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Frische Äpfel rollen an: In Luzern hat die Ernte begonnen

Die Apfelvorräte von der Rekordernte des letzten Herbsts hielten erstaunlich lange. Dank Aktionsangeboten und Exporten konnten die Lagerräume in der Obsthalle Sursee geleert werden – gerade rechtzeitig für die neue Ernte.
Julian Spörri
Die Äpfel werden in der Obsthalle Sursee von Mitarbeitern per Hand abgepackt. (Bild: Dominik Wunderli, 12. September 2019)

Die Äpfel werden in der Obsthalle Sursee von Mitarbeitern per Hand abgepackt. (Bild: Dominik Wunderli, 12. September 2019)

Ein niedriger Sauerstoffgehalt von zwei Prozent, frostige Temperaturen im Bereich knapp über null und eine Luftfeuchtigkeit von 92 Prozent: Für den Menschen sind dies lebensfeindliche Bedingungen – für die Lagerung von Äpfeln aber ideal. In der Obsthalle Sursee, die zur Schweizer Agrargenossenschaft Fenaco gehört, können in rund 40 Lagerräumen über 5000 Tonnen Äpfel gelagert werden – und dies je nach Sorte bis zu einem Jahr lang.

Die klimatischen Bedingungen in den abgeriegelten Räumen stoppen den Reifeprozess der Früchte. Marie-Therese Lütolf, Leiterin der Obsthalle Sursee, dem grössten Obsthändler im Kanton Luzern, sagt:

«Wir versetzen die Äpfel in einen Tiefschlaf, damit sie auch einen Sommer später punkto Geschmack und Äusserem noch überzeugen.»

Das Gros der Konsumenten bemerke nicht, dass ein Apfel gelagert worden sei.

Unspektakulär, aber effektiv: In den Lagerräumen können Äpfel je nach Sorte bis zu einem Jahr aufbewahrt werden. (Bild: Dominik Wunderli, 12. September 2019)

Unspektakulär, aber effektiv: In den Lagerräumen können Äpfel je nach Sorte bis zu einem Jahr aufbewahrt werden. (Bild: Dominik Wunderli, 12. September 2019)

In diesem Jahr hat der Lagervorrat der Obsthalle aussergewöhnlich lange gereicht: Die Sorten Gala, Braeburn und Jonagold waren bis im August verfügbar, bei Golden Delicious gibt es noch Restposten. Grund dafür sei die Rekordernte des vergangenen Jahres. Diese fiel schweizweit so üppig aus wie schon lange nicht mehr.

In diesem Jahr keine Äpfel importiert

Dies wirkte sich auch auf die Importzahlen aus. Die Obsthalle Sursee musste heuer keine Äpfel importieren. «Eine solche Selbstversorgung habe ich noch nie erlebt», sagt Lütolf. «Es war aber wichtig, dass die Grossverteiler mitgezogen haben, denn sie hätten im Ausland billigere Äpfel beziehen können.» Gemäss Beatrice Rüttimann, Mediensprecherin des Schweizer Obstverbandes, sind die Apfelimporte angesichts der Lagerbestände schweizweit niedriger ausgefallen als in den fünf vergangenen Jahren. Der Import von Äpfeln ist mit einem Zweiphasen-System geregelt: Von Herbst bis Frühling wird auf Apfel-Importe ein Strafzoll von rund 1.40 Franken pro Kilogramm erhoben. Im Sommer legen Händler und Produzenten dagegen eine Phase fest, in der keine Schutzzölle gelten.

Doch wie steht es um die Klimabilanz der Lageräpfel? Eine Studie der ETH Zürich von 2016 kommt zum Schluss, dass gelagerte Früchte aus lokaler Produktion gegenüber Importen aus Übersee grundsätzlich vorzuziehen sind. Stefanie Hellweg vom Institut für Umweltingenieurwissenschaften sagt:

«Wegen des Energieverbrauchs der Kühlräume nimmt der ökologische Vorteil der Lagerware im Jahresverlauf ab.»

Einige Studien kommen sogar zum Schluss gekommen, dass die Importfrüchte in einem begrenzten Zeitfenster besser abschneiden. Die Resultate hängen von vielen Annahmen ab, etwa ob die importierten Früchte aus Südafrika oder Neuseeland stammen. Hellweg betont, dass Äpfel zu jeder Jahreszeit empfehlenswert seien, weil sie im Vergleich zu anderen Früchten eine sehr gute Klimabilanz aufweisen würden.

Gala und Elstar werden derzeit geerntet

Dank grosser Anstrengungen aller Beteiligten ist es der Obsthalle trotz Rekordernte gelungen, alle Äpfel an den Konsumenten zu bringen. «Geholfen haben uns Aktionsangebote und sogar Exporte», sagt Lütolf. Die diesjährige Ernte hat nämlich bereits begonnen. Gemäss Markus Thali, Präsident des Luzerner Obstbauvereins, wurden diese Woche im Kanton Luzern erstmals grosse Mengen geerntet. Derzeit seien Gala und Elstar an der Reihe, schrittweise würden dann weitere Sorten dazukommen, etwa Golden Delicious.

In grünen Kunstoff-Kisten verpackt werden die Äpfel in die Obsthalle Sursee transportiert. (Bild: Dominik Wunderli, 12. September 2019)

In grünen Kunstoff-Kisten verpackt werden die Äpfel in die Obsthalle Sursee transportiert. (Bild: Dominik Wunderli, 12. September 2019)

Dies merkt man auch dem regen Treiben in der Obsthalle Sursee an: Im Minutentakt fahren Lastwagen – selten auch Traktore – vor und laden die frische Ernte der Bauern aus der ganzen Zentralschweiz und aus gewissen Regionen im Aargau und der Ostschweiz ab. Pro Tag werden rund 50 Tonnen Äpfel verarbeitet. In einem ersten Schritt werden diese nach Grösse, Farbe, äusseren Fehlern und innerer Qualität sortiert. Dazu vermisst ein Gerät jeden Apfel und befördert ihn in einen von sechzehn Wasserkanälen, in denen sich Äpfel gleicher Kategorie stauen. Marie-Therese Lütolf erklärt:

«Das Wasser dient nicht dem Waschen der Früchte, sondern ist schlichtweg das schonendste Transportmittel.»

Wenn der Wasserkanal voll ist, öffnet sich die Schleuse und die Früchte landen in Kunststoff-Kisten. Von dort geht es entweder in den Tiefschlaf – oder zur Auslieferung. Auf drei Packlinien werden die Äpfel von Mitarbeitern per Hand verpackt.

Blick auf einen Wasserkanal, in dem Äpfel der gleichen Kategorie schwimmen. (Bild: Dominik Wunderli, 12. September 2019)

Blick auf einen Wasserkanal, in dem Äpfel der gleichen Kategorie schwimmen. (Bild: Dominik Wunderli, 12. September 2019)

Obstbauverein erwartet eine «ideale Erntemenge»

Markus Thali erwartet diesen Herbst eine ideale Erntemenge. Der Präsident des Luzerner Obstbauvereins sagt:

«Uns Produzenten nützen riesige Mengen nichts. Wir haben Freude, wenn wir die auf dem Markt gefragte Menge verkaufen können, weil dann auch die Preise stimmen.»

Für ein Kilo Äpfel erhalte ein Produzent zwischen 1 Franken und 1.20 Franken. Im letzten Jahr hätten sich die Preise aufgrund der hohen Erntemengen an der unteren Grenze bewegt.

Der Schweizer Obstverband erstellt jährlich eine Ernteprognose. Heuer erwartet er schweizweit 136500 Tonnen Tafeläpfel, was einer durchschnittlichen Menge entspreche.

Noch im Frühling dieses Jahres gab es Anlass zur Sorge: Weil es im Mai Temperaturen im Minusbereich gab, wurden gemäss Thali Schäden an den Obstkulturen verzeichnet. Diese hielten sich aber in Grenzen. «Danach ist uns der trockene Sommer entgegengekommen und wir hatten Glück, dass im August rechtzeitig die Niederschläge eingesetzt haben.» Besonders froh ist Thali über die kalten Nächte: «Diese geben den Äpfeln rotfarbige Backen.»

Äpfel lagern: Das müssen Sie wissen

Je nach Apfelsorte liegt die Aufbewahrungsdauer zwischen einem Monat und einem Jahr. Am längsten können Äpfel der Sorten Gala, Jonagold, Braeburn, Golden Delicious und Boskoop gelagert werden. Das ist dabei zu beachten:

  • Die Äpfel sollten bei der Ernte noch nicht die volle Reife erreicht haben.
  • Fäulnis oder Pilzkrankheiten breiten sich im Lager sehr schnell aus. Gelagerte Äpfel Regelmässig kontrollieren.
  • Die optimale Lagertemperatur liegt bei vier Grad.
  • Hohe Luftfeuchtigkeit, um Wasserverluste und somit das Schrumpfen zu vermeiden. Am besten eignet sich darum ein Naturkeller, ansonsten auch frostsichere Garagen sowie kühle und dunkle Stellen im Keller oder Dachboden.
  • Styroporboxen verlängern die Aufbewahrungszeit, weil sie vor Licht und Temperaturschwankungen schützen.
  • Plastiksäcke sollten perforiert oder nicht ganz verschlossen sein. Ansonsten beginnen die Früche zu gären.

Die beliebtesten Äpfel im Kanton Luzern

Im Jahr 2018 wurden im Kanton Luzern auf einer Fläche von knapp 130 Hektaren Tafeläpfel produziert. Am beliebtesten mit fast einem Viertel der Anbaufläche ist die Sorte Gala, die sich durch einen hohen Zuckergehalt auszeichnet. Es sei der Standardapfel für jene, die gerne süsse Äpfel mögen, sagt Markus Hunkeler, Obstexperte beim Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Hohenrain. «Zudem sind Gala-Äpfel sehr lagerfähig und das ganze Jahr aus dem Markt vorhanden.»

Dahinter sind die Sorten Golden Delicious (13 Hektaren), Braeburn (12), Jonagold (11), Boskoop (7) und Elstar (6) platziert. Daneben gibt es eine Vielzahl kleinerer Sorten, die aber gemäss Hunkeler vom Grosshandel nicht ins Sortiment aufgenommen werden. «Die Apfelsorten Rubinette, Rubinola oder Ladina beispielsweise kriegt man nur über die Quelle der Direktvermarktung.»

Steigender Beliebtheit erfreuen sich die sogenannten Klubsorten, etwa der Greenstar (5 Hektaren). Das Prinzip dahinter: Handelsbetriebe, Züchter und Produzenten schliessen sich zusammen und sichern sich die exklusive Lizenz für die Produktion und den Verkauf einer Apfelsorte. «Damit werden nur kleinere Mengen produziert, was zu einem höheren Marktpreis führt. Die Klubsorten lassen sich als Premium-Produkte verkaufen und werden auch entsprechend vermarktet», erklärt Hunkeler.

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