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«Mister Innenstadt» wird höchster Stadtluzerner

Albert Schwarzenbach (66) wird am Donnerstag zum neuen Präsidenten des Luzerner Stadtparlaments gewählt. In seinen 12 Jahren als CVP-Politiker hat er sich vor allem als Kämpfer für die Interessen der Innenstadt hervor getan. In seinem Präsidialjahr will er nun die Diskussionen über die «Starke Stadtregion» wieder beleben.
Robert Knobel
Albert Schwarzenbach im Löwengraben. Für die Aufwertung dieser Strasse am Rande der Luzerner Altstadt hat er sich während Jahren eingesetzt. (Bild: Corinne Glanzmann, 23. August 2019)

Albert Schwarzenbach im Löwengraben. Für die Aufwertung dieser Strasse am Rande der Luzerner Altstadt hat er sich während Jahren eingesetzt. (Bild: Corinne Glanzmann, 23. August 2019)

Wenn ein Lokalpolitiker als «stadtbekannt» bezeichnet werden kann, handelt es sich meist um einen Stadtrat, einen Fraktions- oder Parteipräsidenten. Albert Schwarzenbach (66) war bisher nichts von alldem. Wenn er am 5. September für ein Jahr zum Präsidenten des Grossen Stadtrats gewählt wird, dann wird es sein erstes offizielles Amt mit repräsentativem Charakter sein.

Trotzdem gibt es nur wenige Politiker, die in der Stadt Luzern seit Jahren derart präsent sind. Der umtriebige Inhaber einer Kommunikationsagentur hat sich vor allem mit seinem Engagement für die Luzerner Innenstadt einen Namen gemacht: Etwa als Initiant des Internationalen Weihnachtsforums Venite, als hartnäckiger Fürsprecher für die Sanierung von Grendel und Löwengraben und als Promotor der «Weihnachtsstadt Luzern». Auch die Idee für einen City Manager geht auf ihn zurück. Genauso wie der Kampf um den Erhalt der Poststelle in der Altstadt. «Mir ist es wichtig, mich für meinen persönlichen Lebensraum einzusetzen», erklärt Albert Schwarzenbach, der selber in der Altstadt wohnt.

Er will die CVP in den Schweizer Städten stärken

Er habe sich vor seinem Einstieg in die Politik 2007 lange überlegt, welche Partei zu ihm passen würde. «Heute fühle ich mich wohl in der CVP», sagt er. Politisch ist er dem linksliberalen Flügel der CVP zuzuordnen – dem Flügel, der heute die städtische CVP dominiert. Das sei naheliegend: «Wir müssen uns für die Leute interessieren, die in der Stadt wohnen.» Klar, dass da der Fokus manchmal anders liegt als in der nationalen Partei. Schwarzenbach möchte sich deshalb mit den CVP-Sektionen in anderen Städten vernetzen. Ziel ist eine Vereinigung, ähnlich wie dies die Freisinnigen bereits mit «FDP urban» versuchen. Schwarzenbach sagt:

«In vielen Städten spielt die CVP praktisch keine Rolle mehr. Das muss sich ändern.»

Geeignete Themen gebe es genügend – vom Branchenmix bis zur Förderung von Startups. Die CVP müsse in der Stadt ihre verbindende Rolle betonen. «Wir sind im Neubad genauso zu Hause wie im Ochsen in Littau.»

Dass die CVP ihre Rolle neu definieren muss, liegt auf der Hand: Seit 2016 gibt es im Luzerner Stadtparlament keine bürgerliche Mehrheit mehr. Trotzdem attestiert Schwarzenbach dem Grossen Stadtrat, dass das Klima heute besser ist als 2007, als er in den Rat eintrat. «Ich anerkenne, dass alle mit ihren Überzeugungen für das Wohl der Stadt Luzern eintreten.» Dennoch wird sein Präsidialjahr ein anspruchsvolles – zumal es auch ein Wahljahr ist. Im Hinblick auf die städtischen Wahlen 2020 werde wohl auch im Stadtparlament verstärkt Wahlkampf betrieben, erwartet Schwarzenbach. «Meine Aufgabe als Präsident ist es, ausgleichend zu wirken.»

Die Einwohnerratspräsidenten von Emmen, Kriens und Horw dürfen im Stadtparlament reden

Dieses Ziel verfolgt er auch auf regionalpolitischer Ebene. Nach dem Fusionsdebakel sei die Diskussion um die starke Stadtregion «eingeschlafen», bedauert Schwarzenbach. Die Bilanz sei ernüchternd: Jede Gemeinde verfolge nur ihre eigenen Interessen, und bei Spange Nord und AFR 18 besteht ein offener Konflikt zwischen Stadt und Agglo. «Wollen wir wirklich so die Probleme lösen?», fragt Schwarzenbach. Sein Präsidialjahr stellt er deshalb unter das Motto «Blick über den Tellerrand». Dazu hat er die Einwohnerratspräsidenten von Emmen, Kriens und Horw eingeladen, vor dem Stadtparlament zu sprechen. «Das gab es noch nie», sagt Schwarzenbach, der bereits eine Gegen-Einladung aus Kriens erhalten hat.

«Die Verwaltung ist ängstlich geworden. Es bräuchte wieder mehr gesunden Menschenverstand»

Weniger Schranken und Gärtchendenken wünscht sich Schwarzenbach auch bei der Luzerner Stadtverwaltung. Als Organisator von «Venite» erlebt er die wachsende Bürokratie, welche die Durchführung von Grossanlässen immer anspruchsvoller macht – eine Kritik, die auch vonseiten des Blue Balls Festivals geäussert wurde. Früher erklärte Schwarzenbach einem Mitarbeiter der Stadt jeweils das Grobkonzept für den Weihnachtsmarkt und erhielt dann den Bewilligungsstempel. Heute hingegen muss alles umfassend dokumentiert werden. «Die Verwaltung ist ängstlich geworden. Es bräuchte wieder mehr gesunden Menschenverstand», sagt Schwarzenbach. Gegensteuer geben könnte hier wohl nur der Stadtrat. Aber dort wollte Schwarzenbach nie hin. «Nein, dieses Amt hat mich nie gereizt. Das Parlament und die Innenstadt sind meine kleine Welt. Hier kann ich viel bewirken.»

Zur Person

Albert Schwarzenbach (*1953) stammt aus Bern und war dort anfänglich als Journalist tätig. Später wechselte er zur Coopzeitung und zur LNN in Luzern. Nach der Wende ging er nach Osteuropa, um dort im Auftrag von Ringier Zeitungen zu entwickeln – zuletzt auch als Geschäftsführer von Ringier Rumänien. Anfang der Nullerjahre kehrte er nach Luzern zurück und trat in die Geschäftsleitung der Messe Luzern ein. Dort war er unter anderem für die Organisation der Luga und der Zebi mitverantwortlich. Vor mehreren Jahren hat sich Schwarzenbach mit seiner Agentur Polykomm selbständig gemacht.

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