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Frosch-fröhlich in den Güdismontag: Zahlreiche Guuggenmusigen begleiten die Wey-Tagwache

Die zweite Hälfte der fünften Jahreszeit beginnt traditionsgemäss mit der Wey-Tagwache. Zahlreiche Guuggenmusigen erhellen den Anlass am frühen Montagmorgen und stimmen Wey-Zunftmeister Rolf Birchler freudig. Unsere Zeitung war vor Ort auf dem Kapellplatz.

Jonathan Biedermann
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Weyfrösche auf dem Hirschenplatz.
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Das Zunftfrosch der Weyzunft bei seinem Weg über den Kornmarkt.
Standarten der grössten Luzerner Fasnachtsgesellschaften: Fidelitas Lucernensis, Zunft zu Safran, Weyzunft, Maskenliebhabergesellschaft (v.l.n.r.)
Los geht's: Mit der Wey-Tagwache geht die Luzerner Fasnacht in die zweite Runde.
Guuggenmusigen begleiten den Wey-Frosch durch die Luzerner Altstadt.
Weyzunftmeister Rolf Birchler mit Gattin Agatha und Weibel Remo Bucher (von links) und weitere Zünftler auf dem Zunftwagen.
Einmarsch der Guuggenmusigen auf dem Kapellplatz.
Impressionen von der Wey-Tagwache 2020.
Rund 3000 Fasnächtler waren an der Wey-Tagwache auf dem Kapellplatz zugegen.
Grün-gelbes Glück: Wey-Tagwache in der Stadt Luzern.
Keine Schlafmütze: Die Gartenzwerge an der Wey-Tagwache.
Indische Gäste überraschten an der Wey-Tagwache mit fulminanten Tanzeinlagen.

Weyfrösche auf dem Hirschenplatz.

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 24. Februar 2020)

Totenstille. Am frühen Montagmorgen begegnen sich in der Luzerner Altstadt Fuchs und Hase. Zeitgleich, kurz vor halb sechs Uhr, schleichen vier Hexen über den Pflasterstein — hinter ihnen ächzt und scheppert ihr Holzwagen. Am «Güdismontag» spricht das nicht für eine schlafende Stadt: Da machen sie sich alle gemeinsam auf an die Wey-Tagwache.

Auf dem Kapellplatz sind bereits einige hundert Fasnachtsbegeisterte versammelt. In leicht verschlafenem Zustand wird hier die Ankunft des Wey-Zunftmeisters Rolf Birchler erwartet. Er wird in einer halben Stunde die zweite Runde der Luzerner Fasnacht einläuten. Das milde und trockene Wetter lockt am Güdismontag rund 3000 Fasnachtsbegeisterte vorzeitig aus dem Bett, wie die Polizei später bestätigt. Doppelt so viele wie letztes Jahr.

Drüben auf dem Kornmarkt machen sich die Guugger der Tropenblocher bereit. Jene der Schlösslifäger Kriens nähern sich bereits laut schränzend von der Weggisgasse her. Am Grendel ist es rammelvoll. Zwei Kinder in Ritterrüstung liefern sich auf offener Strasse einen Schwertkampf. «Moorge, moorge, moorge...», klingen fröhliche Stimmen von allen Seiten her. «No chli gwagglig», antwortet ein Guuggerin mit dickem Fellkleid auf die Frage, wie es am frühen Morgen um sie stehe.

Es herrscht Bazar-Stimmung: Guugger stärken sich mit Weggli, Schoggistängeli und Punsch. Manche wissen ihr Getränk mit einer streng riechenden Flüssigkeit aus einer flachen Flasche zu ergänzen. Andere bedienen sich gegärtem Hopfen und Malz aus der Dose.

Unterdessen steigt auf dem Kapellplatz um 5.45 Uhr Uhr die Spannung. Vom Schwanenplatz her nähern sich rot leuchtende Augen. Mit Trommeln und Trompeten kündigt eine pechschwarz gekleidete Guuggenmusig die Tagwache an. «Uuh»-Rufe, Freudenschreie und in die Luft gestreckte Hände heissen die gfürchigen Gestalten willkommen. Und schliesslich: Der grosse Frosch rollt an. In grün und gelb trifft die Wey-Zunft ein.

Hinterher donnert der Einachser mit Zunftmeister Birchler, Weibel Remo Bucher und Anhang. Das Gefährt sei eine Überraschung gewesen, erzählt Birchler später. Die Ankunft des Wey-Zunftmeisters werde jedes Jahr im Geheimen vom Weibel geplant. Die Zünftler klettern in einem Zug auf den gelb-grünen Wagen in der Mitte des Platzes. Gegenüber drängeln sich die üblichen Verdächtigen aus den anderen Zünften und Fasnachtsgesellschaften auf einen zweiten Wagen.

Gelbe und grüne Fäden zieren die Bäume im Hintergrund. Wey-Zunftmeister Rolf Birchler (links mit schwarzem Hut) und Anhang freuen sich an den vorbeiziehenden Guuggenmusigen.

Gelbe und grüne Fäden zieren die Bäume im Hintergrund. Wey-Zunftmeister Rolf Birchler (links mit schwarzem Hut) und Anhang freuen sich an den vorbeiziehenden Guuggenmusigen.

(Bild: Nadja Schärli, Luzern, 24. Februar 2020)

Punkt sechs Uhr: Jetzt schiessen gelbe und grüne Fäden in die Höhe. Der Wind wirbelt sie für einige Sekunden über das Publikum, bevor sie die Bäume in ein farbiges Netz kleiden. Die zweite Hälfte der fünften Jahreszeit beginnt!

Die Stimmung ist gelassener als am Schmutzigen Donnerstag: kein «Brüeele», kein Feuerwerk und kein Gedränge. Auch Zwischenfälle blieben im Gegensatz zum Donnerstag aus: Der Anlass sei «topfriedlich» verlaufen, bestätigt die Polizei im Anschluss. Und dennoch: Der Kapellplatz ist alles andere als leer. Mit jeder Guuggenmusig steigt die Begeisterung — auch bei Wey-Zunftmeister Birchler, wie er im Anschluss an die Tagwache kommentiert:

«Ganz besonders freuten mich die vielen Guuggenmusigen — und natürlich die zahlreichen Fasnachtsbegeisterten.»

Diese Worte widerspiegeln die Freude im Gesicht des 66-Jährigen ebenso wie dessen Fasnachtsmotto «Öb im Schritt oder Galopp – d’Fasnacht met em Birchler wird top». Dieses nimmt sich Birchler zu Herzen: Seine Antworten auf die Fragen unseres Reporters mussten warten, bis die ganzen 400 Kilogramm Orangen aus dem Wagen geworfen waren.