Mit 131 km/h nach Büron gebrettert: Kriminalgericht verurteilt 32-Jährigen zu bedingter Freiheitsstrafe

14 Monate Gefängnis bedingt. So lautet das Urteil des Luzerner Kriminalgerichts im Fall eines Rasers, der mit 131 km/h statt den erlaubten 60 unterwegs war. Die Freiheitsstrafe kassiert er aber nicht nur wegen der Raserfahrt.

Kilian Küttel
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Es waren wohl nur wenige Sekunden, die ihn jetzt teuer zu stehen kommen. Am Montagnachmittag musste sich ein 32-jähriger Portugiese vor dem Luzerner Kriminalgericht verantworten. Wegen mehrerer Vergehen.

Beschuldigter gab Tat zu

Das schwerwiegendste stammt vom 14. April 2018: Am frühen Abend heizt der Mann auf seinem Töff über die Landstrasse zwischen Triengen und Büron. Mit 131 Stundenkilometern wird er geblitzt, erlaubt wären in diesem Abschnitt nur 60. Wenig später nimmt ihn die Polizei fest, für einen Tag kommt der Portugiese in Haft.

Laut der damaligen Medienmitteilung gibt er seine Raserfahrt unumwunden zu. Auch in der Folge steht er zu seiner Verfehlung, weshalb die Verhandlung vom Montag im abgekürzten Verfahren durchgeführt wurde.

In Jeans und weissem Pullover erschien der Mann vor der Einzelrichterin. Diese wollte vom Portugiesen wissen, ob ihm sein überrissenes Tempo nicht bewusst gewesen sei. Er entgegnete:

«Dass ich zu schnell gefahren bin, habe ich schon gemerkt. Aber ich habe nicht gedacht, dass ich so schnell bin.»

Zum Motiv heisst es in der Anklage, er habe den Töff, den er erst kurz zuvor gekauft hatte, austesten wollen.

Am Ende der Verhandlung entschuldigte sich der 32-Jährige für seine Verfehlung. Auch die Luzerner Staatsanwaltschaft hält in der Anklage fest, dass sich der Mann reuig gezeigt habe, was sich strafmildernd auswirke. Unter dem Strich verurteilt ihn das Kriminalgericht zu 14 Monaten Gefängnis und 2000 Franken Geldstrafe, beides bedingt bei zwei Jahren Probezeit.

Hinzu kommen 400 Franken Busse, die allerdings bereits getilgt sind: Die Staatsanwaltschaft hatte das Motorrad beschlagnahmt und verwertet, 1200 Franken brachte der Verkauf ein.

Verbotene Waffe in China bestellt

Die 400 Franken Busse brummte ihm die Justiz allerdings nicht wegen der Raserfahrt auf. Im Februar 2018 drehte er während des Autofahrens ein Video mit seinem Handy. Auf dem Beifahrersitz war sein Hund, den er nicht wie vorgeschrieben gesichert hatte. Einen ähnlichen Vorfall hat es schon im Januar 2017 gegeben, wie es in der Anklageschrift heisst.

Nebst Verletzung der Verkehrsregeln stand der Portugiese auch wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz vor Gericht. Im Internet hatte er sich einen Elektroschocker aus China bestellt. Diesen liess er sich nach Hause liefern, wo er ihn aufstellte. Zur Dekoration, wie der 32-Jährige sagte.

Arbeitsunfall nach der Raserfahrt

Für die Staatsanwaltschaft und das Gericht ist klar: Damit hat er eine verbotene Waffe besessen und in die Schweiz eingeführt. Das war zwischen Januar und Februar 2018, also wenige Monate vor der Raserfahrt und wenige Monate vor einem weiteren Zwischenfall, den das Jahr 2018 für ihn allgemein in ein schlechtes Licht rücken dürfte: Wie der Beschuldigte vor Gericht aussagte, habe er sich einen Arbeitsunfall zugezogen, weshalb er im Moment nicht arbeiten könne.

Der Führerausweisentzug würde ihn jetzt schon stören, wenn er wieder arbeite noch um einiges mehr. Deshalb sagte er:

«Wenn ich meinen Führerausweis wieder habe, werde ich nie wieder zu schnell fahren.»

Zuger Gericht kennt keine Gnade mit den «Schlangenstübli-Räubern»

Sie wollten es als ausser Kontrolle geratenen Drogenkauf darstellen, doch das glaubt ihnen auch das Obergericht nicht. Die beiden mehrfach vorbestraften Männer, die im Juli 2015 das Schlangenstübli in Hagendorn überfallen haben, müssen mehrere Jahre ins Gefängnis.
Christopher Gilb