Mit dem Laptop im Unterricht: Das sind die Erfahrungen der Lehrer und Schüler

Neu müssen die Studenten der Luzerner Gymnasien und Berufsschulen ihren eigenen Laptop mitbringen. Allerdings besitzen längst nicht alle Schüler einen – und einigen fehlen die elementarsten Kenntnisse.

Roman Kühne
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Am eigenen Laptop die Matura absolvieren: Künftig wird das ganz alltäglich sein. (Archivbild: Stefan Kaiser)

Am eigenen Laptop die Matura absolvieren: Künftig wird das ganz alltäglich sein. (Archivbild: Stefan Kaiser)

Zugespitzt kann man sagen: Länder wie Frankreich verbieten das Handy an den Schulen, die Luzerner führen es ein. Dies ist eine direkte Folge des Lehrplans 21, wo dem Arbeiten mit Computern und dem Informatikunterricht viel Raum gegeben wird. Seit diesem Schuljahr gilt an den Gymnasien und Berufsschulen «Bring your own device». Jeder Schüler hat also sein eigenes elektronisches Gerät dabei und der Unterricht findet möglichst flächendeckend digital statt.

Für Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, ist diese Einführung ein wichtiges Element der Schulqualität. «In jedem Beruf spielt der Computer heute eine wichtige Rolle», führt er aus. «Es gibt Berufe, wie die Hotel-Kommunikationsfachleute, wo nur noch digitale Medien zum Einsatz kommen. Wir haben in den letzten drei Jahren intensiv das Lehrpersonal geschult. Nach Pilotklassen starten dieses Jahr nun 65 Prozent der Schüler mit dem Programm. Die anderen Klassen werden im nächsten Jahr folgen.» Die Idee ist, dass über das Office 365 ein grosser Teil der Informationen, der Schulung, ja eventuell gar der Prüfungen abgewickelt werden.

«In jedem Beruf spielt der Computer heute eine wichtige Rolle.»

Gleichzeitig gibt es einen Bereich nur für Lehrer, wo diese die Vorbereitung durchführen können, etwa mit OneNote. Was Christof Spöring erstaunt, ist das teils mangelhafte Wissen der Schüler: «Manchmal sind elementare Kenntnisse nicht vorhanden. Wir haben Schüler, die nicht wissen, wie und wo sie eine Datei speichern können. Viele hatten bis jetzt nicht ihren eigenen Laptop.» Mit dem Lehrplan 21 ändert dies. Bekanntlich will der Stadtrat für fast 6 Millionen Franken alle Sekundarschüler und Lehrer mit Computern ausrüsten. Dies wird ab dem Schuljahr 2019/2020 der Fall sein.

Grosse Effizienzsteigerung

Matthias Mosimann ist ein BYOD-Lehrer der ersten Stunde und unterrichtet an der BBZW Emmen die Anlage- und Apparatebauer. Er hat nur gute Erfahrungen gemacht: «Was früher der Schlosser war, ist heute ein hochkomplexer Beruf, wo die Konkurrenz von 3D-Druckern und Fabriken aus China kommt. Früher hat man eine Handskizze gemacht, am Schneidebrett aufbereitet und dann das Stück entsprechend zugeschnitten», erklärt der Fachmann. «Heute wäre dies finanziell kaum mehr möglich. Jetzt geht der Lehrling an den Computer und schickt den Entwurf an eine Plattform, wie Blexon. Diese rechnet in wenigen Sekunden aus, wieviel es kostet, aufgelistet nach Stückzahl und Material. Anschliessend wird das Teil extern produziert.»

Aber birgt der Unterricht mit Laptops nicht auch Gefahren? «Es gibt natürlich unendlich viel Ablenkung im Internet», führt Mosimann schmunzelnd aus. «Auch hat es immer wieder Schüler, die mit den Computern auf Kriegsfuss stehen. Aber wenigstens haben die Schüler immer alles dabei, da selbst die Bücher elektronisch sind.»

Matura am Laptop

Auch die Gymnasien sind an vorderster Front dabei. An der Kantonsschule Alpenquai Luzern müssen die Viertklässler seit diesem Schuljahr ihren eigenen Laptop mitbringen. Die Erfahrungen sind mehrheitlich positiv. Es gibt aber durchaus Aspekte, die weiter beobachtet werden müssen, wie die Ablenkungsgefahr. «Technisch funktioniert der Betrieb in der Regel gut, auch in Bezug auf die Bandbreite des Internetzugangs», führt der Rektor Hans Hirschi aus.

«Da die Geräte täglich im Unterricht gebraucht werden, ist es für die Schüler auch keine Frage, sie immer dabei zu haben.» Für Schüler, die sich kein Gerät leisten können, bietet die Schule eine direkte und einfache Lösung an. Die Schüler können während den Ferien in der Schule putzen oder sonstige Arbeiten ausführen und sich so ihr Geld verdienen. Einen Schritt weiter ist die Kantonsschule Sursee. Bereits seit 2013 wird den Schülern erlaubt, für einen Teil der Matura die eigenen Notebooks zu nutzen.

USB-Stick verhindert Betrügereien

Betrügereien werden dabei durch einen speziellen USB-Stick verhindert. Die Studenten können so weder auf das Internet noch auf die interne Festplatte zugreifen. Wie sehen die Schüler selber diese Neuerung? Paris Künsch, im zweiten Lehrjahr an der BBZ Wirtschaft, ist begeistert: «So zu arbeiten ist superpraktisch. Man hat alles beieinander. Selbst die Hausaufgaben kann man elektronisch abgeben. Nur die Theorie und die Prüfungen lese und schreibe ich lieber auf dem Papier. Dies ist am Bildschirm mühsam.» Auch die Zusammenarbeit unter den Schülern und mit den Lehrpersonen nehmen sie als effizienter und besser war.

Berufsbildung: Kanton Luzern zwingt Lehrlingen Laptops auf

Wer im Spätsommer 2018 seine Lehre startet, muss einen eigenen Laptop in die Berufsschule mitbringen. Der Kanton empfiehlt Lehrmeistern, sich an den Kosten zu beteiligen. Ob diese Folge leisten, ist allerdings mehr als fraglich.
Evelyne Fischer