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Missstände in Luzerner Pflegeheimen rufen Pflegefachleute und Politiker auf den Plan

Das Personal am Limit, fehlerhafte Behandlungen: Nun verlangt der Berufsverband der Pflegefachleute politische Massnahmen. Ein Vorstoss im Kantonsrat ist bereits angekündigt. Derweil macht der Präsident der Pflegeheime des Kantons Luzern einen eigenen Vorschlag, um die Qualität zu verbessern.
Lukas Nussbaumer
Durch eine Verwechslung wurde dem falschen Patienten des Betagtenzentrums Staffelnhof Insulin gespritzt. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 8. Juni 2018)

Durch eine Verwechslung wurde dem falschen Patienten des Betagtenzentrums Staffelnhof Insulin gespritzt. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 8. Juni 2018)

Das Personal häuft Überstunden an, und es bleibt wegen grundsätzlich zu wenig Fachkräften nicht genügend Zeit für die Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner: Das gilt für das Alters- und Pflegeheim Eichhof in Luzern. Auch im Zentrum Staffelnhof, das wie das «Eichhof» zur Viva Luzern AG gehört, gibt es Verbesserungspotenzial. So wurde einem Bewohner kürzlich versehentlich Insulin gespritzt.

Die beiden Beispiele könnten den Eindruck erwecken, in der Stadt Luzern seien die Zustände in den Alters- und Pflegezentren besonders schlimm. Dem sei aber nicht so, sagt Claudia Husmann, Geschäftsführerin der Sektion Zentralschweiz des Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner, auf Anfrage. «Leider wissen wir, dass im Kanton Luzern mehrere private Heime gefährliche Pflege in Kauf nehmen.»

Heime sollen bei Mängeln Bewilligung verlieren

Husmann spricht von Luzerner Heimen «auf der Landschaft». Eine diplomierte Pflegefachfrau, die Erfahrungen in mehreren Heimen und in verschiedenen Kantonsteilen gesammelt hat, bestätigt diese Einschätzung. Und sie belegt Vorfälle, die den vorgefallenen in der Stadt gleichen. Deshalb fordert Politikwissenschaftlerin Husmann nun eine Reaktion der Politik: «Es sollen Qualitätsnachweise von allen Heimen verlangt werden. Sollten bei festgestellten Mängeln über längere Zeit keine Korrekturmassnahmen erfolgen, müssen Betriebsbewilligungen entzogen werden können.»

Einen ähnlichen Vorschlag macht der Stadtluzerner SP-Parlamentarier Martin Wyss in einem letzte Woche eingereichten Postulat. Auch der Grüne Kantonsrat Hannes Koch, selber Pflegefachmann, wird demnächst einen Vorstoss zu den Qualitätskontrollen und deren Beurteilung bei der Langzeitpflege einreichen, wie er bestätigt. Es gehe ihm nicht um die Vorfälle im «Eichhof» und im «Staffelnhof», sondern um die Situation im ganzen Kanton.

Anteil der diplomierten Fachpersonen nimmt ab

Für Husmann wird sich die Situation verschärfen, sollte nichts unternommen werden. Und die Lage sei jetzt schon bedeutend schlechter als noch vor wenigen Jahren. Seien in Heimen früher 40 Prozent der Stellen in der Pflege von diplomierten Fachkräften besetzt worden, liege dieser Wert heute oftmals bei nur noch 20 Prozent. Im Gegensatz etwa zu Zug sind Stellenschlüssel in Luzern nicht vom Kanton vorgeschrieben, sondern liegen in der Kompetenz der Gemeinden.

Für Roger Wicki, Co-Geschäftsleiter des Hauses Seeblick in Sursee und Präsident des Pflegeheimverbands Curaviva Luzern, benutzt Husmann die geschilderten Vorfälle in der Stadt Luzern, um die Forderungen des Pflegepersonals medienwirksam zu platzieren. Das sei zwar legitim, aber nicht im Sinne der Sache. Ein generelles Problem sei die Qualität in der Pflege im Kanton Luzern nämlich nicht, obwohl der ausgetrocknete Arbeitsmarkt das Spannungsfeld zwischen guter Pflege und Betreuung und dem finanziellen Druck der Heime erhöhe.

Pflegeheime einheitlich bewerten – und offenlegen

Dennoch ortet auch Wicki Verbesserungspotenzial – und macht einen «Vorschlag, um den Forderungen Husmanns etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen»: Ein einheitliches Befragungssystem über den ganzen Kanton, das Mitarbeiter, Bewohner und Angehörige einbezieht. Dieses solle von der Dienststelle Soziales und Gesellschaft überprüft und offen gelegt werden.

Heute gibt es unterschiedliche Befragungssysteme und sogar Heime, die auf eine systematische Befragung verzichten. Das war bis zur Abschaffung der Regierungsstatthalter, welche vom Stimmvolk im November 2013 gutgeheissen wurde, anders: Die Statthalter kontrollierten die öffentlichen Heime mit einem standardisierten Fragebogen.

Alten Zeiten nachtrauern will Wicki jedoch nicht. Die heutigen Kontrollen durch die Dienststelle Soziales und Gesellschaft seien «in der Qualität etwas besser als das vergangene System». So brauchen inzwischen nicht nur private, sondern auch öffentliche Heime eine Bewilligung des Kantons. Auch wird mindestens alle vier Jahre vor Ort kontrolliert. Dies ist im 2017 in Kraft getretenen Betreuungs- und Pflegegesetz geregelt.

Kanton will «keine unnötige Bürokratie»

Erwin Roos, Sekretär des Gesundheits- und Sozialdepartements, bezeichnet die geltende Praxis denn auch als «weitergehend als früher». Zu der von Claudia Husmann aufgestellten Forderung nach einem obligatorischen Qualitätsnachweis mit der Möglichkeit, Betriebsbewilligungen entziehen zu können, sagt Roos: «Wir wollen eine effektive und effiziente Aufsicht und keine unnötige Bürokratie.»

Erhalte die Dienststelle Soziales und Gesundheit Meldungen über unsachgemässe Pflege oder würden die Medien von solchen berichten, gehe die Aufsichtsbehörde diesen selbstverständlich nach oder verweise bei kleineren Fällen auf das Beschwerdemanagement der Heime.

Ausserdem sei auf 2019 hin aufgrund einer Bundesvorgabe die Einführung von Qualitätskennzahlen in der Langzeitpflege vorgesehen. Auf den gleichen Zeitpunkt hin will die Dienststelle Soziales und Gesellschaft Kennzahlen bei Tages- und Nachtstrukturen sowie bei Institutionen für Menschen mit Behinderungen, Sucht- und psycho-sozialen Problemen erheben. Dies zeigt ein letzte Woche an alle betroffenen Institutionen verschicktes Schreiben, das luzernerzeitung.ch vorliegt.

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