterwegs bin. Aber Du meinst, was ich gelernt habe. Nun, ich weiss, dass es viele hilfsbereite Menschen gibt. Und ich bin durch die Reisen offener gegenüber Neuem geworden. Was nicht bedeutet, dass ich blind alles mache und jedem vertraue. «Mitgenommen» habe ich auch meine Freundin, die aus Neuseeland stammt. Wir haben uns in La Paz in Bolivien in einer Bar kennen gelernt.

Andere coole Erlebnisse?

Ich hatte in Australien zwei Ziele. Am Neujahrstag in Sydney zu sein und ein Tennis-Grand-Slam-Finale zu sehen. Beides habe ich geschafft. In Melbourne erlebte ich, wie Roger Federer Andy Murray besiegte. Dieses Erlebnis vergesse ich nie.

Hat man Dich als Federer-Fan erkannt?

Ich trug rote Unterhosen mit einem Schweizerkreuz. Über den Jeans. ja, ich denke man hat gesehen, wen ich anfeuerte.

Seit diesem Jahr bist Du Leiter Printproduktion Regionalausgaben. Was machst Du?

Wir produzieren in Luzern die Ausgaben der Regionalredaktionen, gestalten Seiten und redigieren Texte.

www.

Weitere Porträts finden Sie unter: luzernerzeitung.ch/bonus

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